„Sbornaja“ will würdiger Gastgeber sein
Seit dem Zerfall der Sowjetunion (1990/91) hat Russlands Nationalmannschaft mit einer einzigen Ausnahme bei großen Turnieren ausnahmslos enttäuscht. 2008 wurde die „Sbornaja“ bei der EM in Österreich und der Schweiz erst im Halbfinale vom späteren Europameister Spanien gestoppt. Ansonsten kam für die Auswahl aus dem größten Land der Welt stets schon in der ersten Turnierphase das Aus.
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„Wir müssen ein würdiger Gastgeber sein“, forderte deshalb der russische Teamchef Stanislaw Tschertschessow, für den das als Minimalziel gesetzte Achtelfinale bei der Heim-WM angesichts der Gegner in Gruppe A - Saudi-Arabien, Ägypten und Uruguay - kein Problem darstellen sollte. Doch in der ersten K.-o.-Runde drohen dann schon Brocken wie Europameister Portugal oder Ex-Weltmeister Spanien.
Vor der WM absolvierten die Russen noch ein zehntägiges Trainingslager im Stubaital, wo sie sich bereits im vergangenen Sommer auf den Confederations-Cup eingestimmt hatten. Den vorletzten Test verloren sie allerdings gegen Österreich in Innsbruck, wo Ex-Tormann Tschertschessow drei Meistertitel feierte (2000 bis 2002) und auch zu Beginn seiner Trainerkarriere (2004 bis 2006) arbeitete, mit 0:1. Bei der WM-Generalprobe gegen die Türkei gab es ein 1:1-Remis. Die Russen warten damit schon seit sieben Partien, seit einem 4:2 gegen Südkorea am 7. Oktober 2017, vergeblich auf einen vollen Erfolg.

GEPA/Mathias Mandl
Im Testspiel gegen Österreich letzten Mittwoch gab es für Russland nichts zu holen
Die Zeit der großen Erfolge liegt schon etwas zurück. Vor zehn Jahren verzückte Russland bei der Euro 2008 die Sportwelt mit unbeschwertem Fußball. Die Elf um Andrej Arschawin und Roman Pawljutschenko mischte Einfallsreichtum mit Technik und scheiterte erst im Halbfinale am späteren Turniersieger Spanien. Daran konnte die „Sbornaja“ aber nicht anknüpfen. Zuletzt scheiterte das Team vor zwei Jahren bei der Europameisterschaft in Frankreich kläglich - begleitet von skandalösen Fanausschreitungen. Nun soll die Heim-WM den russischen Fußball aus der Lethargie reißen. Derzeit steht Russland auf Platz 66 der FIFA-Weltrangliste - so schlecht wie nie.
Tschertschessow spielt die Feuerwehr
Tschertschessow übernahm die russische Auswahl im Juli 2016 nach der enttäuschenden EM in Frankreich, wo es nach einem 1:1 gegen England im Auftaktspiel empfindliche Niederlagen gegen die Slowakei (1:2) und Wales (0:3) setzte. Tschertschessow war daher als Feuerwehrmann gefragt, um das verunsicherte Team zu stabilisieren. Der Confed-Cup im Vorjahr verlief aber ähnlich enttäuschend, verpasste Russland mit nur einem Sieg aus drei Partien und Platz drei der Gruppe A doch das angepeilte Halbfinale.
Steckbrief Russland
Hauptstadt: Moskau
Einwohner: 144 Mio.
- Teamchef: Stanislaw Tschertschessow
- FIFA-Weltrangliste: 70. (7. Juni)
- WM-Teilnahmen (inkl. 2018): 11
- Größte Erfolge (jeweils als UdSSR): Europameister 1960, EM-Zweiter 1964, 1972 und 1988, Olympiasieger 1956 und 1988, WM-Vierter 1966; größter Erfolg als Russland: EM-Halbfinale 2008
Nach dieser missglückten WM-Generalprobe ist der Druck auf die „Sbornaja“, die seit Jahren fast ausnahmslos aus Spielern der russischen Premjer-Liga besteht, zusätzlich gestiegen. Um das Achtelfinale zu erreichen, müssen die Russen wohl ebenso viele WM-Siege schaffen wie in den vergangenen 24 Jahren - nämlich zwei: 1994 in den USA gewannen sie ihr letztes, bereits bedeutungsloses Match gegen Kamerun mit 6:1. 2002 in Japan schieden sie nach einem 2:0-Auftakterfolg gegen Tunesien ebenfalls als Gruppendritter vorzeitig aus.
Diese Platzierung war auch zuletzt 2014 in Brasilien das Maximum, als sich Tormann Igor Akinfejew und Co. gegen die Außenseiter Algerien und Südkorea jeweils mit 1:1 begnügen mussten und gegen Belgien mit 0:1 verloren. Es kommt also nicht von ungefähr, dass Tschertschessow lieber den Blick nach vorne, aber nicht zu weit nach vorne richtet. „Wir müssen von Schritt zu Schritt denken“, lautet das Credo des Trainers mit dem markanten Schnauzbart.
Kader Russland
Tor: Igor Akinfejew (ZSKA Moskau), Andrej Lunew (Zenit St. Petersburg), Wladimir Gabulow (FC Brügge/BEL)
Abwehr: Mario Fernandes (ZSKA Moskau), Ilja Kutepow (Spartak Moskau), Sergej Ignaschewitsch (ZSKA Moskau), Andrej Semenow (Achmat Grosny), Fjodor Kudrjaschow (Rubin Kasan), Wladimir Granat (Rubin Kasan), Igor Smolnikow (Zenit St. Petersburg)
Mittelfeld: Denis Tscheryschew (Villarreal/ESP), Daler Kusjajew (Zenit St. Petersburg), Juri Gasinski (Krasnodar), Alan Dsagojew (ZSKA Moskau), Roman Sobnin (Spartak Moskau), Alexej Mirantschuk (Lok Moskau), Anton Mirantschuk (Lok Moskau), Alexander Golowin (ZSKA Moskau), Juri Schirkow (Zenit St. Petersburg), Alexander Samedow (Spartak Moskau), Alexander Jerochin (Zenit St. Petersburg)
Angriff: Fjodor Smolow (Krasnodar), Artjom Dsjuba (Arsenal Tula)
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