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Sturm auf die Festung Eden Park

Seit Anfang Juni touren die „British and Irish Lions“ durch Neuseeland. Nach sechs Vorbereitungsspielen kommt es für die Auswahl aus Engländern, Iren, Schotten und Walisern am Samstag zum ersten Showdown mit dem Gastgeber. Im ersten von drei Duellen soll der Grundstein zum ersten Seriengewinn gegen die „All Blacks“ seit 46 Jahren gelegt werden. Dazu muss jedoch eine Festung erobert werden.

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Die Zuversicht bei den Touristen von den britischen Inseln ist jedenfalls groß, einen Erfolg über die Neuseeländer davonzutragen. Dort, wo 1888 die Geschichte der „Lions“ begann und wohin die britisch-irische Truppe nur alle zwölf Jahre zurückkehrt. Dazwischen werden im Vierjahresrhythmus mit Australien und Südafrika zwei andere Rugby-Großmächte besucht. Ein Sieg im „Best of three“ in Neuseeland wäre allerdings erst der zweite nach jenem aus dem Jahr 1971.

Testspiele geben Hoffnung

Nach holprigem Start in die Testspiele mit zwei Siegen und zwei Niederlagen kamen die „Lions“ in der entscheidenden Woche vor dem Duell mit den „All Blacks“ in Fahrt. Die Maori All Blacks, eine Auswahl von Spielern mit indigenen Wurzeln, wurden mit 32:10 in die Schranken verwiesen. Nicht einmal der spektakuläre Kriegstanz der Maori konnte die „Lions“ einschüchtern.

Noch mehr Selbstvertrauen tankten die Europäer jedoch mit dem 34:6-Triumph über die Waikato Chiefs am Dienstag. Die Erfolge über die Maori All Blacks und die Chiefs sind für „Lions“-Coach Warren Gatland - selbst ein gebürtiger Neuseeländer - die Blaupause, um den Weltmeister am Samstag in die Knie zu zwingen. „Wir haben diesen zwei Teams das Leben ausgequetscht“, sagte Gatland, „wir müssen mit Leidenschaft und Mut auftreten und auch einiges riskieren. Das ist der Weg, um die ‚All Blacks‘ zu schlagen.“

Leidenschaft, Mut und Risiko

Ein Sieg über die Neuseeländer, auf die man bereits 1904 das erste Mal traf, ist allerdings ebenfalls schon eine kleine Ewigkeit her. 1993 feierten die „Lions“ in drei Spielen wenigstens einen Sieg. Damals waren einige Akteure im aktuellen Kader noch gar nicht geboren. Beim nächsten Gastspiel 2005 hatte die britisch-irische Auswahl hingegen nichts zu melden. „Man muss mit Selbstvertrauen antreten und bereit sein zu spielen“, sagte der Ire Connor Murray, „man muss immer angreifen und darf sich nicht in seine Ecke drängen lassen.“

Jack Nowell (Lions)

APA/AP/New Zealand Herald/Brett Phibbs

Im letzten Test vor dem Duell mit den „All Blacks“ waren die „Lions“ nicht zu halten

Der 28-Jährige weiß, wovon er spricht. Mit Irland fügte Murray den „All Blacks“ die bisher letzte Niederlage zu. Im vergangenen Jahr setzten sich die Iren bei einem Gastspiel im Soldier Field von Chicago gegen den amtierenden Weltmeister überraschend deutlich mit 40:29 durch. Ein historischer Triumph: Im 29. Versuch holte Irland den ersten Sieg über die Männer in Schwarz - die sich allerdings nur wenige Wochen später in Dublin für die Blamage revanchierten.

Uneinnehmbare Festung

Wie schwer die Aufgabe für die „Lions“ wird, zeigt die jüngste Statistik. Denn neben der Partie gegen Irland verloren die Neuseeländer seit dem WM-Titel 2011 im eigenen Land nur noch gegen England, Südafrika und Australien - und das immer auswärts. Denn auf ihrer Insel sind die „All Blacks“ schon seit 2009 nicht mehr bezwungen worden. Damals sorgten die südafrikanischen „Springboks“ für Trauerstimmung zwischen Auckland im Norden und Invercargill im Süden. Seither haben die Neuseeländer zu Hause 46 Spiele in Folge gewonnen.

Noch länger nicht mehr erobert wurde der Eden Park. Im größten Stadion des Landes in der Metropole Auckland sind die „All Blacks“ seit 1994 und seit 38 Spielen unbesiegt. Vor 23 Jahren gelang Frankreich der bisher letzte Erfolg einer Gastmannschaft in der 50.000 Zuschauer fassenden Arena. Im Finale der WM 2011 waren es ebenfalls die Franzosen, die Neuseeland an den Rand einer Niederlage brachten. Doch mit 8:7 verteidigten die „All Blacks“ ihre stolze Serie in dem bereits vor 117 Jahren eröffneten Stadion.

Eden Park

APA/AFP/Michael Bradley

Im Eden Park von Auckland gab es für Gastmannschaften schon länger nichts mehr zu holen

Weltmeister mit Selbstvertrauen

Nicht nur aufgrund der Heimstärke im Eden Park, auch wegen der Erfolge bei der Heim-WM 2011 und der erfolgreichen Titelverteidigung 2015 fordert ganz Neuseeland eine neuerliche Machtdemonstration seines sportlichen Aushängeschildes. Und bei den „All Blacks“ ist man gewillt, den Wunsch der Anhänger zu erfüllen. „Wir haben immer Druck, und es stört uns nicht“, sagte Kapitän Kieran Read, „wir gehen raus und erwarten uns einen Sieg. Wir lieben es zu gewinnen, und das ist ein Faktor, der uns antreibt.“

Während sich die „Lions“ in sechs Testspielen für den ersten Showdown mit den Neuseeländern einstimmten, genügte den „All Blacks“ eine Vorbereitungspartie, um in Schwung zu kommen. Mit einem 78:0-Schützenfest über Samoa sendete man eine deutliche Warnung an die Gäste. Gleich zwölfmal legten die Neuseeländer den Ball für einen Versuch im gegnerischen Malfeld ab. Teamchef Steve Hansen geht gegen die „Lions“ jedoch von einer knapperen Partie aus. „Es wird entscheidend sein, wer die kleinen Dinge richtig macht“, sagte der Weltmeistertrainer.

„Red Army“ erobert Auckland

In Auckland war die Stimmung schon vor dem Anpfiff blendend. Dafür sorgten vor allem die mitgereisten Fans der „Lions“. Rund 20.000 Fans aus England, Schottland, Wales und Irland machten sich wieder auf dem Weg auf die andere Seite der Erdkugel, um ihr Team in den traditionellen roten Dressen zu unterstützen. Rund 13.000 Euro blätterten einige Anhänger dafür hin, um ihr Team den ganzen Monat über bei den Spielen zu begleiten. „Spiele gegen die ‚All Blacks‘ machen die Lions erst aus“, sagte ein mitgereister Fan.

Fans der British Lions

APA/AP/New Zealand Herald/Alan Gibson

Die mitgereisten Fans der „Lions“ waren auch bei den Testspielen voll bei der Sache

Vor dem Spiel im Eden Park, wo zwei der drei Duelle stattfinden, waren die Bars in Auckland fest in der Hand der „Red Army“. Die feuchtfröhlichen Feiern gingen dabei bis auf verbale Scharmützel meist friedlich über die Bühne. Dass es aber auch für die Neuseeländer um mehr als nur das Prestige geht, mussten „Lions“-Assistenztrainer Rob Howley und Teammanager John Spencer in einem Restaurant erfahren. Das Duo wurde von einem betrunkenen „All Blacks“-Fan beschimpft und leicht attackiert. „Seit wir in Neuseeland sind, wurden wir überall herzlich aufgenommen“, sagte Howley und nahm den Vorfall nicht tragisch, „in Sachen Sport gibt es halt immer eine Minderheit, die anders ist.“

British & Irish Lions 2017 in Neuseeland:
03.06. NZ Provencial Barbarians Lions 7:13
07.06. Blues Lions 22:16
10.06. Crusaders Lions 3:12
13.06. Highlanders Lions 23:22
17.06. Maori All Blacks Lions 10:32
20.06. Chiefs Lions 6:34
24.06. Neuseeland Lions 30:15
27.06. Hurricanes Lions 31:31
01.07. Neuseeland Lions 21:24
08.07. Neuseeland Lions 15:15

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