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Aus dem Schatten von Pointner getreten

Stefan Kraft hat mit acht Weltcup-Siegen, zweimal WM-Gold, dem Skiflug-Weltrekord und den Gesamtsiegen im Skisprung- sowie Skiflug-Weltcup eine sensationelle Saison hingelegt. Auch Cheftrainer Heinz Kuttin konnte über den Erfolgslauf des besten ÖSV-Adlers nur staunen, bilanzierte seine dritte Saison in dieser Funktion aber auch aus anderen Gründen hocherfreut.

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Nach der Ablöse von Erfolgscoach Alexander Pointner vor drei Jahren hatte es der Kärntner auch in der öffentlichen Wahrnehmung nicht immer leicht gehabt. Zudem beendeten Thomas Morgenstern und Wolfgang Loitzl ihre Karrieren und Gregor Schlierenzauer nahm nach einer Formkrise eine Auszeit. Nun hat Kuttin die Truppe auch im Nationencup nach Rang vier im Vorjahr auf Platz zwei zurückgeführt.

Skispringer-Mannschaft

GEPA/Andreas Pranter

Nach einem Jahr Pause jubelten die ÖSV-Adler wieder vom Nationencup-Podest

„Ich habe vor der Saison gesagt: Wir brauchen noch ein, zwei Jahre, dass wir ganz vorne mitmischen. Das sage ich auch jetzt. Wir waren bei der Tournee vorne, und dann haben wir durch den Virus extrem viele Punkte verloren. So sind wir noch Zweiter geworden, das stimmt uns für die Zukunft sehr positiv“, sagte der 46-Jährige.

Weichen offenbar richtig gestellt

Auch sonst sieht Kuttin viel Positives. „Natürlich. Ich bin ja der, der das Ganze leitet, der den Weg vorgibt und die Schwerpunkte setzt. Und der auch geradestehen muss, wenn es nicht so gut geht“, sagte Kuttin im Gespräch mit der APA. Besonders froh ist der zweifache Familienvater über die offenbar richtig gesetzten Weichenstellungen.

„Die Schwerpunkte, die wir im Sommer gesetzt haben, waren gut. Man sieht wie das bis zum FIS-Cup hinunter richtig Früchte trägt. Das macht dich stolz. Der Weg, wie wir ihn gegangen sind, war sehr gut und die Burschen haben das alles aufs Papier gebracht.“

Kraft mit Extrakräften

Einer dieser Schwerpunkte war auch „Energiehaushalt und Ernährung“, ein Hauptfaktor nicht zuletzt auch für die schier endlosen Kraftreserven des Stefan Kraft. „Wir sind auch mit unserem System eher so, dass wir mit dem Gewicht nicht ans Limit gehen wie viele andere Nationen“, erklärte Kuttin.

„Ich habe schon gewusst, dass wenn, dann alle müde werden. Wenn du einen Lauf hast wie der Stefan, dann kriegst Extrakräfte“, so der Coach. Während der Raw-Air-Serie habe es kurzfristig nicht so gut ausgeschaut. „Da waren auch einige Fehler dabei, aber er hat das souverän weggesteckt.“ Gerade dort habe Kraft auch das Glück des Tüchtigen gehabt.

Tournee als emotionalster Moment

Der emotionalste Moment der Saison war für Kuttin nicht etwa Doppel-WM-Gold, Team-WM-Bronze oder der Skiflug-Weltrekord Krafts, sondern kurioserweise die durch einen Virus verpatzte Vierschanzentournee, und der Turnaround, der dem Team danach gelungen ist.


Stefan Kraft

GEPA/Thomas Bachun

Im Tournee-Finish und danach war Kraft körperlich nicht in bester Verfassung

„Wir waren perfekt vorbereitet und sind mannschaftlich super reingestartet. Und dann haut dich der Virus so aus den Socken“, erinnerte sich der Ex-Weltmeister. „Da kannst du ja nichts dafür. Wir sind in Bischofshofen unten gestanden und haben gesagt, wir haben alles richtig gemacht, aber haben den fünften, sechsten Platz.“

Genau das habe das Team auch wieder gestärkt. „Weil wir gewusst haben, wir sind gut drauf. Ich muss ganz ehrlich sagen, das war für mich einer der Höhepunkte in dem Jahr - diese Erfahrung zu machen. Wobei sie negativ behaftet ist. Wie das gesamte Team und die Athleten mit der Situation umgegangen sind, ohne nervös zu werden und geduldig zu bleiben.“

Unerwartete Aufholjagd

In Zakopane musste Kraft nach dem Virus pausieren, danach hatte Kamil Stoch 293 Punkte Vorsprung auf den damals viertplatzierten Kraft. Ob Kuttin da noch an den Gesamtsieg geglaubt hätte? „Nein, eigentlich sagt man, wenn so ein Riesenunterschied ist, der wird durchmarschieren. Man hat halt gesehen, dass Kamil dann unkonstant geworden ist, da bin ich wieder beim Punkt Energie. Stefan ist dann eineinhalb Monate Vollgas durchmarschiert und hat im Prinzip kein schlechtes Ergebnis gemacht.“

Mit Michael Hayböck (Siebenter) und Manuel Fettner (Zehnter) haben zwei weitere seiner Schützlinge die Saison in den Top Ten beendet. „Michi hat eine schwierige Saison gehabt. Am Anfang der Saison hat er mit dem Rücken schwere Probleme gehabt, dann hat ihn der Virus umgehaut. Es war eine verkorkste Saison für ihn“, meinte Kuttin, ergänzte aber, „nichtsdestotrotz hat er einen Weltcup gewonnen, die Konstanz hat er halt nicht gehabt. Das zeigt, dass du das ganze Jahr topfit sein musst, damit du ganz vorne mitmischen kannst.“

Nach der WM-Saison ist vor der Olympiasaison. „Der Weg soll sicher so weitergehen, aber ich habe mir noch null Gedanken gemacht“, sagte Kuttin, der sich während der Saison Notizen gemacht hat, und nun in aller Ruhe im April analysieren will. Dann werde man unter anderem auch über die Zusammensetzung der Trainingsgruppen reden, auch mit wem zum Beispiel Schlierenzauer arbeiten wird.

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