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Neubeginn nach „Seuchensaison“

Für Österreichs alpine Ski-Damen beginnt in Sölden ein Winter des Neubeginns. Ein Generationswechsel sowie viele Verletzungen hatten zuletzt zur - an Podestplätzen gemessen - schlechtesten Weltcup-Saison seit über 20 Jahren geführt. Erstmals seit 1998 wurde auch der Nationencup nicht gewonnen. Doch Besserung ist in Sicht. Einige Siegesläuferinnen sind wieder fit oder werden es bald wieder sein, die mannschaftliche Dichte hat zugenommen.

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Zwar hat man wegen des anhaltenden Fehlens von Eva-Maria Brem, Anna Veith und Michaela Kirchgasser auch beim Gletschersaisonauftakt am Samstag in Sölden keine Podestläuferin am Start des Riesentorlaufs, doch Damen-Chef Jürgen Kriechbaum ist für die Saison zuversichtlich. „Wir sind zwar in keiner Disziplin Mitfavoritinnen, stehen jetzt aber in der Breite ganz gut da. Und wenn die vielen Verletzten wieder voll fit sind, sieht es auch gleich wieder ganz anders aus“, ist der Damen-Rennsportleiter überzeugt.

Damen-Cheftrainer Jürgen Kriechbaum

GEPA/Christian Walgram

Jürgen Kriechbaum hat seinen Optimismus nicht verloren

Mit Veith, Brem, Kirchgasser sowie Cornelia Hütter, Mirjam Puchner und Carmen Thalmann musste Kriechbaum zuletzt ein prominentes Sextett vorgeben, eine Rosina Schneeberger hat sich mittlerweile schon wieder verletzt. „Verletzungen zu vermeiden, ist unmöglich. Dazu ist der Sport zu riskant“, weiß Kriechbaum, dass im Skirennsport Prognosen schnell über den Haufen geworfen werden müssen. Diese Erfahrung hat nun auch die slowenische Vorsaisonaufsteigerin Ilka Stuhec nach ihrem Kreuzbandriss gemacht.

Geduld ist gefragt

Bei Österreichs Damen ist auch deshalb Zuversicht angesagt, weil vor allem Veith weiter ist als vor einem Jahr. Die Olympiasiegerin (2014), Dreifachweltmeisterin und zweifache Gesamtsiegerin musste nach ihrem vor zwei Jahren erlittenen Patellarsehneneinriss den ersten Comebackversuch vergangenen Winter abbrechen und sich neuerlich operieren lassen. Nun ist die Salzburgerin besser am Weg, auch wenn sie wie Hütter vermutlich erst im Dezember in Lake Louise loslegen kann. Mit Brem und Kirchgasser rechnet man spätestens in Killington, bei Puchner wird es noch dauern. Nur Slalom-Spezialistin Thalmann ist schon für Sölden ein Thema.

Bei den früheren Siegesläuferinnen müsse man aber Geduld haben, warnte Kriechbaum und verwies hinsichtlich Riesentorlauf-Spezialistin Brem auf die französische Weltmeisterin Tessa Worley. „Auch sie hat nach ihrem Kreuzbandriss eine ganze Saison gebraucht, bis sie wieder die alte Stärke hatte.“ Das gelte auch für Veith. „Im Riesentorlauf wird die Rückkehr nicht so schnell möglich sein wie im Super-G. Außerdem muss Anna körperlich haushalten und sich am Anfang nicht gleich mit allen drei Disziplinen belasten.“

Keine Zauberer am Werk

Sein Team habe es in den vergangenen zwei Jahren jedenfalls wirklich heftig erwischt, betonte Österreichs Damen-Chef, wie es zum Verlust des Nationencups kommen konnte. „Neben dem Generationenwechsel hatten wir die vielen nicht fitten Läuferinnen. So etwas kann man nicht gleich stopfen“, sagte der gebürtige Oberösterreicher. Dass ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel vor allem wegen des gewaltigen Rückstandes von fast tausend Punkten auf die Italienerinnen enttäuscht war, ist für Kriechbaum legitim.

„Wenn schlechte Arbeit ein Grund dafür gewesen wäre, hätte man das Betreuerteam ausgetauscht. Wir hatten aber trotz allem 26 Mädchen in den Weltcup-Punkten, neue Podestfahrerinnen und mit Christl Scheyer auch eine neue Siegerin“, verwies der Cheftrainer auch auf Erfolge. Gemessen an der Ausgangslage sei das also durchaus gut gewesen und für mehr hätte man vermutlich zaubern müssen. „Die Betreuer, die zaubern können, habe ich im letzten Jahr aber nicht gefunden“, so Kriechbaum augenzwinkernd.

Keine Ausreden

So hofft man, von der durch ÖSV-Millionenaufwand möglich gewordenen, nochmaligen Verkleinerung der Trainingsgruppen zu profitieren. Vor allem die „Back to Race“-Gruppe, in der Läuferinnen auch mit inhomogenen Leistungsniveaus trainieren können, kam sehr gut an. „Es können nicht alle den gleichen Trainingsplan haben. Manchmal bindet eine Läuferin deshalb bis zu drei Betreuer. Da ist man schon froh, wenn man von den Betreuern her gut aufgestellt ist“, begrüßte Kriechbaum die kostspielige Maßnahme von Schröcksnadel, der freilich nun keine Ausreden mehr gelten lässt.

Die sucht Kriechbaum auch nicht. Während im Speed mit Hütter und Veith Siegesläuferinnen zurückkehren, hat man mit Scheyer, Tamara Tippler, Ramona Siebenhofer und vor allem Super-G-Weltmeisterin Nicole Schmidhofer und die Abfahrtssilbermedaillengewinnerin Stephanie Venier Läuferinnen am Start, die das Gefühl auf dem Stockerl kennen. „Im Speed haben wir mittlerweile eine gute Basis, die es vor drei Jahren noch nicht gegeben hat“, so Kriechbaum. In den Technikbewerben hinke man da voraussichtlich noch etwas hinterher, auch wenn Bernadette Schild, Katharina Truppe, Kirchgasser, Truppe und Katharina Gallhuber Hoffnung machen.

Olympia vor der Tür

Im Riesentorlauf sollte am ehesten Stephanie Brunner die Kohlen aus dem Feuer holen. Die Sölden-Vorjahresvierte aus Tirol war vergangenen Winter eine der ÖSV-Aufsteigerinnen. „Ein Podest von ihr in Sölden wäre sensationell. Aber gerade der ‚Riesen‘ ist eine Disziplin, in der man viel riskieren muss. Und die Konkurrenz ist derart dicht, dass sie sich auch nicht verstecken braucht, wenn sie hinter einer Worley, Shiffrin, Rebensburg oder Goggia liegt“, wollte Kriechbaum die Latte aber nicht zu hoch legen.

Sollte es im Weltcup dennoch erneut nicht nach Wunsch laufen, gibt es im kommenden Winter ja auch noch Olympia in Südkorea. Mit drei WM-Medaillen in St. Moritz hatten die ÖSV-Damen beim vergangenen Saisongroßereignis die Stimmung bekanntlich noch sensationell herumgerissen. „Aber auf so etwas kann man sich nicht verlassen“, warnte Kriechbaum. „Lieber wäre mir, wenn wir wie in Sotschi oder bei der WM in Beaver Creek mit Favoritinnen in Pyeongchang am Start wären. Das ist schon viel angenehmer.“

Die Rückeroberung des Nationencups bei den Damen will der Coach jedenfalls nicht als oberste Prämisse vorgeben. „Diese Rechnung mache ich nicht. Es ist ja nicht angenehm, wenn man aufgrund von verletzten Läuferinnen gar keine Chance gehabt hat. Ich bin sicher, dass wir den Italienerinnen große Konkurrenz bieten können, wenn unsere Leistungsträgerinnen gut durch den Winter kommen.“

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