Spitzenzeiten vom Winde verweht?
Der Vienna City Marathon (VCM) hat auch bei seiner 34. Auflage am Sonntag ein extrem starkes Läuferfeld zu bieten. Vor allem einige Afrikaner könnten für Weltklassezeiten und eventuell sogar neue Streckenrekorde in Wien sorgen - falls sich nicht das Wetter als Spielverderber erweist. Vor allem der prognostizierte Sturm dürfte nämlich den auch heuer mehr als 40.000 Läufern zusetzen.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Beim Start um etwa 9.00 Uhr (live in ORF eins und im Livestream) wird der aus Nordwesten kommende Wind zwar noch nicht ganz so stark blasen, im Tagesverlauf aber auffrischen. Sturmböen bis zu 70 km/h sind vorhergesagt. Auch einzelne Regenschauer sind möglich, dazwischen kann es aber auch sonnige Abschnitte geben. Die Temperaturen werden sich im Bereich zwischen 7 und 11 Grad bewegen. Ähnlich unwirtlich war das Wetter zuletzt beim Wien-Marathon 1996, als bei Schneeregen und 4 Grad gelaufen wurde.
Kälte und Wind beim Vienna City Marathon
Über 40.000 Läuferinnen und Läufer werden am Sonntag beim Vienna City Marathon erwartet - und eines steht jetzt schon fest: Das Wetter zeigt sich dieses Mal von seiner ungemütlichsten Seite.
„Eine große Herausforderung“
„Der 34. Marathon wird eine große Herausforderung. Es ist nicht so, wie wir uns das vorstellen, da spreche ich die Wetterbedingungen an. Laut Statistik haben wir alle 20 Jahre in der zweiten April-Hälfte so ein Wetter. Mit der Situation müssen wir leben. Unser Gegner ist nicht der Regen, sind nicht die Temperaturen, da kann man sich schützen, unser Gegner ist der Wind“, sagte VCM-Veranstalter Wolfgang Konrad am Donnerstag. Das gilt nicht nur für die Läufer, sondern auch für die Aufbauarbeiten und Infrastruktur.

Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA
Die VCM-Strecke wurde leicht verändert, die Länge bleibt natürlich gleich
Das Elitefeld über die 42,195 Kilometer wird um 8.58 Uhr vor der Reichsbrücke ins Rennen geschickt, gegenüber den letzten Jahren gab es eine leichte Streckenänderung. Statt über die wellige Schüttelstraße wird von Kilometer 35 bis 38 von der Lusthausstraße über die Rustenschacherallee, Sportklubstraße und Vivariumstraße auf die Franzensbrücke gelaufen. Das Ziel ist wie 2016 auf der Ringstraße zwischen Burgtheater und Rathaus.
Titelverteidigerin Genemo in Favoritenrolle
Dass sie mit windigen Bedingungen gut zurechtkommt, hat Shuko Genemo bei ihrem Wien-Sieg im Vorjahr bewiesen, als sie mit ihrer persönlichen Bestzeit von 2:24:31 Stunden für die zweitbeste Frauen-Zeit in der VCM-Geschichte gesorgt hatte. Die erst 21-jährige Äthiopierin ist auch heuer Topfavoritin. Als stärkste Gegnerin gilt ihre 27-jährige Landsfrau Meseret Mengistu, die 2015 in Paris, 2016 in Peking und im Jänner 2017 in Xiamen gewonnen hat und mit einer Bestzeit von 2:23:26 die schnellste Läuferin im Feld ist.
„Wir haben ein starkes Frauen-Feld akquirieren können, es ist ein kompakteres Feld als in den Vorjahren. Daraus wird sich ein schönes, spannendes Rennen entwickeln“, sagte Athletenkoordinator Mark Milde. Sollte das Wetter doch mitspielen, sieht er den Streckenrekord der Italienerin Maura Viceconte (2:23:47) aus dem Jahr 2000 in Gefahr. Genemo sah bei ihrer Ankunft am Mittwoch erstmals Schnee und „erschrak“, wie sie in einer Pressekonferenz am Donnerstag erzählte. Das trübte die Vorfreude auf das Rennen allerdings nicht, sie hofft auf eine bessere Zeit als bei ihrem Erfolg im Vorjahr.

APA/Hans Punz
Genemo (F-1) mit ihren Herausforderinnen Mengistu (F-2) und Kiprop (F-3)
Erstmals in Wien mit dabei ist die 38-jährige Kenianerin Nancy Kiprop, die auf eine bereits 23-jährige Karriere zurückblickt. Die Topmarke der siebenfachen Mutter (zwei leibliche und fünf adoptierte Kinder) steht bei 2:25:13, die sie als Zweite 2016 in Valencia erreichte. Österreicherinnen im Elitefeld sind Karin Freitag (im Vorjahr 13.), Katharina Zipser und Antonia Luchini.
Kiptanui wieder mit Anreiseproblemen
Bei den Herren könnte es zu einem Duell um den Sieg zwischen dem Kenianer Eliud Kiptanui und dem Äthiopier Deribe Robi kommen. Mit ihren Bestzeiten von 2:05:21 (Kiptanui) und 2:05:58 (Robi) könnten beide den VCM-Rekord des Äthiopiers Getu Feleke (2:05:41) aus dem Jahr 2014 angreifen.
Kiptanui hing allerdings am Freitag noch in Kenia fest und reiste erst am Samstag an. Beim 27-Jährigen gab es Probleme mit der Freigabe durch den Verband, die er erst am Mittwoch erhielt. Danach mussten noch die Visaformalitäten abgewickelt werden, am Freitag gab es schließlich grünes Licht. Es ist schon das zweite Mal, dass sich Kiptanuis Wien-Trip problematisch gestaltet. 2010 verhinderte das durch die Aschewolke nach dem Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull ausgesprochene Flugverbot seine Anreise.
Robi traf am Freitag in Wien ein. „Ich liebe die Wiener und Wien“, sagte der 26-Jährige nach dem Empfang. Seine Bestzeit erzielte er als Zweiter 2015 in Eindhoven. „Wenn das Wetter passt, dann sind 2:05 oder 2:06 möglich“, sagte er über seine Erwartungen.
Hohe Dichte an Spitzenläufern
Laut Meldeliste drittschnellster Starter hinter Kiptanui und Robi ist der Marokkaner Mustapha El Aziz (2:07:55). „Ich erwarte ein schnelles Rennen. Ich bin sehr gut vorbereitet und sicher, dass ich meine Bestzeit verbessern werde“, sagte der 31-Jährige. Der Kenianer Suleiman Simotwo ist bereits das dritte Mal in Folge in Wien, 2015 wurde er Fünfter, 2016 Dritter. Milde sieht noch viel Potenzial beim 36-Jährigen, dessen Bestzeit bei „nur“ 2:08:49 steht.
„Wir haben ein tolles Feld. Bei den Männern haben wir eine sehr hohe Dichte von Läufern unter 2:10, so viele hatten wir in Wien noch nie“, sagte Milde. Der Rennleiter erwartet eine kompakte Spitzengruppe, die den ersten Halbmarathon in 1:03:15 bis 1:03:30 Stunden anlaufen wird und zu der auch die Kenianer Ezekiel Omullo, Albert Korir und Vincent Kipchumba gehören sollten.
Pfeil fühlt sich in guter Verfassung
Eine bessere Zeit als die 2:16:37 bei seinem Marathon-Debüt als 13. im Vorjahr peilt der Österreicher Valentin Pfeil an. Mit 2:15 würde sich der 28-Jährige für die Leichtathletik-WM im August in London qualifizieren. Das Training verlief vielversprechend. „Die Einheiten waren länger und schneller. Und die Grundgeschwindigkeit im Dauerlauf war höher als im vergangenen Jahr“, sagte der ausgebildete Tierarzt, der seit heuer beim Bundesheer angestellt ist, um sich voll auf den Sport konzentrieren zu können.

APA/Hans Punz
Valentin Pfeil blickt mit Vorfreude und Respekt auf seinen zweiten Marathon
Der Wind könnte nun allerdings zum Spielverderber werden. „Wind ist Teil des Spiels, das muss man so hinnehmen. Es hat sich letztes Jahr gezeigt, dass den Eliteläufern zwei bis drei Minuten gefehlt haben. Man muss versuchen, so stark wie möglich zu bleiben“, meinte Pfeil, bei dem die Vorfreude überwiegt. „Aber es ist auch eine gewisse Unsicherheit vorhanden. Ich habe jetzt schon einen Marathon in den Beinen gespürt, weiß, was alles passieren kann. Respekt ist vorhanden und er ist größer als letztes Jahr.“
Link: