„Nur noch Toppositionen zählen“
Das Festival der verschenkten Punkte soll im Formel-1-Team von Red Bull Racing ab sofort zu Ende sein. „Beide Piloten haben jetzt genug Negativserien hingelegt. Ab sofort zählen nur noch Toppositionen“, stellte Red Bulls Motorsportchef Helmut Marko vor dem Grand Prix von Italien am Sonntag in Monza (14.00 Uhr, live in ORF1) klar.
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„Wenn wir die WM gewinnen wollen, dann müssen Siege her. Am besten mit den Positionen eins und zwei, damit wir uns einen Polster auf die Konkurrenz herausfahren“, so der 67-Jährige weiter. Für das anstehende Rennen ist Marko allerdings noch vorsichtig: „In Monza wollen wir auf Punkte fahren.“ Der Hochgeschwindigkeitskurs liegt dem RB6-Boliden nicht, weshalb Sebastian Vettel und Mark Webber allenfalls Außenseiterchancen haben dürften.
„Das ist sicher nicht die Strecke, die wir uns aussuchen würden, um 17 Rennen zu fahren,“ sagte der Australier im Interview mit der BBC. „Aber wir entscheiden nicht, und so müssen wir dort fahren.“ Sechs Rennen vor Schluss führt McLaren-Pilot Lewis Hamilton mit 182 Punkten die WM an, dahinter folgt das Red-Bull-Duo Webber (179) und bereits mit ein wenig Respektabstand Vettel (151).
Nach Monza wird durchgestartet
Sollte die Aufholjagd in Italien wie befürchtet noch nicht gelingen, gibt es für Marko für die beiden danach folgenden Grand Prix in Singapur und Japan aber nur noch eine Devise: „Voller Angriff.“ Im technischen Nachrüsten sieht der Motorsportchef Vorteile für sein Team. „Ich war im Werk in Milton Keynes und weiß, was alles noch kommt. Und das ist nicht unbeträchtlich.“
„Es kommen noch genügend Chancen, und wir sind hungrig nach dem Titel“, sagte Webber. „Zudem haben wir noch ein paar Asse im Ärmel.“ WM-Leader Hamilton weiß zumindest, dass die Entscheidung noch lange nicht gefallen ist. „Die Meisterschaft ist offen“, sagte der Brite. „Jetzt versuchen wir natürlich, so schnell wie möglich für klare Verhältnisse zu sorgen.“ Die verbleibenden sechs Rennstrecken sprechen laut Marko „zu zwei Drittel für“ Red Bull. „Deshalb bin ich sehr optimistisch, falls es halbwegs normale Rennverläufe gibt.“
Red Bull kennt keine normalen Rennen
Solche normalen Rennverläufe gibt es jedoch bei Red Bull kaum. So wie etwa beim jüngsten Rennen in Spa-Francorchamps, als Vettel zunächst Jenson Button ins Auto krachte und danach selbst von Vitantonio Liuzzi abgeschossen wurde. „In Spa, als ich das Auto beim Überholen von Jenson Button verloren habe, habe ich einen Fehler gemacht. Aber ich bin offen und ehrlich genug, das zuzugeben“, so Vettel.

GEPA/xpb/Photo4
Vettel verschuldet in Spa eine Kollision mit Jenson Button.
„Vielleicht hätte Vettel ein bisschen mehr Geduld haben müssen. Aber er hat’s probiert, und leider ist es danebengegangen. Aber das wirklich Dumme war, dass Liuzzi Vettel in den Hinterreifen gefahren ist, das war das Ärgerlichste und hat einen möglichen sechsten Platz gekostet“, ließ Marko noch einmal die Ereignisse beim spektakulären Rennen in Belgien Revue passieren.
Webber hat „Chance seines Lebens“
Auf Webber als Nummer eins im Team will sich Red Bull aber - zumindest öffentlich - nicht festlegen. „Nach Monza werden wir uns zusammensetzen und die WM-Chancen bewerten“, kündigte der Steirer an. Die Form von Webber beeindruckt aber auch Marko: „Webber ist schon seit drei Jahren extrem schnell. Aber heuer hat er vom Speed her in keinem Rennen Schwächen. Und er ist körperlich topfit. Er weiß, dass er die Chance seines Lebens hat. Derzeit nützt er sie optimal.“
Aber auch vor McLaren und Hamilton zieht Marko den Hut: „Auch wenn das Auto nicht immer ideal ist, sie holen immer die optimale Punkteanzahl heraus. Das machen sie wirklich super.“ In der WM der Konstrukteure weisen die Bullen nur einen Punkt Vorsprung auf McLaren auf. Für den Geschmack von Red Bull ist das angesichts der Überlegenheit des Autos ganz klar zu wenig. Ex-Formel-1-Pilot Gerhard Berger meinte sogar: „Mit diesem Auto ist es schwieriger, die WM nicht zu gewinnen, als sie zu gewinnen.“
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