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Verbot leicht zu umgehen

Weltverbandschef Jean Todt hat das milde Urteil für Ferrari in der Teamorder-Affäre mit einem Mangel an Beweisen begründet. „Bevor man jemanden schuldig sprechen kann, muss man ihm beweisen, dass er schuldig ist“, sagte der Präsident des Internationalen Automobilverbands FIA dem britischen Sender BBC.

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Der Motorsport-Weltrat der FIA hatte am Mittwoch lediglich die bereits von den Formel-1-Rennkommissaren in Hockenheim verhängte Geldstrafe von 100.000 Dollar (78.759 Euro) gegen Ferrari bestätigt. Felipe Massa hatte seinem Teamgefährten anscheinend auf Anweisung den Sieg überlassen.

Teamorder ist seit 2002 offiziell verboten. Pikanterweise hatte der damalige Ferrari-Teamchef und heutige FIA-Präsident Todt mit seiner Anweisung an Rubens Barrichello, Michael Schumacher beim Großen Preis von Österreich passieren zu lassen, die Regelverschärfung ausgelöst. Allerdings lässt sich durch verschlüsselte Anweisungen dieses Verbot leicht umgehen.

Interessenkonflikt bei Todt

„Alle Seiten haben bestritten, dass es Teamorder war“, erklärte Todt, der von einem Rechtsanwalt bei der Anhörung in Paris vertreten worden war. Der FIA-Chef hatte seinem Stellvertreter den Vorsitz bei der Verhandlung überlassen, weil er einen Interessenkonflikt vermeiden wollte. Todt war einst selbst erfolgreicher Teamchef bei Ferrari und hatte mehrfach die damals noch erlaubte Stallorder zugunsten von Michael Schumacher durchgesetzt.

Todt bestritt indes nicht, das dubiose Überholmanöver von Alonso gegen Massa beim Großen Preis von Deutschland im Juli habe den Eindruck einer verbotenen Stallregie erweckt. „Ich neige dazu, dem zuzustimmen“, sagte der 64-Jährige. Dennoch entschied sich der Weltrat gegen härtere Sanktionen. Möglich wäre ein Punktabzug, eine Sperre oder sogar ein WM-Ausschluss von Ferrari gewesen. Stattdessen kam die Scuderia kurz vor ihrem Heimrennen in Monza am Sonntag glimpflich davon.

Ominöse 49. Runde in Hockenheim

Die Rennkommissare bezichtigten Ferrari in Hockenheim, gegen Paragraf 39.1 des Sportreglements und gegen Artikel 151c des Internationalen Sport-Kodex’ der FIA verstoßen zu haben. Der führende Massa hatte in jener ominösen 49. Runde Alonso durch demonstratives Abbremsen offensichtlich vorbeigelassen, so dass der Spanier den Grand Prix vor dem Brasilianer gewann.

Die Teamverantwortlichen bestritten, eine Stallorder ausgegeben zu haben und auch Massa beteuerte damals: „Das war definitiv meine Entscheidung.“ Aber offensichtlich hatten die Verantwortlichen den sichtlich frustrierten Fahrer vorher auf Linie gebracht.

Geteilte Reaktionen

Groß fiel der Jubel erwartungsgemäßt in Italien aus. „Ferrari ist gerettet. Das war der erste Sieg in der Monza-Woche“, schrieb „La Gazzetta dello Sport“. Und „Tuttosport“ titelte: „Ferrari kommt vor der FIA ungeschoren davon. Die Teamorder-Heuchelei hat ein Ende.“ Viele britische Medien kritisierten die Entscheidung dagegen. „Die Formel 1 hat ihr Regelwerk in drei Stunden zerrissen, indem sie Ferraris Manipulation des deutschen Grand Prix erstaunlicherweise entschuldigt hat“, tobte die „Daily Mail“.

Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug bezeichnete sich ebenfalls nicht als „Freund von Platztausch im Rennen“. „Der Motorsport täte gut daran, im Sinne des Zuschauers und im Sinne des Sports das Reglement endgültig verbindlich so zu formulieren, dass von Start bis Ziel auf jeder einzelnen Position Rennen gefahren und freiwillig kein Meter Platz gemacht wird“, so Haug.

Auch Formel-1-Boss Bernie Ecclestone sprach sich nach der Urteilsverkündung für eine erneute Überprüfung der Regeln aus. „Wenn du die Reihenfolge deiner Fahrer ein paar Runden vor Schluss tauschst, bringt das den Sport in Misskredit. Aber wenn das früher passiert, habe ich kein Problem damit“, meinte der 79-jährige Brite.

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