Glücklicher Sieg für Schweizer
Österreichs Nationalteam hat sich zum Auftakt der Eishockey-Weltmeisterschaft in Dänemark am Samstag für eine famose Aufholjagd gegen die Schweiz mit einem Punkt belohnt. Die Mannschaft von Roger Bader musste sich in der Royal Arena von Kopenhagen dem favorisierten Nachbarn mit 2:3 nach Verlängerung geschlagen geben. Davor hatten die Österreicher einen 0:2-Rückstand wettgemacht.
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Nino Niederreiter (19.) und Gaetan Haas (25.) hatten die Schweizer vor 5.019 Zuschauern vermeintlich komfortabel in Führung geschossen. Österreichs Goalie Bernhard Starkbaum verhinderte danach mit unfassbaren Paraden einen noch deutlicheren Rückstand und hielt sein Team damit im Spiel. Nach einem bösen Foul am österreichischen Verteidiger Steven Strong kippte jedoch die Partie. Dominic Zwerger (35./PP) und Manuel Ganahl (47.) sorgten mit ihren Treffern dafür, dass Österreich im Abstiegskampf den ersten Punkt im Turnier holte.
2:2: Ganahl gleicht aus (47.)
Peter Schneider legt auf Manuel Ganahl ab, der ruhig zum 2:2 einschiebt.
In der Verlängerung hatten die Eidgenossen dank Enzo Corvi (64.) aber doch noch das bessere Ende für sich und feierten den ersten Sieg über die Österreicher bei einer WM seit 25 Jahren. Der Heimat des österreichischen Teamchefs gelang damit auch die Revanche für die WM 2015. Damals hatte sich Österreich gegen den Nachbarn mit 4:3 nach Penaltyschießen durchgesetzt.
Vorsichtiger Optimismus
Mit 13 WM-Debütanten im Aufgebot startete Bader gegen sein Heimatland die Mission Klassenerhalt. Einer davon, Peter Schneider von den Vienna Capitals, bildete gemeinsam mit Manuel Ganahl und Thomas Hundertpfund die nominelle erste Sturmlinie. Jung war auch die dritte Linie. Neben dem 20-jährigen Lukas Haudum und dem 21-jährigen Zwerger - ebenfalls ein WM-Debütant - war Alexander Rauchenwald mit 24 Jahren der bei weitem Älteste. Im Tor vertraute Bader wenig überraschend auf Starkbaum, der schon beim Auftaktsieg über die Schweizer vor drei Jahren einer der Helden des Erfolges war - und es auch diesmal werden sollte.
Die Stimmung vor dem Duell der Nachbarn war bereits vor der Partie prächtig. Schon lange bevor sich die Tore der Fanzone gegenüber der Royal Arena öffneten, standen Fans in allerlei Adjustierungen Schlange. Die Erwartungshaltung im österreichischen Lager schwankte zwischen vorsichtigem Optimismus und einer gehörigen Portion Realismus. In der Halle lieferten einander der rot-weiß-rote Fanblock und jener der Schweizer, der praktischerweise genau gegenüber stand, Wechselgesänge. In dieser Hinsicht stand es unentschieden.
Sitzer und kalte Dusche
Vor drei Jahren in Prag war es nach nicht einmal zwei Minuten 1:0 für die Schweiz gestanden, diesmal hätte die Partie fast mit einem Knalleffekt aus österreichischer Sicht begonnen. Patrick Spannring luchste Gregory Hofmann an der blauen Linie die Scheibe ab und tauchte alleine vor Leonardo Genoni auf - und das auch noch in Unterzahl. Der Stürmer der Black Wings Linz brachte den Puck aber nicht am Schweizer Goalie vorbei (3.). Es wäre das perfekte Rezept zur Beruhigung der rot-weiß-roten Nerven gewesen.
Denn Spannrings Sitzer weckte die Schweizer auf. Es schien, als würde die Eisfläche in Richtung österreichisches Tor zu kippen. Nur mit Einsatz aller zur Verfügung stehender Kräfte und dank der Reaktionsfähigkeit von Starkbaum brachten Baders Mannen das Spielfeld wieder in die Waagrechte. Vor allem eines mussten die in der heimischen Erste Bank Eishockey Liga (EBEL) engagierten Spieler erkennen: Bei einer A-WM hat man bei Weitem nicht so viel Zeit. Das im Vorfeld oft beschworene Rausspielen aus dem eigenen Drittel fiel in die Kategorie mangelhaft.

GEPA/Andreas Pranter
Tormann Bernhard Starkbaum (M.) wurde mit 92,7 Prozent gehaltener Schüsse zum „Man of the match“ für Österreich
Getragen von Starkbaum, der gegen Simon Moser einmal sogar im Liegen mit einer unfassbaren Parade rettete, erfingen sich die Österreicher aber offensiv wieder und tauchten in der zweiten Hälfte des Abschnitts wieder gefährlicher vor dem Schweizer Tor auf. Fabio Hofer und Layne Viveiros scheiterten knapp. Fast schien es, als würden die Österreicher ein respektables 0:0 in die erste Pause bringen. Doch dann führte eine Verkettung unglücklicher Umstände doch noch zur verdienten Schweizer Führung: Stefan Ulmer verpatzte einen Pass im eigenen Drittel, Konstantin Komarek rutschte aus, und Niederreiter sagte aus kurzer Distanz Danke (19.).
Freud und Leid bei Österreich
Die Führung der Schweizer war äußerst verdient, 14:7 Torschüsse sprachen eine klare Sprache. Der schwere Treffer kurz vor der Pause hatte seine Wirkung bei den Österreichern nicht verfehlt. Die kleinen Fehler wurden immer mehr und in der 25. Minute zum zweiten Mal bestraft. Haas wurde von der Abwehr völlig vergessen, kurvte vor Starkbaums Tor und hob die Scheibe elegant über die Schulter des Goalies ins Netz. Jetzt schien die Partie endgültig gelaufen zu sein. Bis zur Mitte des zweiten Abschnitts brachte Rot-Weiß-Rot nur einen Torschuss zusammen.
Ein Aussetzer von Sven Andrighetto brachte die Österreicher aber zurück ins Spiel. Der 25-Jährige, der bei den Colorado Avalanche in Nordamerika sein Geld verdient, fuhr Steven Strong derart ins Knie, dass dieser auf der Trage das Eis verlassen musste. Dass auch für den Schweizer die Partie mit einer Matchstrafe vorbei war, war nur ein schwacher Trost. Aber Andrighetto bescherte Österreich zudem eine fünfminütige Überzahl.
Zwerger gelingt der Anschlusstreffer (35.)
In Überzahl bringt Dominic Zwerger die Österreicher mit dem 1:2 wieder an die Schweizer heran.
Und die nutzte Baders Truppe nach einer gewissen Anlaufzeit auch aus. Nach einem Schuss von Haudum fiel die Scheibe Zwerger vor die Schaufel, und der Youngster netzte gegen die Nationalauswahl seines Arbeitgebers Ambri-Piotta aus kurzer Distanz ein (35./PP). Damit lebte plötzlich die Chance auf einen Punkt wieder, die Partie war wieder offener. Kurz vor Schluss hatte noch einmal Starkbaum einen großen Auftritt: In Unterzahl brachte der Goalie bei einem Schuss von Niederreiter gerade noch den Schläger zwischen Puck und Torlinie (40.). In Sachen Torhüterhighlights stand es damit 2:0 Österreich.
Ganahl macht Comeback perfekt
Teamchef Bader hatte in der zweiten Pause offensichtlich die richtigen Worte gefunden und seine Spieler im Glauben an zumindest einen Punkt bestärkt, denn die Österreicher kamen deutlich bissiger als noch zum Mitteldrittel aus der Kabine. Zwar blieben die Schweizer brandgefährlich - Starkbaum packte einmal mehr gegen Moser einen Riesensave aus - doch Österreich arbeitete nun deutlich konzentrierter und aggressiver. Als Außenseiter konnte man schließlich nur noch gewinnen.
Das konsequente Attackieren im Angriffsdrittel wurde schließlich auch mit dem Ausgleich belohnt: Nach einem perfekten Forecheck der Österreicher passte Verteidiger Dean Kukan die Scheibe genau zu dem vor dem Tor lauernden Schneider. Der gab auf den ebenfalls völlig freien Ganahl ab, und dieser hämmerte die Scheibe unter die Latte (47.). Die Schweizer Fans fühlten sich wie im falschen Film: Wie schon 2015 in Prag hatte ihre „Nati“ eine klare Führung gegen den „Underdog“ nicht über die Runden gebracht. Vor drei Jahren hatte der Favorit gleich dreimal geführt.
Kein Happy End für Österreich
Auch bei den Schweizer Spielern war jetzt die Fassungslosigkeit über den Ausgleich zu spüren. Die Schnörkellosigkeit der eidgenössischen Angriffe war längst gegen die Brechstange ausgetauscht worden. Österreich kam daher ebenfalls zu Chancen, das Spiel noch in 60 Minuten zu entscheiden. Kurz vor Schluss schien es, als würde sich der Traum von einem Punkt aus rot-weiß-roter Sicht doch noch in Luft aufzulösen, nachdem Daniel Woger noch eine Strafe kassierte. Doch die Österreicher brachten das Remis in die Verlängerung.
Corvi gelingt das Goldtor (64.)
Die Schweiz entscheidet die Partie nach einem Treffer von Enzo Corvi in der Overtime mit 3:2 für sich. Österreich nimmt immerhin einen Punkt aus dem Auftaktspiel mit.
Damit war das neuerliche Deja-vu aus Prag perfekt. Damals hatte Komarek Österreich im Penaltyschießen ins Glück getrickst. Doch diesmal hatten am Ende die Schweizer das bessere Ende für sich - und das bereits in der Verlängerung. Verteidiger Corvi tanzte nach einem schnellen Angriff Starkbaum diesmal aus und schob die Scheibe zum Happy End aus Schweizer Sicht ins Tor. Es war der erste Sieg gegen Österreich bei einer WM seit 1993. Doch auch Baders Truppe durfte sich nach dem Kraftakt ein kleines bisschen wie ein Sieger fühlen.
Eishockey-WM in Dänemark, Gruppe A
Samstag:
Österreich - Schweiz 2:3 n. V.
(0:1 1:1 1:0 / 0:1)
Kopenhagen, Royal Arena, 5.000 Zuschauer
Tore: Zwerger (35./PP), Ganahl (47.) bzw. Niederreiter (19.), Haas (25.), Corvi (64.)
Strafminuten: 6 bzw. 9 plus Spieldauerdisziplinar Andrighetto
Österreich: Starkbaum - Schumnig, Unterweger; Heinrich, Ulmer; Schlacher, Viveiros; Strong, Altmann - Schneider, Hundertpfund, Ganahl; Hofer, Komarek, Lebler; Haudum, Rauchenwald, Zwerger; Woger, Obrist, Spannring
Schweiz: Genoni - Müller, Diaz; Kukan, Untersander; Frick, Fora; Genazzi - Hofmann, Corvi, Niederreiter; Scherwey, Haas, Andrighetto; Moser, Vermin, Riat; Rod, Schäppi, Baltisberger
Links:
Karl Huber, ORF.at, aus Kopenhagen