1,21 m fehlten zum Finale
Diskuswerfer Gerhard Mayer hat zuletzt seine Wurftechnik umgestellt und damit viel riskiert. Zu viel, denn bei der Europameisterschaft in Barcelona verpasste er am Samstag als 15. der Qualifikation mit 60,76 m den Einzug in den Endkampf der Top Zwölf.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Die noch nicht abgeschlossene Umstellung hatte zuletzt bereits gute Ergebnisse und den österreichischen Rekord von 65,24 m beim Diamond League Meeting in Rom gebracht. Doch diesmal klappte es nicht nach Wunsch. Mayer warf im Olympiastadion auf dem Montjuic nach 59,88 im ersten Versuch 59,31 und steigerte sich im letzten noch einmal auf 60,76. Am Ende fehlten jedoch 1,21 m zum Weiterkommen.
„Im zweiten und dritten war ich von der Technik knapp dran, ich hatte eigentlich ein gutes Gefühl. Schade, denn in den Top Zwölf sind einige Schlagbare drinnen. Aber das ist die Qualifikation, und ohne schlechte Tage gibt es keine guten“, erklärte der Niederösterreicher, der im Vorjahr bei der Weltmeisterschaft in Berlin den achten Platz belegt hatte.
Auch auf die Größe kommt es an
Mit seinen 1,91 m ist Mayer einer der Kleinsten im Feld der Weltklasse. Weil man die fehlende Größe mit veränderter Wurftechnik zu kompensieren versucht, starteten Mayer und sein Trainer Gregor Högler vergangenen Herbst mit dem estnischen Biomechaniker Aadu Krevald ein Projekt, das bis zu den Olympischen Spielen 2012 läuft. Während viele, so Högler, sagen, Krevald habe ob seiner Analysen und Ansichten einen Vogel, sagt der frühere Speerwerfer: „Der Mann hat recht.“ Auch wenn es bis jetzt ein harter Weg gewesen und die Umstellung auch noch nicht abgeschlossen sei.

GEPA/Mario Kneisl
Vergeblicher Blick Richtung Finale
Besser jetzt als später
Dem Duo war klar gewesen, dass für den neuen Weg auch die Qualifikation für den EM-Bewerb hätte draufgehen können. Der Sprung nach Barcelona wurde geschafft, doch die Finalteilnahme blieb verwehrt. Högler: „Vor WM und Olympia können wir das nicht tun, deshalb war der Zeitpunkt perfekt. Obwohl viele gefragt haben, warum man umstellt, wenn man Achter der Welt ist. Aber wir haben einfach keine Fantasie mehr gehabt nach vorne. Du kannst nicht nur Kraft aufbauen, und das wäre wahrscheinlich der Zenit gewesen mit der Technik, denn Gerhard kann nicht zehn Zentimeter wachsen.“
Weil die Hebel des 30-jährigen Mayer kleiner sind als beispielsweise bei Zweimetermann Harting, muss er sich Vorteile mit der Wurftechnik verschaffen. „Er hat immer eindimensional geworfen, jetzt wirft er dreidimensional, er dreht nicht nur die Achse oben. Er führt den Diskus anders. Lautmalerisch würde man sagen, früher hat er eine Schleife gemacht, jetzt macht er zwei“, fasst Högler in Worte, was für den Experten sichtbar ist.
Entscheidend ist auch, dass der Krafteinsatz verändert wurde. „Er ist punktuell ausgelegt. Es läuft alles viel lockerer und rhythmischer“, sagte der Athlet des SV Schwechat, der auch weniger Krafttraining macht und zwei Kilo leichter als vor einem Jahr bei der WM ist. „Das hat den Vorteil, dass er nicht mehr so fest ist. Hätte er weiter so viel Kraft trainiert, macht er noch einmal Olympische Spiele und aus ist es, er wird ja älter. Aber damit hält er mehr aus, wir wollen ja auch 2016 noch machen“, so der Trainer. Einzig der Druck auf das Fußgelenk sei größer, aber die eine Zehntelsekunde sei das auszuhalten.
Schreibeis im Hürdensprint out
Am Abend scheiterte Hürdensprinterin Victoria Schreibeis im Halbfinale. Die 31-jährige Niederösterreicherin klassierte sich in ihrem Lauf bei 1,9 Meter pro Sekunde Gegenwind in 13,41 Sekunden an siebenter Stelle und wurde Gesamt-14.
Anders als im Vorlauf fand Schreibeis den Rhythmus nicht. „Ich bin nicht in den Lauf reingekommen. Ich mag eigentlich Gegenwind, aber vielleicht war das ein bisserl zu viel für mich“, sagte die Sportwissenschafterin, die als erste Österreicherin in der EM-Geschichte im Hürdensprint den Vorlauf überstanden hatte. „Ziel war das Halbfinale, also bin ich auch zufrieden, aber ich wünschte, mir wäre der Lauf heute besser gelungen.“
Links: