Burger schießt Österreicherinnen zum Sieg
Im historischen ersten Endrundenspiel für Österreichs Frauen-Fußballnationalteam hat es am Dienstag gleich den ersten vollen Erfolg gegeben. Nina Burger schoss die ÖFB-Frauen in der 15. Minute eines ungemein spannenden EM-Duells mit der Schweiz zum denkwürdigen 1:0. Vor 4.781 Zuschauern in Deventer wahrten die Österreicherinnen - als klare Außenseiterinnen eingestuft - die Chance aufs Viertelfinale.
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Die erstmals für eine EM qualifzierte Auswahl von Teamchef Dominik Thalhammer zeigte gegen den Weltranglisten-17. und WM-Achtelfinalisten Schweiz eine kämpferisch herausragende Leistung. Auch spielerisch war man den Eidgenössinnen über weite Strecken der Partie zumindest ebenbürtig. In Gruppe C geht es für die Österreicherinnen am Samstag (20.45 Uhr, live in ORF eins) gegen die Turnier-Mitfavoritinnen aus Frankreich weiter. Der Auftritt beim EM-Traumstart im Stadion De Adelaarshorst machte dafür viel Mut.

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Österreichs Frauen sorgten für den ersten rot-weiß-roten Sieg bei einer Fußball-EM
Traumstart dank Torjägerin Burger
Der in seinem sechsten Jahr als ÖFB-Cheftrainer tätige Thalhammer schickte eine ausschließlich aus Deutschland-Legionärinnen bestehende Startelf in die EM-Premiere. Die an einem Knochenmarksödem laborierende Viktoria Schnaderbeck (Bayern München) musste er in der Innenverteidigung durch Virginia Kirchberger (MSV Duisburg) ersetzen. Schnaderbecks Kapitänsamt übernahm Torjägerin Nina Burger (SC Sand). Ansonsten setzte Thalhammer im Heimstadion des Erstligisten Go Ahead Eagles auf sein eingespieltes und in der Qualifikation bewährtes Team.
Und dem gelang bei hochsommerlichen Verhältnissen ein geradezu märchenhafter Start ins Turnier. Nachdem Nicole Billa (Hoffenheim) in der fünften Minute schon eine gute Chance vorgefunden hatte und die Österreicherinnen auch sonst sehr druckvoll begonnen hatten, erzielte ÖFB-Rekordschützin Burger das umjubelte 1:0 (15.). Sarah Zadrazil (Potsdam) hatte den Führungstreffer mit einem Lochpass ideal vorbereitet. Burger schoss den Ball mit rechts eiskalt ins rechte untere Eck und avancierte so zur ersten Endrunden-Torschützin der österreichischen Fußballgeschichte.
AUT - SUI: 1:0 durch Burger (15.)
Rekordtorschützin Nina Burger erzielte das erste Tor für Österreichs Damen bei einer EM. Die Niederösterreicherin traf nach einem Idealpass von Sarah Zadrazil ins kurze Eck.
Direktes Offensivspiel macht viel Spaß
Burgers 47. Länderspieltor im 88. Spiel wirkte zwar einerseits befreiend, weckte aber andererseits die bis dahin sehr gehemmt agierenden Eidgenössinnen auf. Es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch mit gefälligen Angriffsaktionen auf beiden Seiten und vor allem kompromissloser Zweikampfführung auf jedem Quadratmeter des Spielfeldes. Die Teamärzte beider Mannschaften waren nach einer halben Stunde schon mehrmals zu Behandlungen auf dem Spielfeld gewesen. So trug etwa Lisa Makas (Duisburg) seit der 14. Minute einen Kopfverband aufgrund einer Platzwunde. Auch das Tempo der Partie blieb sehr hoch.
Was in dieser Phase fehlte, waren die klaren Torchancen - auch weil die Abwehrreihen von Carina Wenninger (Österreich/FC Bayern) und Geraldine Reuteler (Schweiz) hervorragend organisiert waren. Die direkte, schnörkellose Spielweise der Österreicherinnen machte den Zuschauern, darunter auch einige österreichische Fanclubs, aber viel Spaß. Kurz vor der Pause musste die sichtlich benommene Makas durch Nadine Prohaska (SKN St. Pölten) ersetzt werden. Mit einer durchaus verdienten Halbzeitführung ging es in die Kabinen.
ÖFB-Team nach einer Stunde in Überzahl
Nach dem Seitenwechsel setzte sich der überaus erfreuliche Auftritt der Österreicherinnen zunächst nahtlos fort. Burger und Katharina Schiechtl (48.) waren gleich nahe am zweiten Tor dran, wurden am gegnerischen Fünfer aber gerade noch abgeblockt. Die Schweizerinnen waren bemüht, einen Gang zuzulegen, bissen sich an der ÖFB-Defensive und an der aufmerksamen Torhüterin Manuela Zinsberger (FC Bayern) aber weiter die Zähne aus. Thalhammers Gegenüber Martina Voss-Tecklenburg reagierte nach etwa einer Stunde mit einem Doppelwechsel für mehr Offensive.

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Die Rote Karte gegen Kiwic machte die Aufgabe der Schweizerinnen noch schwerer
Nur wenige Augenblicke später sah die Schweiz-Teamchefin ihre Elf aber auf eine Zehn geschrumpft. Denn Rahel Kiwic riss die einmal mehr stark positionierte Burger als letzte Frau an der Strafraumgrenze um. Für diese Notbremse sah die Schweizerin von der deutschen Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus die Rote Karte. Mit dem daraus resultierenden Freistoß zwang Sarah Puntigam (SC Freiburg) die gegnerische Torhüterin Gaelle Thalmann zu einer heiklen Parade. 25 Minuten vor Schluss sah es für die selbstbewussten Österreicherinnen sehr gut aus.
Spannendes Finish und dann Riesenjubel
Tauchten die zunehmend nervöser agierenden Schweizerinnen fallweise gefährlich vor Zinsberger auf, war spätestens hier Endstation. Aggressiv, mit viel Kampfgeist und Leidenschaft spielten die Österreicherinnen die knappe Führung in die Schlussviertelstunde. Weiterhin wurde früh und konsequent attackiert, sodass die zu erwartende letzte Offensive der Schweizerinnen nicht so richtig in Gang kommen konnte. Die immens lauffreudige Burger rührte vorne kräftig um. Hinten fischte Zinsberger einen gefühlvollen Abschluss von Vanessa Bernauer (74.) aus dem Kreuzeck. An Spannung mangelte es wahrlich nicht.
Im Finish kam Schnaderbeck dann doch noch ins Spiel, um trotz Verletzung ihre ganze Routine in die Waagschale zu werfen. Dass die letzten Minuten zur Zitterpartie wurden, konnte sie freilich auch nicht verhindern. Ein abgefälschter Schuss von Ramona Bachmann (80.) strich nur knapp über das Tor der Österreicherinnen. Auf der anderen Seite vergab Burger (88.) im Konter noch eine Riesenchance auf den zweiten Treffer. Nach 93 Minuten pfiff die fehlerlose Unparteiische Steinhaus schließlich ab. Grenzenloser Jubel in den Reihen des ÖFB-Teams war die Folge. Der Traum vom Viertelfinale lebt.
UEFA Euro 2017, Gruppe C
Dienstag:
Österreich - Schweiz 1:0 (1:0)
Deventer, Stadion De Adelaarshorst, 4.781 Zuschauer, SR Bibiana Steinhaus (GER)
Tor: 1:0 (15.) Burger
Österreich: Zinsberger - Schiechtl (77. Schnaderbeck), Wenninger, Kirchberger, Aschauer - Feiersinger, Zadrazil, Puntigam, Makas (39. Prohaska) - Burger, Billa (83. Pinther)
Schweiz: Thalmann - Crnogorcevic, Kiwic, Abbe (57. Bernauer), Maritz - Bachmann, Moser, Wälti, Dickenmann - Humm (57. Aigbogun), Reuteler (62. Brunner)
Rote Karte: Kiwic (59./Torraub)
Gelbe Karten: Kirchberger, Burger bzw. Abbe
Links:
Harald Hofstetter, ORF.at, aus Deventer