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Countdown für WM 2014 läuft

Nach der scharfen Kritik von FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke geht WM-Veranstalter Brasilien in die Offensive. „Das sind Meinungen, die Realitäten in diesem Land ignorieren“, konterte Sportminister Orlando Silva, nachdem die Organisatoren für den schleppenden Start von Neu- und Umbauarbeiten für die WM 2014 gerügt worden waren.

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„Die Berichte von den Stadien Brasiliens sind nicht schön“, hatte Valcke während der WM in Südafrika erklärt. „Fristen sind abgelaufen und nichts ist passiert. Das ist unglaublich.“ Vor allem das politische und finanzielle Chaos um das ursprünglich als Eröffnungsarena geplante Morumbi-Stadion in Sao Paulo brachte die FIFA-Granden auf die Palme. Das Projekt flog von der Liste, mit dem Fortschritt bei den anderen elf WM-Stadien will man den Weltverband laut Silva aber positiv überraschen.

Belo Horizonte nun Favorit für Eröffnung

So wird das für die erste WM in Brasilien 1950 gebaute, legendäre Maracana-Stadion in Rio demnächst für zweieinhalb Jahre geschlossen und um umgerechnet 330 Millionen Euro grundsaniert. Am 13. Juli 2014 soll der gigantische Bau Schauplatz des WM-Finales sein, bis dahin müssen auch noch zahlreiche logistische Probleme gelöst werden. Tausende Kilometer und viele Flugstunden liegen zwischen den „Host Cities“, Favorit für das Eröffnungsspiel dürfte nun Belo Horizonte im Südosten des Landes sein.

Präsentation des WM-Logos für die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien

GEPA/CityFiles

Präsentation des WM-Logos im Juli 2010

Silva verwies in diesem Zusammenhang nicht nur auf die bereits begonnenen Renovierungsarbeiten am Minerao-Stadion, der Spitzenpolitiker kritisierte auch die FIFA für ihre Versäumnisse. „Einige Bauprojekte wurden erst im Mai abgesegnet, und vorher hätten wir wohl schlecht mit den Arbeiten an den Stadien beginnen können“, so Silva. „Die FIFA muss ihren Teil auch erfüllen.“ Dass die Alternative für das gescheiterte Sao-Paulo-Projekt noch immer nicht fixiert ist, gab aber auch Silva zu.

Milliarden von der Bank

Eine Möglichkeit wäre ein völlig neues Stadion, das nach der WM von den Corinthians Sao Paulo genützt werden könnte. Verantwortliche der Stadt haben sich aber schon beeilt festzuhalten, dass dafür kein öffentliches Geld in die Hand genommen werde. Silva berichtete unabhängig davon über insgesamt 2,7 Milliarden Dollar (rund 2,1 Milliarden Euro) Investitionsvolumen seitens der brasilianischen Bank BNDES, jedes Stadionprojekt soll ein Kreditlimit von 226 Millionen Dollar (rund 173 Mio. Euro) haben.

Energischer als bei der WM-Infrastruktur gingen die Brasilianer bisher bei der Bekämpfung von Gewalt in ihren Stadien vor. Randalierende Fans müssen künftig mit drakonischen Strafen rechnen, ein neues Gesetz sieht hohe Geldbußen, Gefängnisstrafen von bis zu zwei Jahren und Stadionverbote von bis zu drei Jahren vor. Das von Präsident Luiz Inacio Lula da Silva Ende Juli unterzeichnete Gesetz stellt auch den Schwarzmarkthandel mit Tickets unter Strafe.

Harald Hofstetter, ORF.at

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