Retourkutsche der Scuderia
Nach dem Hockenheim-Doppelerfolg von Fernando Alonso und Felipe Massa, dessen Reihenfolge erst durch eine laut Reglement verbotene Stallorder von Ferrari festgelegt worden war, hatte es massive Kritik an der Scuderia gegeben. Nun schlug Ferrari zurück.
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Moralisten mit kurzem Gedächtnis: „Niki Lauda hat eine Gelegenheit ausgelassen, den Mund zu halten.“
Einer der lautesten Kritiker nach der Farce beim Deutschland-GP war nämlich ausgerechnet der frühere Ferrari-Pilot Niki Lauda. „Das ist Betrug am Publikum. So etwas darf man nicht durchgehen lassen“, forderte der dreifache Ex-Weltmeister harte Sanktionen gegen das Traditionsteam, das knapp einen Monat später mit einer saftigen Retourkutsche aufwartete. In der Kolumne „Pferdeflüsterer“ konterte Ferrari nun auf der offiziellen Homepage der Scuderia in einem Beitrag mit der Überschrift „Moralisten mit kurzem Gedächtnis“.
„Lauda dreht sich wie der Wind“
„Niki hat eine Gelegenheit ausgelassen, seinen Mund zu halten. Als er bei uns fuhr, hat ihm unsere Strategie immer perfekt gepasst“, war da zu lesen. Lauda lasse, nachdem er seinen Helm an den Nagel gehängt hat, keine Gelegenheit aus, seine Meinung zum Besten zu geben. „Und er dreht sich dabei immer wie der Wind.“
Über drohende Sanktionen hieß es lapidar: „In einer solchen Situation ist es das Beste, die höchste Ebene des Sportverbandes zu respektieren und ihr zu vertrauen.“ Lauda eroberte für Ferrari übrigens zwei Weltmeistertitel (1975 und 1977) und genoss zumeist uneingeschränkt die Rolle der Nummer eins im Team - Stallorder inklusive, mit dem feinen Unterschied: Damals war die Stallorder noch nicht verboten.
Entscheidung am 8. September
Am 8. September muss sich der italienische Rennstall jedoch nicht nur wegen der laut Paragraf 39.1 des Formel-1-Reglements nun klar verbotenen Teamorder vor dem Motorsport-Weltrat des Internationalen Automobil-Verbandes (FIA) verantworten, sondern auch wegen Betrugs laut Sportparagraf 151c. Von den Rennkommissaren wurde Ferrari zwar unmittelbar nach dem Rennen bereits zu einer Strafe über 100.000 Dollar verdonnert, doch damit wird die Scuderia aus Maranello wohl nicht davonkommen.
Der Motorsport-Weltrat hat wahrscheinlich gar keine andere Wahl, als diese Strafe - wie von Lauda gefordert - drakonisch zu verschärfen, will er keinen für den Sport extrem schädlichen Präzedenzfall schaffen. Denn bei einer nicht stattfindenden weiteren Sanktion müssten sich die großen finanzkräftigen Teams künftig bei bewussten Reglementverstößen keinerlei Sorgen machen - ein simpler Griff in die Schatulle würde genügen, um das Problem zu beseitigen und die WM entscheidend zu beeinflussen.
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