Abfahrer als „Skispringer“ unterwegs
Das erste Training für die klassische Abfahrt in Kitzbühel am Samstag (11.25 Uhr live in ORF eins) hat bei den Athleten für einige Aufregung gesorgt und die Gemüter am Dienstag hochgehen lassen. Die Präparierung und der Luftstand bei den Sprüngen auf der Streif standen besonders in der Kritik.
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Bei wechselnden Lichtverhältnissen verlangte die legendäre Strecke an den Hängen des Hahnenkammes den Fahrern im ersten Abtasten, bei dem der Italiener Christof Innerhofer Bestzeit erzielte, alles ab. Bei den Sprüngen in die Mausefalle und in die Alte Schneise hatten die Athleten mit besonders hohen Luftständen zu kämpfen. „Der Luftstand ist brutal, da hätte ich fast ein Skispringer werden können“, sagte etwa Hannes Reichelt, der im ersten Training als Fünfter bester Österreicher war. „Verhältnis Schneekontakt und Ski in der Luft ist hier runter 50:50“, meinte etwa Max Franz zu den Sprüngen.

GEPA/Wolfgang Grebien
Die Fahrer, im Bild Dominik Paris, knallten aus großer Höhe auf die Piste
„Hat jedem den Atem genommen“
Auch abseits der Sprünge präsentierte sich die Streif einmal mehr von ihrer ruppigen Seite. „Die Piste selbst ist brutal unruhig und eisig. Zäh. Es geht echt zur Sache“, sagte Reichelt, der außerdem mit der Sicht zu kämpfen hatte. „Ich habe nur blaue Linien und Tore gesehen und nebenbei rote Netze. Und zwischendurch nur Weiß, aber keine einzige Kontur. Das macht das Skifahren ganz schön schwierig“, so der Kitzbühel-Sieger von 2014.
Olympiasieger Matthias Mayer, der im Vorjahr auf der Streif den Super-G gewonnen hatte, hielt mit Kritik am Zustand der Piste ebenfalls nicht hinter den Berg. „Das erste Training war extrem und hat wieder einmal jedem ein bisschen den Atmen genommen. Ob das sein muss, weiß ich nicht, aber man muss es hinnehmen“, sagte der Kärntner, „es ist eine schwierige Abfahrt, das weiß jeder. Man kann es da runter nicht leicht präparieren.“
Weltmeister Feuz sauer
Am heftigsten fielen aber die Unmutsäußerungen bei Wengen-Sieger und Weltmeister Beat Feuz aus, der den Zustand der Strecke als Katastrophe bezeichnete - besonders die Sprünge. „Die Piste ist so für mich in keinem Zustand, wie man ein Rennen fahren darf. Sie müssen jetzt gut arbeiten, dass sich die Piste am Wochenende etwas anders präsentiert. Vor allem die Sprünge“, sagte der Schweizer.

GEPA/Mario Kneisl
Feuz war nach dem ersten Zeitlauf auf der Streif „not amused“
Feuz kritisierte besonders den Umstand, dass man vonseiten der FIS nach außen hin immer wieder die Sicherheit der Athleten in den Vordergrund stelle, dann aber nur mäßig die Voraussetzungen dafür schaffe. Man komme zur schwierigsten Strecke der Welt nach Kitzbühel, und dann seien die Sprünge schlecht gebaut, ärgerte sich Feuz: „Die Sicherheit geht vor, und das heute ist bei Weitem nicht sicher“, sagte der 30-Jährige, der noch auf seinen ersten Streif-Sieg wartet.
Auch der Trainingsschnellste Innerhofer hofft für den Renntag auf eine etwas ruhigere Piste - und Verbesserungen der Bodenmarkierungen. „Man hat einen guten Grip, sobald die Ski am Boden sind. Aber mir hat es schon vor der Mausefalle ein wenig die Schneid abgekauft. Ich war ein bisschen spät, und es hat mir die Ski durcheinandergeschlagen“, sagte der Südtiroler, „insgesamt war die Sicht sehr zäh, es war voll wenig blaue Farbe drinnen. Es war mühsam und schwierig, die Schläge zu sehen.“
FIS reagiert auf Kritik
Hannes Trinkl, seines Zeichens Renndirektor des Internationalen Skiverbandes (FIS), versprach den Läufern unmittelbar nach dem Training eine Verbesserung der Sprünge. Das geschah dann auch bereits am Dienstagnachmittag. „Wir haben reagiert“, sagte Markus Waldner, der Chefrenndirektor der FIS. Laut Trinkl wurden auch weitere Adaptierungen vorgenommen.
„Der Schnee war schneller als von allen von uns erwartet. Eine paar Sprünge sind groß, aber wir konnten das Training nicht stoppen“, sagte Waldner in der Mannschaftsführersitzung am Abend und verwies auf die Wettervorhersage. Aber es sei alles auch kein Drama gewesen, man könne auch „ohne Fullspeed“ reingehen. Die Stürze, die es gegeben habe, seien glimpflich verlaufen.
Am Mittwoch soll es stürmisch werden, die Streif ist gesperrt. Österreichs Athleten werden den Tag zum Super-G-Training nützen. Am Donnerstag sollte dann laut Prognose das zweite und abschließende Abfahrtstraining möglich sein. Freitag ist der Super-G geplant, Samstag die Abfahrt und Sonntag der Slalom.
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