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Kein Spiel wie jedes andere

Lange nach Schlusspfiff haben am Donnerstagabend im Salzburger Stadion die Fans der „Bullen“ den 4:1-Triumph ihrer Mannschaft über Lazio Rom gefeiert. „Sie waren dabei, als der FC Salzburg Geschichte geschrieben hat“, meinte Platzsprecher Didi Ziesel. Die vier Minuten und vier Sekunden zwischen Minute 71:40 und 75:44 werden auch lange nicht vergessen werden.

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In diesen 246 Sekunden schoss sich die Elf von Marco Rose ins Halbfinale der Europa League. Amadou Haidara, Hwang Hee-Chan und Stefan Lainer trafen aus allen Lagen und sicherten den Salzburgern mit einem Gesamtscore von 6:5 den Einzug unter die besten vier Teams in der Europa League. Davor hatte Munas Dabbur in der 56. Minute, nur 82 Sekunden nach dem 0:1 durch Ciro Immobile, das 1:1 erzielt.

2:5 hinten - na und?

Dieser schnelle Ausgleich war es auch, der die Salzburger nochmals durchstarten ließ. „Nach dem 1:1 ist im Stadion die Post abgegangen“, meinte Mittelfeldmotor Xaver Schlager nach dem Match. Das 0:1 und die Aussicht, noch drei Tore schießen zu müssen, hätten ihn und seine Teamkollegen aber nicht verunsichert. Das sei eben die neue Qualität der Salzburger: der Glaube an die eigene Stärke, auch bei einem Gesamtstand von 2:5 nach dem 2:4 aus dem Hinspiel vor einer Woche nicht aufzugeben.

„Wir haben in der Kabine alle getanzt, gesungen und geschrien, waren glücklich“, sagte der 20-jährige Niederösterreicher, der seit 2009 bei den Salzburgern spielt. „Wir sind uns in den Armen gelegen. Der schnelle Ausgleich war sehr wichtig, dann ist nochmal ein Ruck durch die Mannschaft gegangen. Wir haben gewusst, es reichen zwei Tore. Die können schnell passieren, wie man in dieser Woche der unmöglichen Ergebnisse gesehen hat. Und so war es dann auch. Die Zuschauer pushen einen so richtig, da kommt man noch einmal in die Gänge.“

Verteidiger Andreas Ulmer, kein Mann von überbordenden Gefühlsregungen, stieß ins selbe Horn: „Was wir heute auf dem Platz geboten haben, war eine unglaubliche Leistung. Sensationell. Wir wollten unbedingt weiterkommen. Die Chance war da, auch wenn das Ergebnis aus dem Hinspiel nicht optimal war. Mit dem Ausgleich ist dann noch mehr Vertrauen dazugekommen, und das Stadion ist richtig laut geworden.“

„Ein besonderes Spiel ist gelungen“

Auch für Rose verliefen die vier magischen Minuten wie in Trance. „Ich habe das so noch nicht erlebt. Ich habe die Tore natürlich wahrgenommen, aber wann sie genau gefallen sind, habe ich nicht mitbekommen. Da war ich zu sehr im Spiel“, sagte der 41-Jährige, der seinen Stolz auf das Team zum Ausdruck brachte: „Wir haben einen großartigen Fight geliefert. Wir sind 0:1 in Rückstand geraten. Danach ist etwas Außergewöhnliches passiert. Wir wollten ein besonderes Spiel machen, egal ob wir Fehler machen oder wie es steht. Das ist uns gelungen“, so der Deutsche.

Inzaghi muss Rede und Antwort stehen

Lazio-Coach Simone Inzaghi befand sich am anderen Ende der Gefühlsskala und musste nach dem Match den italienischen Journalisten Rede und Antwort stehen, wie es passieren konnte, in 18 Minuten vier Tore zu bekommen. „Das Problem war das 1:1. Das hat das Spiel geöffnet. Wir hatten keine Sicherheit mehr und waren mit dem Kopf nicht präsent. So etwas ist mir noch nie passiert. Wir haben teuer bezahlt, aber aus dieser Niederlage können wir etwas lernen“, sagte Inzaghi.

Simone Inzaghi (Trainer Lazio Rom)

ORF.at/Christian Öser

Lazio-Coach Inzaghi konnte es nicht fassen, was da vor seinen Augen ablief

Rose maß dem Ausgleich ebenfalls eine hohe Bedeutung zu, denn danach „sind die Dinge gelaufen, wie sie gelaufen sind“. Der Deutsche war aber auch schon davor mit dem Spiel seiner Mannschaft zufrieden, obwohl sich Österreichs Meister vor allem in der ersten Hälfte gegen die defensiven und kompakt stehenden Italiener sehr schwertat. „Natürlich hat es Phasen gegeben, in denen man die Qualität von Lazio gesehen hat. Ich hatte aber immer das Gefühl, dass wir im Spiel waren“, sagte Rose.

Salzburg überrollt verunsicherte Italiener

Der Salzburg-Coach zog auch aus der 2:4-Niederlage in Rom seine Lehren und tüftelte mit seinem Betreuerstab eine Strategie für das Rückspiel aus. „Wir haben uns vor dem Spiel Gedanken gemacht, wie wir gegen das kompakte 5-3-2 von Lazio besser zurechtkommen könnten. Wir haben mit ganz breiten Flügelstürmern gespielt, um ihre Flügelspieler zu binden. Wir haben uns heute leichter getan, nach vorne zu kommen“, so Rose.

Salzburg steht im Halbfinale

Salzburg steht nach einem 4:1 gegen Lazio Rom im Halbfinale der Europa League. Die Italiener waren im Rückspiel in Führung gegangen, doch die Salzburger drehten die Partie im Finish.

Nach dem 0:1-Rückstand stand der Deutsche allerdings kurz davor, die Taktik über den Haufen zu werfen. „Mit dem Ausgleich haben wir das aber verworfen, weil ich das Gefühl hatte, dass wir auch mit dem 3-4-3 gut im Spiel waren“, sagte Rose. Eine Entscheidung, die sich letztlich als richtig erweisen sollte. Denn danach fielen gegen die verunsicherten Italiener die Tore wie am Fließband.

Ein Abend für das Erinnerungsalbum

Torschütze Stefan Lainer, der seinem Vater Leo, der 1985 mit Rapid und 1994 mit Salzburg in einem Europacup-Finale gestanden war, nacheifert, war überzeugt: „Nach dem Ausgleich hatten wir einen dominierenden Auftritt, wo uns alles aufgegangen ist, und das gegen so einen Gegner. Das klingt wie ein Märchen. So einen Abend muss man in Videos und Bildern festhalten.“

„Salzburg hat die Treffer gemacht, deshalb waren sie besser. Ich gratuliere ihnen“, sagte Inzaghi. Rose nahm die Glückwünsche an und verwies auf die starken Gegner, die Salzburg auf dem Weg ins Semifinale bereits ausgeschaltet hat. „Dass wir eine Runde weiter sind, macht mich stolz. Wir stehen verdient dort, wo wir stehen. Wir stehen im Halbfinale, und das wollen wir mit Haut und Haaren nehmen“, sagte Rose.

„Jetzt ist alles möglich“, meinte ein trotz des großen Erfolges relativ gelassener Xaver Schlager zu den Journalisten. „Es sind nur noch zwei Spiele bis zum Finale. Da muss man zweimal richtig gut spielen. Wie man gesehen hat, entscheiden auf diesem Niveau Kleinigkeiten.“ Drei Tore in 4:04 Minuten gegen ein italienisches Spitzenteam sind allerdings keine Kleinigkeit.

UEFA-Europa-League, Viertelfinal-Rückspiel

Donnerstag:

Salzburg - Lazio Rom 4:1 (0:0)

Wals-Siezenheim, 29.520 Zuschauer, SR Damir Skomina (SLO)

Torfolge:
0:1 Immobile (55.)
1:1 Dabbur (56.)
2:1 Haidara (72.)
3:1 Hwang (74.)
4:1 Lainer (76.)

Salzburg: Walke - Lainer, Ramalho, Caleta-Car, Ulmer - Haidara, Schlager, Va. Berisha - Yabo (84./Minamino), Hwang (79./Gulbrandsen) - Dabbur

Lazio: Strakosha - Luis Felipe, De Vrij, Radu - Basta (60./J. Lukaku), Parolo, Leiva (78./Nani), Milinkovic-Savic (69./Anderson), Lulic - Luis Alberto - Immobile

Gelbe Karten: Ulmer, Walke, Ramalho bzw. Luis Felipe, Leiva, Milinkovic-Savic

Hinspiel 2:4 - Salzburg mit Gesamtscore von 6:5 im Semifinale (Auslosung Freitag 12.00 Uhr in Nyon, Spieltermine 26. April, 3. Mai)

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