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Ein Wunder in vier Minuten

Der FC Salzburg hat es geschafft. Die „Bullen“ zogen am Donnerstag nach einem 2:4 auswärts mit einem 4:1-Heimsieg über Lazio Rom ins Halbfinale der Europa League - als erster österreichischer Club in einem Europacup-Bewerb seit Rapid 1996. Die Art und Weise, wie dieses Kunststück gelang, war jedoch besonders spektakulär und eine sensationelle Wende des Spiels.

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Vier Tore in der zweiten Hälfte, drei davon in nur vier Minuten, vollendeten diesen großen Fußballabend aus heimischer Sicht. Lange Zeit konnte Salzburg die kompakte Defensive der Italiener nicht überwinden. Alle Hoffnungen auf die Sensation schienen dahin, als Ciro Immobile die Italiener in der 55. Minute 1:0 in Führung brachte. Drei Treffer waren dann notwendig.

Salzburg steht im Halbfinale

Salzburg steht nach einem 4:1 gegen Lazio Rom im Halbfinale der Europa League. Die Italiener waren im Rückspiel in Führung gegangen, doch die Salzburger drehten die Partie im Finish.

Doch die Elf von Marco Rose drehte das Match noch und reihte sich damit in die begeisternden Spiele dieser Woche mit dem 3:0 von AS Roma gegen Barcelona und dem 3:1 von Juventus gegen Real Madrid ein. Munas Dabbur (56.), Amadou Haidara (72.), Hwang Hee Chan (74.) und Stefan Lainer (76.) schrieben sich mit ihren Toren in die Salzburger Fußballannalen ein.

Stefan Lainer (Salzburg) schießt ein Tor gegen Lazio Rom

ORF.at/Christian Öser

Mit einem Flugkopfball traf Lainer sehenswert zum Endstand

Träume von der Sensation

Die Erwartungshaltung war hoch. Jene zwei Auswärtstreffer aus dem Hinspiel beflügelten nach wie vor die Aufstiegsträume der „Bullen“-Fans. Die Aufholjagden von AS Roma und auch Juventus Turin in der Champions League schürten die Hoffnungen auf ein Wunder von Salzburg zusätzlich. Bei Salzburg ersetzte Reinhold Yabo den gelbgesperrten Diadie Samassekou und Hwang kehrte zurück ins Team. Für ihn musste Fredrik Gulbrandsen vorerst zuschauen.

Die Stimmung war also bereits vor dem Anpfiff am Siedepunkt angelangt, da konnte auch eine kurze Panne mit einem Banner den Salzburg-Fans nicht die Laune verderben. Nur allein Lazio wollte beim Salzburger Trubel nicht so ganz mitmachen. Die Italiener wollten sich trotz des Vorsprungs auf keine Spielchen einlassen, wirkten von der ersten Minute an fokussiert. Torjäger Immobile war gar nicht unbeweglich, lief auch vorne jedem Ball nach und in der Defensive standen die Römer wie im Heimspiel mit einer Fünferkette relativ hoch.

Lazio lässt nichts zu

Dass diese Taktik auch ihre Nachteile hat, wurde gleich in der fünften Minute ersichtlich, als Hwang einen perfekten Lochpass von Xaver Schlager erlief, aber mit seinem Abschluss Thomas Strakosha im Lazio-Tor nicht bezwingen konnte. Das wäre wohl der von allen Salzburgern erhoffte Idealstart gewesen. Es sollte jedoch die Ausnahme von der Regel in Salzburgs erster Hälfte bleiben.

Trotz aller Bemühungen, schnell in die Spitzen zu spielen, konnte sich die Rose-Elf nicht durchsetzen. Die Lufthoheit hatte auch der Dritte der Serie A, bei dem jeder Spieler einen Kopf größer zu sein schien als sein Salzburger Pendant. Der heimische Meister fand kein Rezept gegen diese Mannschaft.

Drang ein Salzburger einmal in den gegnerischen Strafraum ein, war er schnell von drei oder mehr Lazio-Spielern umringt. Auch blieb im Spiel der Salzburger der Überraschungseffekt aus. Der Ball wurde nach vor, wieder zurück, auf die Seite und wieder zurück gespielt. Aber jedenfalls nicht dorthin, wo kein Römer stand.

Kurzes Aufflammen vor der Pause

Ein Kopfball (36.) von Duje Caleta-Car blieb die einzige Chance der „Bullen“ in dieser Phase der Partie. So zählte die Matchuhr immer weiter Richtung Halbzeit, ohne dass Lazio auch nur irgendwie von Salzburg gefordert werden konnte. Querpass folgte auf Querpass, die Lücke in der Verteidigung tat sich aber nicht auf.

Kurz vor der Pause gab es dann doch noch zwei gefährliche Aktionen. Zuerst vor dem Salzburger Tor, wo Immobile nach Fersler von Luis Alberto allein vor Alexander Walke stand, jedoch mit seinem Versuch am Deutschen scheiterte (43.). Im Gegenzug ging ein Schuss von Andreas Ulmer nur knapp am Tor vorbei, es hätte aber auch wohl ein Stanglpass sein soll. Pünktlich pfiff Schiedsrichter Damir Skomina daher auch zur Pause.

Schlagabtausch nach der Pause

Das Positivste an den ersten 45 Minuten war noch der Umstand, dass die „Null“ bei Salzburg stand. Das dem so war, lag auch an Walke, der in der 49. Minute die nächste Großchance von Immobile gerade noch vereitelte. Wie man eine Abwehr überwindet, zeigte dann Lazio in der 55. Minute. Ein schneller Pass auf Immobile, der knapp nicht im Abseits steht, weil Caleta-Car noch einen Hauch weiter hinten stand, und der beste Torschütze der Serie A jagte den Ball zielsicher zum 1:0 ins Kreuzeck.

Jubel von Ciro Immobile (Lazio)

ORF.at/Christian Öser

Immobile jubelte ausgelassen über den Führungstreffer und die vermeintliche Vorentscheidung im Aufstiegskampf

Kurzer Schock bei den Salzburgern, aber die passende Antwort folgte prompt. Dabbur schnappte sich den Ball und abgefälscht von Laziali senkte sich die Kugel nur 82 Sekunden nach dem 0:1 zum 1:1 (56.) ins Netz. Großer Jubel im Stadion und die Gewissheit, dass zwei weitere Treffer doch noch zum Aufstieg reichten, folgten. Salzburg drückte weiter, die Angriffe rollten Richtung Strakosha. Ein „Kracher“ von Schlager aus gut 25 Meter klatschte an die Stange (66.). Die Fans im Stadion feuerten ihr Team im Stehen an. Noch ahnte niemand, was bald kommen sollte.

Vier Minuten, drei Chancen, drei Tore

Salzburg warf alles nach vor, war dementsprechend offen für Konter. Eine Chance ließ Alberto liegen (71.), dafür nahm sich Haidara ein Herz, verzichtete einmal auf einen Querpass und bezwang Strakosha mit einem strammen Schuss in die rechte untere Tormannecke (72.) zum 2:1. Doch damit noch nicht genug. Die „Bullen“ witterten ihre Chance und liefen richtig heiß.

Hwang nahm einen weiten Ball von Caleta-Car auf, und Stefan Radu lenkte den Schuss des Südkoreaners noch entscheidend ab (74.) - 3:1. Ramalho verlängerte einen Corner per Kopf und Lainer hechtete im Stile einer „Strafraumkobra“ zum Ball und netzte zum 4:1 (76.) ein. Solche vier Minuten hatte man in Salzburg und vielleicht auch in Österreich noch nie im Europacup gesehen. Die letzten Minuten waren eine Zitterpartie der positiven Art.

Spielszene Salzburg - Lazio

ORF.at/Christian Öser

Nach dem Schlusspfiff ließen die Salzburger ihren Emotionen freien Lauf

„Wir feiern die ganze Nacht“

Aber Salzburg hielt stand, und am Ende dröhnten die Stadionlautsprecher „Wir feiern die ganze Nacht“ dem grenzenlos glücklichem Publikum entgegen, das nun auch seine „magische Nacht“ hatte. Und die nächste Feier ist bereits geplant: Am 26. April und 3. Mai stehen die Halbfinale auf dem Programm. Der Gegner heißt entweder Olympique Marseille, welches bereits in der Gruppenphase zu Gast in Salzburg war, Arsenal London oder Atletico Madrid.

UEFA-Europa-League, Viertelfinal-Rückspiel

Donnerstag:

Salzburg - Lazio Rom 4:1 (0:0)

Wals-Siezenheim, 29.520 Zuschauer, SR Damir Skomina (SLO)

Torfolge:
0:1 Immobile (55.)
1:1 Dabbur (56.)
2:1 Haidara (72.)
3:1 Hwang (74.)
4:1 Lainer (76.)

Salzburg: Walke - Lainer, Ramalho, Caleta-Car, Ulmer - Haidara, Schlager, Va. Berisha - Yabo (84./Minamino), Hwang (79./Gulbrandsen) - Dabbur

Lazio: Strakosha - Luis Felipe, De Vrij, Radu - Basta (60./J. Lukaku), Parolo, Leiva (78./Nani), Milinkovic-Savic (69./Anderson), Lulic - Luis Alberto - Immobile

Gelbe Karten: Ulmer, Walke, Ramalho bzw. Luis Felipe, Leiva, Milinkovic-Savic

Hinspiel 2:4 - Salzburg mit Gesamtscore von 6:5 im Semifinale (Auslosung Freitag 12.00 Uhr in Nyon, Spieltermine 26. April, 3. Mai)

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