„Dann werde ich meine Chance nützen“
Seit Monaten brennt Rubin Oktie auf seine Premiere in der deutschen Bundesliga. Doch dem 23-Jährigen spielt auch nach seinem Wechsel zum 1. FC Nürnberg die Gesundheit übel mit. Kaum war der Knorpelschaden ausgeheilt und er wieder voll belastbar, wurde Okotie durch Muskelprobleme wieder gestoppt. Am Mittwoch stieg er ins Teamtraining ein. Gegenüber ORF.at blickt Okotie zurück und in die Zukunft.
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ORF.at: Herr Okotie, vor Wochen haben Sie sich bei Nürnberg gesund gemeldet, im Kader sind Sie immer noch nicht. Warum?
Rubin Okotie: Fit war ich auch, nur musste ich dann wieder zehn Tage pausieren, weil ich muskuläre Probleme rechts oben im Oberschenkel hatte. Ich hatte immer Schmerzen, konnte nie länger trainieren. Die sind jetzt zum Glück behoben. Am (heutigen, Anm.) Mittwoch darf ich wieder ins Mannschaftstraining einsteigen.
ORF.at: Wie sind die Muskelprobleme entstanden?
Okotie: Das wussten wir lange Zeit nicht. Erst durch ein Röntgen beim Zahnarzt sind wir draufgekommen, dass ich eine chronische Zahnentzündung hatte, die ausstrahlte. Das war die Ursache. Der Entzündungsherd wurde rausoperiert. Danach ging es mir viel besser. Davor hatte ich permanent Probleme, ich trainierte zwar, aber nie ohne Schmerzen. Wer denkt dabei schon an einen Zahn. Die Sache ist erledigt.
ORF.at: Der Knorpelschaden im Knie bereitet auch keine Sorgen mehr?
Okotie: Überhaupt keine mehr, das ist sehr positiv. Aber durch den Zahn hätte im Knie eine Entzündung entstehen können, von daher hatte ich Glück und bin glimpflich davongekommen. Ich wusste ja bis jetzt gar nicht, was so ein Zahn alles verursachen kann. Erst die Ärzte haben mich aufgeklärt.
ORF.at: Erst krank, dann verletzt, ihr Wechsel zu Nürnberg war holprig.
Okotie: Das war natürlich kein toller Einstand, aber mir war immer klar, dass weitere Rückschläge kommen können. Aber Jammern ist sinnlos. In dieser Situation hilft nur positiv denken und geduldig sein. Meine Zeit kommt schon noch.
ORF.at: Ist auch die Teamführung geduldig?
Okotie: Ja, auf jeden Fall. Sie machen mir keinen Druck. Aber durch den Ausfall von Bunjako haben sie ein Problem mehr, deshalb schauen sie und hoffen, dass ich so schnell wie möglich wieder einsatzbereit werde. Von ärztlicher Behandlung bis unterstützender Therapie. Das ist natürlich auch in meinem Sinn.
ORF.at: Die weitere Marschroute?
Okotie: Das ist schwer zu sagen. Erst einmal muss ich über einen längeren Zeitraum schmerzfrei trainieren können, und dann muss ich mich in die Mannschaft reinkämpfen. Keine Ahnung, wie lange das dauern wird. Das kann in zwei oder drei Wochen oder erst in drei Monaten sein. Gegen Schalke am Samstag spiele ich nicht, so viel steht fest.
ORF.at: Sie haben seit dem Knorpelschaden bei der Austria, also seit mehr als einem Jahr, kein Pflichtspiel betritten. Wie wirkt sich das aus?
Okotie: Das ist für einen Fußballer bitter, ist aber weniger tragisch, als es klingt. Zweimal war ich in der zweiten Mannschaft in der Regionalliga im Einsatz. Klar, das war mit der deutschen Bundesliga nicht zu vergleichen, aber wenigstens spielte ich wieder. Nun will so schnell wie möglich in der Bundesliga spielen. Die Praxis kriege ich schon wieder.
ORF.at: Keine Spur von Frust oder Selbstmitleid?
Okotie: Durch die erste, die schwere Verletzung habe ich ein bisschen gelernt, Geduld zu haben. Wer drei Monate auf Krücken geht, hat ja gar keine andere Wahl, als geduldig zu werden und zu warten. Davon profitiere ich nun selbstverständlich. Mental habe ich keine Probleme damit, die Situation spornt mich eher sogar an. Denn ich werde meine Chance schon bekommen und sie dann hoffentlich auch nützen.
ORF.at: Wie groß ist der Konkurrenzkampf im Nürnberger Angriff?
Okotie: Konkurrenz gibt es in Deutschland immer, bei uns ist es aber sicher nicht so, dass ich chancenlos wäre. Der Trainer setzt auf mich und vertraut auf mein Können. Das baut auf. Von daher kann nicht viel schiefgehen.
ORF.at: Nach sechs Runden liegt Nürnberg mit sechs Punkten auf Platz 14. Wie schätzen Sie das Potenzial des Teams ein?
Okotie: Wir haben eine sehr junge Mannschaft mit, ich glaube, zehn Spielern, die jünger sind als ich. Junge Spieler von hoher Qualität, wie die gesamte Mannschaft. Der aktuelle Tabellenstand sagt deshalb nicht viel aus, bei normalem Verlauf könnten wir schon zwölf Punkte auf dem Konto haben. Gegen Frankfurt und Freiburg haben wir unglücklich verloren. Diese Punkte fehlen uns jetzt. Folglich sind wir unter Zugzwang.
ORF.at: Fühlen Sie sich, auch ohne gespielt zu haben, als echter Nürnberger?
Okotie: Ja klar, hier ist alles super. Das Umfeld, die medizinische Abteilung. Großartig. Diesbezüglich kam der Wechsel von der Austria gerade zum richtigen Zeitpunkt. Auch das Team ist sympathisch. Wir haben eine gute Mischung, mir taugt es. Wohl auch, weil ich super integriert worden bin.
ORF.at: Denken Sie gern an die Austria zurück?
Okotie: Ich hatte dort eine schöne Zeit, das war mein Verein. Und ich beobachte immer noch, wie sie spielen, was sich tut, und drücke ihnen dabei die Daumen. Jetzt aber spiele ich in Nürnberg, und dieser Aufgabe widme ich meine ganze Konzentration und Aufmerksamkeit. Ich vermisse aber meine Familie und meine Freunde, denn Wien ist meine Heimat.
Das Gespräch führte Michael Fruhmann, ORF.at
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