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Die „All Blacks“ sehen rot

Die „British and Irish Lions“ haben am Samstag im zweiten von drei Duellen mit Weltmeister Neuseeland zurückgebissen. Das gemischte Team aus Engländern, Schotten, Walisern und Iren gewann vor 39.000 Zuschauern im Westpac Stadium von Wellington mit 24:21 (9:9) gegen die dezimierten „All Blacks“ und glichen damit in der „Best of three“-Serie auf 1:1 aus.

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Das erste Spiel in diesem Prestigevergleichskampf der Rugby-Großmächte hatte Neuseeland vor einer Woche mit 30:15 gewonnen. Die entscheidende Partie folgt am 8. Juli wieder im Eden Park von Auckland. Der Sieg der „Lions“ wird aus mehreren Gründen in den Geschichtsbüchern stehen.

Spielszene zwischen Lions und All Blacks

Reuters/Anthony Phelps

Die „All Blacks“ hatten alle Hände voll zu tun

Die letzte Niederlage im Eden Park kassierte der dreifache Weltmeister Neuseeland 1994 gegen Frankreich. Auf heimischem Boden war es die erste Pleite für die Neuseeländer seit 2009, nach 47 Erfolgen in Serie. Für die „Lions“ war es der erste Sieg über Neuseeland seit 1993. Eine Länderspielserie gegen die „All Blacks“ gewannen die Rugby-Touristen, die seit 1888 im Vierjahresrhythmus durch die südliche Hemisphäre touren, erst einmal: 1971. Nächsten Samstag haben sie die Chancen, diesen historischen Erfolg zu wiederholen.

Drei Rote Karten in 92 Jahren

Möglich gemacht wurde dieser seltene Erfolg unter anderem auch durch ein seltenes Ereignis: dem ersten Platzverweis eines „All Blacks“-Spielers seit 1967. Der dritten Roten Karte überhaupt erst in der Geschichte der stolzen Rugby-Nationalmannschaft Neuseelands. Den ersten Ausschluss kassierten die „All Blacks“ 1925.

Rote Karte für All Blacks

APA/AFP/Marty Melville

Sonny Bill Williams (r.) geht in die „All Blacks“-Geschichte ein

Den Ausschluss verschuldete Sonny Bill Williams, der damit seiner illustren Sportkarriere ein Kapitel hinzufügte, bereits in der 25. Minute. Der 1,94 m große und 110 kg schwere Williams rammte seine Schulter dem Engländer Anthony Watson mit voller Wucht gegen den Kopf, sodass dieser mit dem Verdacht auf eine Gehirnerschütterung vom Feld musste. Der französische Referee Jerome Garces beriet sich mit seinen Assistenten und dem Videoschiedsrichter über die Attacke und hatte schon nach kurzer Zeit die Rote Karte in der Hand.

„All Blacks“-Trainer Steve Hansen wollte den Vorfall in seiner Matchanalyse gar nicht länger kommentieren: „Es tut immer weh, zu verlieren. Aber eine Rote Karte ist eine Rote Karte, wenn der Schiedsrichter entscheidet, dass es eine Rote Karte ist. Es hat keinen Sinn, lange darüber zu jammern. Sonny hat bei dem Tackle nicht seine Arme benutzt, damit hat er eben nicht nur sich selbst, sondern auch den jungen Anthony in Gefahr gebracht.“

Williams immer für Schlagzeilen gut

Der 31-jährige Williams war 2015 mit Neuseeland Weltmeister geworden, nachdem er sich davor auch schon als Profiboxer betätigt hatte. Williams, der 2008 während seiner Zeit in Frankreich auch zum Islam konvertierte, spielte früher auch die Variante Rugby League in Australien. Dort ist diese Art von Tackle, der ihm am Samstag den Ausschluss einhandelte, jedoch erlaubt. Später wechselte Williams wieder zurück zur Version der Rugby Union.

Hier sollte der Superstar der „All Blacks“ bei der Olympiapremiere von Rugby 2016 in Rio de Janeiro auch in der Siebener-Variante für neuseeländisches Gold sorgen. Doch Williams zog sich im ersten Spiel gegen Japan einen Riss der Achillessehne zu. Die favorisierten Neuseeländer wurden nur Fünfte, Gold ging an Fidschi.

Keine Geschenke von den „Lions“

Williams wurde aber auch dafür bekannt, dass er ein Herz für seine Fans hat. Nachdem im WM-Finale 2015 ein 14-jähriger Bub von den Sicherheitsleuten niedergerissen wurde, als er nach Spielende auf das Feld laufen wollte, schenkte Williams dem Jugendlichen seine Goldmedaille. Am Samstag gab es im Eden Park jedoch keine Geschenke.

Die Neuseeländer mussten nach Rot für Williams 55 Minuten nur mit 14 Spielern auskommen. Die Punkte der Gastgeber besorgte mit sieben Straftritten alle Flyhalf Beauden Barrett, dreimal verschoss Barrett jedoch auch. Das reichte trotzdem lange zur Führung. Doch Versuche von Taulupe Faletau und Conor Murray verhalfen den „Lions“ schließlich zum Ausgleich, ehe Owen Farrell in der 78. Minute mit einem verwandelten Straftritt den historischen 24:21-Sieg sicherte.

British & Irish Lions 2017 in Neuseeland:
03.06. NZ Provencial Barbarians Lions 7:13
07.06. Blues Lions 22:16
10.06. Crusaders Lions 3:12
13.06. Highlanders Lions 23:22
17.06. Maori All Blacks Lions 10:32
20.06. Chiefs Lions 6:34
24.06. Neuseeland Lions 30:15
27.06. Hurricanes Lions 31:31
01.07. Neuseeland Lions 21:24
08.07. Neuseeland Lions 15:15

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