Themenüberblick

Eine andere Qualität

Wer in der österreichischen Meisterschaft nicht gewinnt, wird wohl kaum in der Europa League gegen Manchester City bestehen. So musste der FC Salzburg am Donnerstag mit einem verdienten 0:2 die erwartete Niederlage zum Auftakt der Europa-League-Gruppenphase einstecken. Mit der Ausnahme von 15 Minuten in der ersten Hälfte war der Qualitätsunterschied zwischen den Teams zu deutlich.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Es war das Duell mit einer anderen Fußballwelt, in der selbst der heimische Krösus wie ein bemühter Hobbyverein wirkte. Eine Art Hobby ist auch Manchester City für Investor Scheich Mansur bin Sajed al-Nahjan. Das Mitglied der Herrscherfamilie von Abu Dhabi investierte in den letzten zwei Jahren rund 500 Mio. Euro in den Club, davon rund 400 Mio. in neue, hochklassige Spieler. Das ist selbst für die an Superlativen nicht gerade arme Premier League ein Rekord.

„Haben uns teuer verkauft“

Der daraus resultierende Qualitätsunterschied war am Donnerstag in der mit 25.100 Zuschauern gefüllten „Bullen“-Arena in jedem Detail zu sehen, im Auftreten der City-Spieler und Betreuer auf und neben dem Platz. „Manchester City will in der besten Liga der Welt oben mitspielen, da ist eben ein Unterschied zu bemerken“, meinte Salzburg-Tormann Gerhard Tremmel, der neben den üblichen Unsicherheiten auch starke Szenen hatte und in der ersten Hälfte gegen Silva das vorzeitige 0:2 verhinderte.

„Wir haben uns über weite Strecken teuer verkauft, haben aber in den ersten 15 Minuten zu viel Ehrfurcht gezeigt. Dann haben wir auch Manchester City Probleme bereitet“, befand der 32-jährige Deutsche und wusste: „Wir müssen einfach selbstbewusster auftreten, so ein dummes Gegentor dürfen wir am Anfang nicht kassieren.“ Dabei agierte die Salzburg-Verteidigung zu passiv und ermöglichte Spaniens Weltmeister und Neo-„Citizen“ David Silva das leichte 0:1 (8.).

Fehler werden bestraft

„Kleine Fehler werden auf diesem Niveau sofort bestraft“, so Gustafsson-Ersatz Tremmel. Salzburg-Coach Huub Stevens, der mit der Aufstellung von Nikola Pokrivac und Joaquin Boghossian überraschte, wusste, warum seine Mannschaft einen schlechten Start in die Partie hatte. „Wir haben dem Gegner zu viel Raum gelassen, in der Defensive hat die Kommunikation nicht funktioniert.“

Erst Mitte der ersten Hälfte wachte Salzburg auf, zeigte einige flotte Aktionen nach vorne, war aber trotzdem nicht in der Lage, den auf jeder Position - vielleicht mit Ausnahme von Tormann Joe Hart - spielerisch und athletisch überlegenen Gegner ernsthaft zu fordern. Manchester City wurde auch nicht schwächer, als „Herz und Hirn“ Carlos Tevez den Platz verließ, saßen doch auf der Ersatzbank von City Kapazunder wie Shaun Wright-Phillips, James Milner, Micah Richards und Patrick Vieira. Neuzugang und Ex-Inter-Problemkind Mario Balotelli war gar nicht erst im Kader.

Salzburger Mängel

„Wir waren nicht top, und dann verliert man so ein Match“, erklärte Stevens. Die eigenen Mängel wie Harmonie im Angriff und allgemeine Spielabstimmung wurden angesichts der Klasse eines Starensembles wie Manchester City noch deutlicher. Stevens war vor allem von zwei Punkten angetan: „Das Stellungsspiel solcher Teams beeindruckt, davon kann man nur lernen. Auch die Ballannahme war immer exzellent.“

Dazu fiel etwa auch die Laufarbeit auf, die ein Carlos Tevez leistete. Nominell als zweiter Stürmer neben dem einstigen großen brasilianischen Hoffnungsträger Jo aufgeboten, agierte der Argentinier überall auf dem Platz, war ebenso in der Verteidigung wie im Mittelfeld zu finden. Ein Aktionsradius, den man von heimischen Stürmern nicht gewohnt ist.

Wo bleiben die Tore?

Aber auch nicht von internationalen Stürmern im Dress heimischer Clubs. Neo-Stürmer Boghossian konnte im Angriff der Salzburger neuerlich keinerlei Akzente setzen, er ist bis jetzt alles andere als der wohl erhoffte Ersatz für ÖFB-Teamkapitän Marc Janko. Die zweite Sturm-Neuverpflichtung Alan war nicht im Kader. Er sei noch nicht so weit, meinte Stevens. Der junge Brasilianer habe sich im Training noch nicht aufgedrängt.

Nicht aufgedrängt hat sich auch Jakob Jantscher. Der ÖFB-Teamspieler kam in der 54. Minute für den ineffektiven Pokrivac, hatte jedoch mehr schlechte als gute Szenen. Fehler bei der Ballannahme ließen ihn nicht ins Spiel kommen, der von Stevens erwartete Aufschwung im Offensivspiel trat nicht ein. Die Salzburger Torflaute hielt daher an, in den letzten vier Pflichtspielen gelang nur ein Treffer, und den schoss sich Hapoel Tel Aviv im Rückspiel der Champions-League-Play-off selbst.

Zu kleine Schritte für die große Bühne

„Natürlich wäre es mir lieber, wir würden eher gestern als morgen wieder das Tor treffen, aber derzeit ist die Abstimmung nicht da“, war auch Stevens unzufrieden. „Die Tore werden wieder kommen, es braucht noch ein wenig Zeit. Es gab bereits Fortschritte, aber es waren zu wenige, um auf der internationalen Bühne zu bestehen.“ Die eindeutige Überlegenheit des Gegners machte dem Niederländer nicht so viele Sorgen. Auch Ajax Amsterdam sei von Real Madrid vorgeführt worden und hätte leicht „10:0“ verlieren können. „Das war bei uns nicht so.“

Vorbild Lech Posen

Negativ fiel an diesem Abend der Unterschiede auch der fehlende Kampfgeist bei Salzburg auf. Der letzte Biss, die drohende Niederlage vielleicht noch abwenden zu können, war nicht spürbar. Nach dem 0:2 hatte niemand im Stadion das Gefühl, Salzburg könnte noch die Wende schaffen - sowie etwa der nächste Gruppengegner Lech Posen im Spiel gegen Juventus Turin.

Die Polen führten gegen die Italiener, die im Play-off Sturm Graz aus dem Bewerb warfen und bei denen Alexander Manninger diesmal im Tor stand, rasch 2:0, gerieten dann jedoch 2:3 in Rückstand. Mit seinem dritten Tor gelang dem Letten Artjoms Rudnevs in der 92. Minute jedoch noch der Ausgleich. Für Salzburg ist dieses Remis gleichzeitig Chance und Bürde.

Einerseits ist der heimische Meister damit vor dem Duell am 30. September vor den Polen gewarnt, hat aber andererseits im Kampf um einen Aufstiegsplatz bei einem möglichen Auswärtserfolg noch alle Chancen. Bei einer weiteren Niederlage wird die Lage kritisch bis aussichtslos und Trainer Stevens noch mehr gefordert, sein Team wieder in die Erfolgsspur zu führen.

Martin Wagner, ORF.at aus Salzburg

Links: