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Vom Cricketer Platz bis nach Cordoba

Der ewige Schlager zwischen österreichischen und deutschen Fußballern feiert am Samstag ein rundes Jubiläum. Fast auf den Tag genau 110 Jahre nach dem ersten Aufeinandertreffen geht in Klagenfurt die 40. Auflage des Prestigeduells über die Bühne. Für Österreich setzte es in den 39 Spielen davor viele Pleiten. Zum Glück gibt es einen Mythos, der alles mühelos kaschiert.

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Bei Österreich gegen Deutschland gehen in allen Sportdisziplinen bei den Fans die Emotionen hoch. Vor allem auf rot-weiß-roter Seite hofft man, als „Kleiner“ dem „Großen“ das Hax’l zu stellen. Doch nirgendwo ist dieser Wunsch größer als im Fußball. Ein Wunsch, der sich aber nur äußerst selten erfüllte. Von bisher 39 Duellen konnte Österreich gerade einmal acht gewinnen, sechsmal durfte man sich zumindest mit einem Remis trösten. Gleich 25-mal hatte man gegen die Deutschen aber nichts zu bestellen. Der letzte Sieg über den vierfachen Weltmeister ist bereits 32 Jahre her.

Enttäuschter David Alaba nach einem verlorenem Spiel gegen Deutschland

ORF.at/Christian Öser

Wie achtmal davor ging das ÖFB-Team gegen Deutschland auch 2013 als Verlierer vom Platz

Goldene Anfangszeiten

Dabei hatte am 7. Juni 1908 auf dem Cricketer Platz im zweiten Wiener Gemeindebezirk aus österreichischer Sicht alles so schön begonnen. Die Auswahl der cisleithanischen Hälfte von Österreich-Ungarn besiegte ein halbes Jahr vor dem 60. Thronjubiläum von Kaiser Franz Josef eine Abordnung des deutschen Kaiserreiches mit 3:2. Ladislaus Dlabac, Johann Studnicka und Johann Andres trafen dort, wo sich heute das Gebäude der Pensionsversicherungsanstalt erhebt, zum Sieg über den Nachbarn.

Der Premierenerfolg war der Auftakt zu einer aus heutiger Sicht wohl unmöglichen Siegesserie. Die Österreicher gewannen auch die weiteren drei Spiele. Erst 1922 - in der sechsten Auflage des Duells - gelang den Deutschen der erste Sieg. Das österreichische „Wunderteam“ der 1930er Jahre fuhr mit den Deutschen dann sogar regelrecht Schlitten. 1931 fertigten Matthias Sindelar und Co. den Nachbarn mit 6:0 auswärts und 5:0 daheim ab. Letztgenannter Kantersieg vom 13. September 1931 sollte der letzte für eine lange Zeit sein.

Durststrecke bis Cordoba

Denn in den folgenden 47 Jahren wurde die österreichische Fußballseele schwer geschunden. Sei es das 2:3 im Spiel um Platz drei der WM 1934, wo die Österreicher als einer der Titelkandidaten am Ende mit Blech dastanden, oder das Semifinale der WM 1954, als der spätere Weltmeister die Österreicher im St. Jakobs Park von Basel mit 6:1 demütigte. Selbst der später erkämpfte Platz drei konnte den Zorn der Fans über die Blamage gegen den Rivalen nicht dämpfen. Danach waren drei Unentschieden gegen Deutschland das höchste der Gefühle.

Das änderte sich an jenem 21. Juni 1978 in jenem Spiel, das noch heute jeder österreichische Fußballfan kennt, obwohl es viele gar nicht aktiv erlebt haben. In der Zwischenrunde der WM in Argentinien machte Hans Krankl nicht nur ORF-Radiolegende Edi Finger senior „narrisch“, sondern erlöste ganz Fußball-Österreich. Nicht nur die Durststrecke gegen Deutschland war beendet, der damalige Titelverteidiger musste nach der Niederlage auch vorzeitig die Koffer packen. Der Mythos Cordoba war geboren.

Jubelnder Hans Krankl bei der WM 1978

picturedesk.com/dpa Picture Alliance/John Varley

Der Doppelpack von Hans Krankl machte nicht nur einen Reporter hinter dem Mikrofon „narrisch“

Ein schändlicher Nichtangriffspakt

Von den Geschehnissen in Argentinien zehren viele Nostalgiker noch heute. Der Coup verklärte eine ganze heimische Fußballergeneration, von der sich Teile ihr Denkmal allerdings 1982 bei der WM in Spanien selbst beschmutzten. Der „Nichtangriffspakt von Gijon“, bei dem sich die Österreicher und Deutschen nach dem 0:1 von Horst Hrubesch, das beiden Teams zum Aufstieg genügte, die Kugel hin und her schoben, ist der in Sachen sportlicher Fairness wohl dunkelste Punkt in der heimischen Fußballgeschichte.

Reinhard Kienast und Toni Polster war es vier Jahre später bei der Eröffnung des umgebauten Wiener Praterstadions zu verdanken, dass Österreich gegen Deutschland wieder für positive Schlagzeilen sorgte. Das Duo erzielte am 29. Oktober 1986 jeweils einen Doppelpack und sorgte dafür, dass die Deutschen mit einer 1:4-Packung aus ihrer Sicht wieder nach Hause fuhren. Die Kehrseite der Medaille: Es ist auf Länderspielebene bis heute der letzte österreichische Sieg gegen den großen Nachbarn.

Neun Niederlagen in Serie

1992 folgte wenige Wochen nach dem Tod des damaligen Teamchefs Ernst Happel in Nürnberg noch ein 0:0, doch seitdem gab es für Österreich nichts zu holen. Neun Niederlagen in Folge lautet die Bilanz. Vor allem auswärts wurden die Auswahlen des Österreichischen Fußballbundes (ÖFB) regelmäßig abgewatscht - und das etwa 2002 in Leverkusen (2:6) auch in Phasen, in denen es bei den Deutschen alles andere als rund lief.

Zu Hause boten die Österreicher den Deutschen zuletzt deutlich mehr Paroli. So ging etwa das Duell bei der Europameisterschaft 2008 in Wien dank eines Freistoßhammers nur knapp mit 0:1 verloren. Beim bisher letzten Duell auf österreichischem Boden schrammte Österreich beim 1:2 nur deshalb knapp an einem Punkt vorbei, weil der Ball ausgerechnet vor dem Bein des einschussbereiten Marko Arnautovic denkbar ungünstig versprang.

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