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Endloses Warten auf ein Ersatztor

Am 1. April 1998 hat sich in der UEFA Champions League kurz vor Beginn des Halbfinal-Hinspiels zwischen Real Madrid und Borussia Dortmund eine der skurrilsten Szenen in der Sportgeschichte abgespielt. Während die Spieler auf den Beginn warteten, kippte zwei Minuten vor dem geplanten Anpfiff ein Tor um. Was danach folgte, ging nicht nur in die Annalen des Fußballs ein.

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Ausgelöst wurde der „Torfall von Madrid“ vor 20 Jahren von spanischen Fans, die einen Schutzzaun erklommen hatten. Dieser knickte in Richtung der Tribünen um und riss das daran befestigte Tor mit. Das eigentliche Drama spielte sich allerdings erst danach ab. Da im Santiago-Bernabeu-Stadion auf die Schnelle kein Ersatz herbeigeschafft werden konnte, begann das Match erst mit 76-minütiger Verspätung.

Fans

Reuters/Desmond Boylan

Die spanischen Fans hatten vor dem Anpfiff ganze Arbeit geleistet

„Wir konnten es uns nicht vorstellen, dass es so lange dauert, bis ein neues Tor installiert war. Darauf war natürlich auch keiner vorbereitet“, sagte der damalige BVB-Mannschaftskapitän und heutige Manager Michael Zorc. Die Anhänger der „Königlichen“ hätten seinerzeit ganze Arbeit geleistet, meinte Zorc: „Das Tor ist ja nur umgefallen, weil die Fans am Tribünenzaun so lange gerüttelt haben.“

„Das Schlimmste ist die Ungewissheit“

Keiner der beteiligten Akteure habe damals gewusst, ob und wann es an dem Abend weitergeht. „Das Schlimmste in solchen Situationen ist die Ungewissheit. Und du musst trotzdem die Spannung hoch halten. Offensichtlich gelingt es der Heimmannschaft besser als den Gästen“, befand der einstige Mittelfeldakteur. Denn nachdem das Ersatztor endlich ins Stadion gebracht worden war, wurde doch gespielt.

Umgestürzten Tor

Reuters/Desmond Boylan

Endlose 76 Minuten dauerte es, bis ein Ersatztor aufgetrieben werden konnte

Der BVB als Champions-League-Sieger von 1997 verlor das erst kurz vor Mitternacht beendete erste Halbfinale mit 0:2 - und schied nach einem 0:0 im Rückspiel gegen die Madrilenen aus. Zumindest im Hinspiel nicht dabei war übrigens Dortmunds damaliger Libero Wolfgang Feiersinger, der auf dieser Position bis dahin zehn seiner elf Champions-League-Matches ohne Gegentor bestritten hatte. Der Salzburger fehlte in Madrid wegen einer Gelb-Sperre und war erst wieder im Rückspiel mit von der Partie.

Nächtlicher Besuch im Stadion

„Ich weiß nicht, ob das in ähnlicher Form noch mal passieren könnte. Heute muss ja ein Ersatztor da sein“, sagte Zorc. Doch mit dem Abpfiff um Mitternacht war der Spuk noch nicht vorüber. Denn als die frustrierte Dortmunder Delegation längst wieder im Hotel war, kam man auf die Idee, die Maße des Tores nachzumessen. Der damalige Mediendirektor Josef Schneck machte sich mit BVB-Organisationsleiter Christian Hockenjos mit einem im Hotel geliehenen Maßband auf den Weg.

„Wir haben uns nachts wieder in das Bernabeu geschlichen. Das war gar nicht so einfach. Wir haben uns als UEFA-Mitarbeiter ausgegeben und gesagt, wir müssten die Maße der Tore ausmessen“, berichtete Schneck. Und verriet: „Das neue Tor hatte die richtigen Maße. Kurioserweise aber war das andere nicht hoch genug. Das hat aber logischerweise keinen interessiert“, fügte der mittlerweile 71-Jährige hinzu.

Jauch und Reif in Bestform

Der „Torfall von Madrid“ ging allerdings nicht nur in die Annalen des Fußballs, sondern auch die deutsche TV-Geschichte ein. Studiomoderator Günther Jauch und Stadionreporter Marcel Reif waren für RTL im Einsatz und mussten die Zeit überbrücken. Das Duo lief zu Höchstform auf, spielte verbale Doppelpässe und unterhielt das TV-Publikum, ohne dass auf dem Rasen etwas passierte.

„Noch nie hätte ein Tor einem Spiel so gutgetan wie heute“, witzelte Reif. Jauch konterte mit dem bekannten Wortspiel: „Für alle die, die nicht rechtzeitig eingeschaltet haben, […] das erste Tor ist schon gefallen.“ Als Lohn gab es nicht nur Zuschauerzahlen im zweistelligen Millionenbereich während der Unterbrechung, sondern als Auszeichnung den Bayerischen Fernsehpreis und 1999 eine Nominierung für den Adolf-Grimme-Preis.

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