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Torhüter als Schlüssel zum Erfolg

Für Österreich wird es am Samstag ernst. Um 20.00 Uhr (live in ORF Sport +) wartet bei der WM der Division IA in Kiew Kasachstan als erste Hürde auf dem Weg zurück in die A-Gruppe. Mit einer jungen Mannschaft versucht Teamchef Roger Bader das Nationalteam wieder ins Oberhaus zu führen. Nach den bisherigen Spielen unter dem Schweizer spricht einiges dafür, dass es wieder klappen könnte.

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Es ist eine lange nicht gekannte Situation für das rot-weiß-rote Nationalteam. Im Vorjahr verpassten die Österreicher erstmals den sofortigen Wiederaufstieg, nachdem man 2015 nach der WM in Prag einmal mehr den Klassenerhalt nicht geschafft hatte. Seit dem Abstieg 2005 in Wien war Österreich immer wieder postwendend in die A-Gruppe zurückgekehrt. In Katowice belegte die damals noch von Daniel Ratushny betreute Truppe nur den vierten Platz und verpasste das Ticket für die Titelkämpfe 2017 in Köln und Paris.

ÖEHV-Team für B-WM gerüstet

Kasachstan, Ungarn, die Ukraine, Südkorea und Polen sind Österreichs Gegner bei der am Samstag beginnenden Eishockey-B-WM in Kiew. Roger Bader bleibt Teamchef, egal ob der Aufstieg gelingt.

Das große Ziel ist nun die WM im kommenden Jahr, die erstmals in Dänemark über die Bühne gehen wird. Dazu muss sich Baders Truppe in der Division IA gegen Gastgeber und Aufsteiger Ukraine, die beiden Absteiger aus der A-Gruppe, Kasachstan und Ungarn, sowie gegen Polen und Südkorea durchsetzen. Die ersten beiden Teams sind 2018 in Kopenhagen und Herning mit von der Partie.

Das spricht für den Aufstieg

Die Torhüter: Mit Bernhard Starkbaum, David Kickert und David Madlener darf sich Österreich bei der WM in Kiew auf starken Rückhalt verlassen. Spielt Einsergoalie Starkbaum in der ukrainischen Hauptstadt nur ansatzweise so wie etwa gegen Schweden auf, dann dürfen die Österreicher ernsthaft für die A-Gruppe planen. Sollte Starkbaum auslassen, stehen mit Kickert - Meister mit den Vienna Capitals und YoungStar der Erste Bank Eishockey Liga (EBEL) - und Madlener von Vizemeister KAC zwei junge Torhüter Gewehr bei Fuß, die zuletzt in starker Form agierten.

Bernhard Starkbaum (AUT), Emil Pettersson (SWE) und Dominique Heinrich (AUT)

APA/EXPA/Thomas Haumer

Auf Goalie Starkbaum (l.) wird bei der WM viel Arbeit zukommen

Der Kampfgeist: Österreichs Nationalteam zeigte unter Bader bisher ordentlich Biss. Beim Testturnier in Graz kämpften sich die rot-weiß-roten Cracks etwa gegen Norwegen noch zurück und setzten sich gegen die etablierte A-Nation noch im Penaltyschießen durch. Auch im zweiten Test gegen den neunfachen Weltmeister Schweden bewies die Truppe Moral. Auch wenn die Partie letztendlich verloren ging und die Skandinavier nicht in Bestbesetzung aufliefen: Ein 1:3 muss man gegen Schweden erst aufholen - und das in den Schlussminuten.

Die gute Mischung: Beim Nationalteam steht Bader zwar erst seit Oktober des Vorjahres hinter der Bande, davor hatte der Schweizer aber schon die U20-Mannschaft unter seinen Fittichen. Mit diesen Erfahrungswerten fand Bader für die „Senioren“ eine gute Mischung aus Jung und Alt. Kapitän Thomas Raffl und Goalie Starkbaum sind mit 30 bzw. 31 Jahren bereits die „Methusalems“ im Aufgebot.

Das spricht dagegen:

Die starke Konkurrenz: No, na haben die anderen Mannschaften am meisten dagegen, dass Österreich in die A-Gruppe aufsteigt. Selten war eine B-WM auf den ersten Blick so ausgeglichen. Kasachstan muss aufgrund seiner vielen Spieler in der russischen Kontinental Hockey League (KHL) als Favorit bezeichnet werden. Auch Ungarn agiert längst auf Augenhöhe mit Rot-Weiß-Rot.

Ho Min Cho (KOR) und Lukas Haudum (AUT)

GEPA/Csaba Doemoetoer

Südkorea (l.) ist für Österreich längst kein Jausengegner mehr

Südkorea erwies sich dank einiger gebürtiger Kanadier schon vor einem Jahr als harter Brocken und fügte Baders Team im November beim Testturnier in Budapest eine 4:6-Niederlage zu. Auch an Polen biss sich Österreich vor einem Jahr in Katowice die Zähne aus. Und für die Ukraine, Aufsteiger aus der Division IB, spricht in Kiew logischerweise der Heimvorteil.

Der Torriecher: Die wichtigste Disziplin im Eishockey, das Toreschießen, beherrschten die Österreicher in der jüngeren Vergangenheit nur bedingt. Die vier Treffer gegen Südkorea in Budapest waren schon das höchste der Gefühle in der Ära Bader. Bereits sein Vorgänger Ratushny hatte mit diesem Problem zu kämpfen. Was Hoffnung gibt: Mit Brian Lebler (33 Tore) und Michael Raffl (31) waren heuer zwei Teamspieler als Zweiter und Sechster im Spitzenfeld der EBEL-Schützenliste zu finden.

Verletzungen und Absagen: Wirklich aus dem Vollen schöpfen konnte Teamchef Bader vor seiner ersten WM nicht. Zwar wären mit Raffl und Thomas Vanek zwei Legionäre aus der National Hockey League (NHL) verfügbar gewesen, doch Erstgenannter ist seit Längerem verletzt und Zweitgenannter hat für die kommende Saison noch keinen Vertrag. Das Risiko sich in Kiew zu verletzen, war zu groß. Dazu mussten u. a. auch die langjährigen Teamspieler Andreas Kristler, Raphael Herburger und Mario Altmann sowie Manuel und Stefan Geier absagen.

Trotzdem geht Teamchef Bader mit Zuversicht in das Turnier. Der Aufstieg sei zwar das Ziel, aber kein Muss, sagte der Schweizer im Gespräch mit ORF.at. „Mit dem Wort muss tue ich mir schwer, denn das würde bedeuten, dass ich die Gegner nicht richtig einschätze. Es wird eine schwierige Aufgabe, daher möchte ich lieber sagen: Wir wollen“, so der 52-Jährige.

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