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Die Ungewissheit vor dem Saisonauftakt

ÖSV-Routinier Benjamin Raich will in der kommenden Saison hoch hinaus und seine Goldmedaillensammlung bei der WM in Garmisch-Partenkirchen erweitern. „Und auch“, ergänzte der Doppelolympiasieger und dreifache Ex-Weltmeister, „bei den Klassikern ganz vorne reinfahren“. Das war dem 32-Jährigen zuletzt ebenso verwehrt geblieben wie eine Olympiamedaille.

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Seiner Freude am Skifahren konnte das freilich nichts anhaben. Und sein Körper spielt mit - wie meistens im Verlauf seiner 14-jährigen Weltcup-Karriere, in der Raich von schweren Verletzungen weitgehend verschont blieb. „Mir tut nichts weh, so könnte es ruhig weitergehen“, sagt Raich, der zwar regelmäßig an den Folgen eines als Teenager erlittenen Bandscheibenvorfalls laboriert, sich davon aber nicht unterkriegen lässt. „Mit speziellen Übungen habe ich das im Griff. Ich bin topfit, derzeit ohne Beschwerden“, gab Raich rechtzeitig vor dem Saisonstart in Sölden in rund zwei Wochen Entwarnung.

Offene Rechnungen

Motivation? Daran mangelt es nicht, denn da wie dort hat der Pitztaler in dieser Saison eine Rechnung offen: Den Riesentorlauf in Sölden konnte er bisher noch nie gewinnen, im Gesamtweltcup musste er nach seinem Triumph 2006 viermal in Serie mit Platz zwei vorliebnehmen. „Darüber will ich erst gar nicht reden. Ich will wieder ganz vorne dabei sein“, sagte Raich, der sich nach erfolglosen Abfahrtsversuchen wieder vermehrt auf die technischen Disziplinen konzentrieren wird. Dort sollen in Garmisch („nur eine Stunde von daheim“) auch WM-Medaillen her.

Dafür bürgen könnte Neo-Cheftrainer Mathias Berthold, der sich die Latte selbst hoch gelegt und von seinen ÖSV-Herren eingefordert hatte: „Wir müssen die Besten der Welt sein.“ Raich gefällt das: „Mit Berthold bin ich auf einer Wellenlänge. Einerseits ist er ein Kumpeltyp, andererseits weiß er ganz genau, was er will. Er ist eben ein richtiger Chef“, erklärte Raich, über den wiederum Berthold nur Gutes zu berichten weiß.

Relativierte Hoffnung

Was aber verspricht Raich für die kommende Saison insgesamt? „Das lässt sich schwer abschätzen. Lediglich, dass wir sicher unser Bestes geben werden“, versprach der Routinier und verwies auf die emotionale Berg- und Talfahrt in der Olympiasaison, die mit Kombinationskristall und Platz zwei im Gesamtweltcup für ihn noch ein versöhnliches Ende gefunden hatte. „Also kann ich nicht alles falsch gemacht haben. Ich glaube an die Stärke unseres Teams und bin überzeugt davon, dass wir auf Dauer wieder den gewünschten Erfolg haben werden“, meinte er.

Trotzdem flattern wieder die Nerven. Denn wie vor jeder Saison trainierte auch Raich in Ungewissheit: „Wo stehe ich?“ Die Antwort bringt der direkte Vergleich mit Carlo Janka, Bode Miller und Co. Erste Aufschlüsse liefert der Riesentorlauf am 24. Oktober in Sölden, dem Raich mit großer Hoffnung entgegenblickt. „Mein Siegeswille ist immer noch da“, meinte er fast bestätigend, sehr wohl wissend, dass der Wille allein schon bisher nicht immer ausreichte, um am Ende vorne zu sein. Worüber Berthold sagte: „Wir wollen natürlich jedes Rennen gewinnen. Das ist unser Anspruch. Aber wir müssen die Erwartungshaltung relativieren und in den richtigen Kontext stellen.“

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