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TV-Couch statt WM-Rasen

Keine Weltmeisterschaft ohne dramatische Personalentscheidungen, gekränkte Edeltechniker oder zu spät auskurierte Verletzungen: Auch vor der Endrunde 2018 in Russland hat es zahlreiche namhafte Spieler erwischt, die die WM statt auf dem Rasen daheim vor dem TV-Schirm verfolgen müssen. ORF.at hat die elf prominentesten der zahlreichen Ausgebooteten zusammengetragen.

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Tor: Bernd Leno (Deutschland)

Der Schlussmann von Bayer Leverkusen galt einst als potenzieller Herausforderer von Manuel Neuer im Tor des deutschen Nationalteams. Weil der Bayern-Star aber nach seinem Mittelfußbruch rechtzeitig fit wurde, musste Leno - sechsfacher Internationaler des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) - die Heimreise aus dem Vorbereitungstrainingslager antreten. Besonders bitter: Als dritter Torwart steht mit Kevin Trapp ein Goalie im Kader, der bei Paris Saint-Germain so gut wie keine Spielpraxis bekam. Begründung von Bundestrainer Joachim Löw: die bessere Trainingsleistung. Leno zeigte sich nach der Entscheidung des Teamchefs entsprechend geknickt: „Ich bin sehr enttäuscht.“

Abwehr: Alex Sandro (Brasilien)

Bei Juventus Turin ist Sandro in den letzten drei Saisonen zu einer fixen Größe als linker Außenverteidiger avanciert. Vier Tore und vier Vorlagen 2017/18 dokumentieren zudem die Torgefahr, die von dem 27-Jährigen ausgeht. Ein elftes Länderspiel steht für den Brasilianer jedoch vorerst nicht auf dem Programm. Mit Marcelo (Real Madrid) und Felipe Luis (Atletico) sind die beiden Kaderpositionen fix an noch arriviertere Kräfte vergeben.

Javi Martinez (Bayern)

APA/AFP/Bulent Kilic

Edelfan statt mittendrin: Bayern Münchens spanisches Abwehrbollwerk Javi Martinez steht nicht im WM-Aufgebot

Abwehr: Javi Martinez (Spanien)

Bei Bayern München gibt Martinez wahlweise den Innenverteidiger oder den „Abräumer“ vor der Abwehr. Bei der WM in Russland bleibt dem 29-Jährigen nur die Zuschauerrolle. Damit verharrt der Routinier bei derzeit nur 18 Länderspielen. Im spanischen Aufgebot übernehmen Sergio Busquets, Saul Niguez, Koke sowie sein Bayern-Teamkollege Thiago Alcantara die Planstellen im zentralen/defensiven Mittelfeld.

Abwehr: Aymeric Laporte (Frankreich)

Manchester City ließ sich die Dienste des 24-jährigen Innenverteidigers im Jänner 65 Millionen Euro kosten. Bei der WM darf Laporte dennoch nicht für die „Equipe Tricolore“ auflaufen und gilt weiter eher als Versprechen für die Zukunft. Die Franzosen setzen in Russland auf die ebenfalls Hochveranlagten Raphael Varane, Samuel Umtiti, Adil Rami. Überraschend ist, dass selbst der 22-jährige Stuttgart-Legionär Benjamin Pavard Laporte vorgezogen wurde. Damit muss er weiter auf sein Debüt in der A-Nationalmannschaft warten.

Mittelfeld: Sergi Roberto (Spanien)

Der Chelsea-Mittelfeldspieler ist nur eines von mehreren prominenten „Opfern“ im Kreis der spanischen Auswahlspieler. Besonders Robertos Variabilität - er kann sowohl als Rechtsverteidiger als auch im zentralen Mittelfeld auflaufen - macht ihn so wertvoll. Teamchef Julen Lopetegui fand dennoch keinen Platz für das Barcelona-Eigengewächs, das in der abgelaufenen Saison 30 Spiele in La Liga absolvierte (ein Tor, sieben Vorlagen).

Mittelfeld: Radja Nainggolan (Belgien)

Eines der wohl überraschendsten und prominentesten „Opfer“ der Kaderbekanntgabe wurde Roma-Legionär Nainggolan. Der 30-Jährige reagierte prompt auf seine Nicht-Berücksichtigung im belgischen Kader - und trat umgehend aus dem Nationalteam zurück. Damit bleibt es (vorerst) bei 30 Länderspielen (sechs Tore). Belgiens Teamchef Roberto Martinez sprach von einer „taktischen“ Entscheidung. Nainggolan zog seine eigenen Schlüsse: Er vermutete, dass er ausgebootet wurde, weil er bekennender Raucher ist und nach einem Trainingsspiel gegen Spanien zu spät gekommen war.

Mittelfeld: Kingsley Coman (Frankreich)

Dem blitzschnellen Flügelspieler und Bayern-Legionär wurde eine schwere Verletzung zum Verhängnis: Im Februar zog sich der 21-Jährige einen Syndesmosebandriss zu und fiel für zweieinhalb Monate aus. Erst im Finale des DFB-Pokals gegen Eintracht Frankfurt durfte der Linksaußen sein Comeback geben. Zu spät für die „Equipe Tricolore“ - auf der Flügelposition vertraut Didier Deschamps fitten Spielern wie Thomas Lemar, Kylian Mbappe, Ousmane Dembele und Florian Thauvin.

Leroy Sane (ManCity)

AP/Rui Vieira

Bei Manchester City gefeiert, von Joachim Löw aussortiert: Leroy Sane konnte im deutschen Teamtrikot nicht überzeugen

Mittelfeld: Leroy Sane (Deutschland)

Der Shootingstar des englischen Meisters Manchester City ist bei der deutschen Nationalmannschaft bei der Benennung des 23-Mann-Kaders aussortiert worden - trotz 14 Toren und 19 Vorlagen in den 49 Pflichtspielen der abgelaufenen Saison. Löw hatte dem 22-Jährigen zuletzt noch eine Chance gegeben, sich für das Team zu empfehlen. Der Ex-Schalker blieb aber beim 1:2 gegen Österreich in Klagenfurt weit hinter den Erwartungen zurück. Fazit: Er musste die Heimreise antreten, stattdessen darf Julian Draxler (Paris Saint-Germain) mit nach Russland.

Angriff: Anthony Martial (Frankreich)

Mit 65 Millionen Euro Marktwert (Quelle: Transfermarkt.at) ist Martial selbst im mit Stars gespickten Kader von Manchester United eine feste Größe. In Russland darf er dennoch nicht für Frankreich auf Torejagd gehen. Teamchef Deschamps zog dem 22-Jährigen Thomas Lemar und Florian Thauvin vor - und das trotz neun Premier-League-Toren sowie fünf -Vorlagen in der abgelaufenen Saison.

Mauro Icardi (Inter)

Reuters/Stefano Rellandin

29 Tore in der Serie A waren für Mauro Icardi zu wenig - er musste Di Maria, Higuain und Agüero den Vorzug lassen

Angriff: Mauro Icardi (Argentinien)

Der 25-Jährige war in der vergangenen Serie-A-Spielzeit eine Klasse für sich. 29 Treffer erzielte der Inter-Mailand-Legionär und krönte sich damit zum „Capocannoniere“, zum Torschützenkönig der Liga. Mittlerweile ist halb Europa hinter dem Angreifer her. Kolportiert wird Interesse von Juventus Turin, Bayern München und Chelsea. Doch das Interesse von Argentinies Teamchef Jorge Sampaoli gilt anderen - etwa Angel Di Maria, Gonzalo Higuain und Sergio Agüero, die den Vorzug bekamen.

Angriff: Alvaro Morata (Spanien)

Im Sommer 2017 war er eine der heißesten Transferaktien: Für 65 Millionen Euro wechselte Morata damals von Real Madrid zu Chelsea. In London schlug er prompt ein, in den ersten sechs Premier-League-Spielen traf er sechsmal. Gegen Saisonende verebbte die Torflut des 25-Jährigen. Gleichzeitig verebbte auch das Interesse von Spaniens Teamchef Lopetegui. Als Grund nannte dieser, dass er mit Diego Costa, Rodrigo Moreno und Iago Aspas drei andere Stürmer im Kader habe. „Wir wollten nicht vier Spieler für ein und dieselbe Position mitnehmen“, sagte Lopetegui und gab zu: „Jemanden zu Hause zu lassen, ist schon sehr schwer.“

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