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„Ein großer Schock“

Das Nein der Tiroler zu einer Bewerbung von Innsbruck um Olympische Winterspiele 2026 hat Karl Stoss hart getroffen. „Es war ein großer Schock, aber das ist Teil der direkten Demokratie, das muss man akzeptieren“, sagte der Präsident des Österreichischen Olympischen Comitees (ÖOC) am Montag. Besonders zeigte er sich von Kitzbühel und Innsbruck enttäuscht, wo die Ablehnung deutlich war.

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„Das ist jammerschade, gerade wenn wir jetzt da sind, in diesem Umfeld und diese Hügelchen sehen. Dann denkt man, wie schön wäre es, wenn man da richtige Berge sehen würde. Wenn man da Tirol hineinprojizieren könnte“, sagte Stoss am Montag vor österreichischen Medienvertretern im südkoreanischen Pyeongchang, die auf Einladung des ÖOC unter anderem die Wettkampfstätten der Winterspiele im kommenden Februar besichtigen werden. Die auf Tiroler Boden erlittene „Niederlage“ und „Watschen“ tue ihm im Herzen weh.

Tiroler stimmen gegen Olympia 2026

Nach dem Tiroler Nein bei einer Volksbefragung am Sonntag zu Olympischen Winterspielen 2026 ist die Enttäuschung bei Sportlern und dem ÖOC groß.

Zu wenig Information

Stoss hätte sich gewünscht, dass sich die Leute vorher richtig informieren, das wäre Recht und Pflicht gewesen, denn nur dann funktioniere die direkte Demokratie: „Das hat viel zu wenig stattgefunden, wir haben es angeboten. Wir haben über fünfzig Veranstaltungen im gesamten Bundesland Tirol gemacht und zum Teil war die Teilnahme erschreckend - zehn Leute, fünfzehn Leute.“ Deshalb komme immer stärker der Populismus zum Tragen. „Es reichen ein paar marktschreierische Aussagen, ‚da geht es um Milliarden, da geht es um eine korrupte Gesellschaft‘. Aber es muss kein Beweis angetreten werden.“

Gruppenfoto der Funktionäre und Botschafter für Tirols Olympiabewerbung

GEPA/Andreas Pranter

Der Einsatz des ÖOC und seiner Olympiabotschafter war am Ende umsonst

Der Wunsch des ÖOC-Bosses wäre gewesen, mit einer möglichen Bewerbung den Pioniergeist der Tiroler wieder zu wecken. „Das, was sie schon mehrfach bewiesen haben, dass sie es können, wenn sie zusammenrücken, zusammenstehen. Ich bin zu hundert Prozent überzeugt, uns wäre es wirklich gelungen, maßvolle, überschaubare, kostengünstige Winterspiele zu veranstalten. So eine Chance wird sich nie mehr bieten“, sagte Stoss.

Ärger über Kitzbühel

Besonders enttäuscht zeigte sich der ÖOC-Präsident über die Ablehnung in Innsbruck und Kitzbühel. „Man könnte interpretieren, in Kitzbühel ist man beleidigt und verschnupft, weil dort kein alpiner Wettbewerb stattfindet. Wahrscheinlich geht es ihnen zu gut, es ist eine Wohlstanderscheinung.“ Im Ötztal, wo ebenfalls keine Bewerbe geplant gewesen wären, war die Zustimmung indes groß, dort habe man die Chance erkannt. Kitzbühel lebe stark vom Wintersport, beherberge jährlich Großveranstaltungen, für Kitzbühel wäre es ein Selbstläufer gewesen.

Olympische Winterspiele: Tirol gegen Bewerbung

Tirol hat die Bewerbung für die Olympische Winterspiele 2026 abgelehnt. Etwa 53 Prozent der Stimmberechtigten haben bei der Befragung am Sonntag dagegen gestimmt.

Die Zeit für „kleinere Spiele“, wie sie das Konzept vorsahen, „sei unglaublich reif gewesen“, so Stoss. Die Chance, nicht nur über alles zu schimpfen, sondern beizutragen, etwas zu ändern, wäre gegeben gewesen. „Die Spiele wieder so zu machen, wie man sie 1976 gekannt hat, wie man sie 2012 bei den Jugendspielen erlebt hat. Aber Nachjassen, so sagt man bei uns in Vorarlberg, bringt nichts“, sagte der ÖOC-Chef.

Schröcksnadel: „Versäumte Chance“

Bei Peter Schröcksnadel, Präsident des Österreichischen Skiverbandes (ÖSV), hat sich die Verwunderung über den Ausgang der Befragung in Grenzen gehalten. „Ich bin enttäuscht, aber nicht überrascht“, sagte der Tiroler. Für Schröcksnadel war die Zusammenlegung mit der Nationalratswahl aber auch das angeschlagene Image des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) ausschlaggebend für den Ausgang. „Es ist eine versäumte Chance“, bedauerte der 76-Jährige.

Schröcksnadel hatte nach eigenen Aussagen das Ergebnis aber irgendwie kommen sehen. „Das olympische Image hat Macken bekommen. Dazu kommt, dass die Menschen kein Vertrauen mehr in die Politik haben. Wenn sich dann ein Wahlkampf so entwickelt, dann verstärkt das den Vertrauensverlust und dann fällst du mit so einem Thema eben zwischen die Ski durch. Vielleicht war es ein Fehler, das zusammenzulegen“, sagte Schröcksnadel gegenüber der APA am Rande einer FIS-Sitzung in Mailand.

Peter Schröcksnadel

APA/Barbara Gindl

Auch Schröcksnadel hätte sich einen anderen Ausgang gewünscht

Zudem seien im Vorfeld nie Emotionen oder gar eine Bewegung oder eine Euphorie entstanden. Deshalb sei es nie zu einem wirklichen Gefühl für Olympia gekommen. „Hier hat man jetzt nicht nur eine Riesenchance für die Jugend verpasst“, bedauerte Schröcksnadel. „Man wird auch nie verstehen, was man eigentlich versäumt. Man kann Geld, das jetzt nicht kommt, nicht für etwas anderes wie soziale Dinge oder Kultur ausgeben. Einfach, weil es jetzt nicht fließt. Das haben viele offenbar nicht verstanden.“

Zukünftiger Anlauf offen

Für Schröcksnadel ist im Gegensatz zu ÖOC-Präsident Stoss das Thema Winterspiele in Tirol vorläufig erledigt. „Es ist schwierig, so etwas positiv zu argumentieren. Es macht keinen Sinn, sich mehrfach zu bewerben. Für mich ist das Thema gestorben, es ist politisch tot“, sagte der ÖSV-Präsident.

Stoss schloss hingegen eine Bewerbung Österreichs für Winterspiele für die Zukunft nicht kategorisch aus. „Da müsste man aber zu uns kommen und sagen, jetzt ist die Bevölkerung reif. Das Konzept steht“, sagte Stoss, „der Wunsch nach Kleinheit, nach Überschaubarkeit, der Wunsch, Winterspiele wieder in Winterregionen, in alpine Regionen zurückzubringen, wird auch in zehn Jahren topaktuell sein.“

IOC bedauert Entscheidung

Das IOC hat das Nein der Tiroler Bevölkerung zu Winterspielen 2026 bedauert. Ein Sprecher teilte am Montag am Sitz des IOC in Lausanne mit: „Das IOC hätte die vorläufigen Sondierungsgespräche mit Innsbruck gerne fortgesetzt.“ Daraus hätte sich eine exzellente Kandidatur entwickeln können. Das IOC werde nun weitere Gespräche mit interessierten Nationalen Olympischen Komitees aus Amerika, Asien und Europa führen.

„Wir sind sicher, dass sich daraus ein exzellenter Gastgeber für die Olympischen Winterspiele 2026 entwickeln wird“, so der Sprecher weiter. Sion in der Schweiz, der einzige verbliebene mögliche Bewerber aus dem Alpenraum. Stockholm, Calgary und eine US-Stadt sind ebenfalls interessiert, Lillehammer hat eine Studie in Auftrag gegeben. Mögliche weitere Bewerber sind Mailand, Sapporo, Erzurum (Türkei) und Almaty (Kasachstan). Wo die Winterspiele 2026 stattfinden, entscheidet das IOC wahrscheinlich im Oktober 2019.

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