Sogar der Wahlkampf machte Pause
Zwei Olympische Sommerspiele hat Australien mit Melbourne 1956 und Sydney 2000 schon ausgerichtet, auch die Weltmeisterschaften in den Nationalsportarten Rugby und Cricket fanden bereits in „down under“ statt. In zwölf Jahren soll der Traum von der ersten Fußball-WM in Australien wahr werden.
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Anfang Juni fiel die Entscheidung des nationalen Verbandes (FFA), sich aus dem Rennen um die Endrunde 2018 zurückzuziehen und sich voll auf die Kandidatur für die WM 2022 zu konzentrieren. Mit Sicherheit ein vernünftiger Entschluss, zumal nach Südafrika 2010 und Brasilien 2014 fast fix von einer WM 2018 in Europa ausgegangen werden kann. So liegt der Fokus der Australier auf dem Duell mit den USA, Katar, Japan sowie Südkorea - und dafür machte sogar der Wahlkampf Pause.

APA/EPA/FIFA/Hamish Gregory
FIFA-Delegation mit Politikern und Künstlern vor der Harbour Bridge in Sydney.
Drei Tage in der vergangenen Woche - mitten in der heißen Phase der Parlamentswahl am 21. August - machte die sechsköpfige FIFA-Delegation Station in Australien, um sich an Ort und Stelle ein Bild zu machen. Und dieses fiel laut Harold Mayne-Nicholls, dem Präsidenten des chilenischen Verbandes, überwiegend positiv aus. „Wir konnten feststellen, dass dieses Land bereit ist“, sagte der Delegationsleiter nach der Inspektion. „Wir wurden auch von der australischen Regierung vorbildlich unterstützt und sind alle der Meinung, dass hier sehr professionell gearbeitet wird.“
„Alle stehen hinter dem Projekt“
Besonders beeindruckt sei man davon gewesen, dass an einem von Premierministerin Julia Julia Gillard in Sydney ausgerichteten Abendessen auch hochrangige Vertreter der Oppositionsparteien teilnahmen. „Wir bekamen den Eindruck, dass nicht nur die Bevölkerung, sondern auch die politischen Parteien geschlossen hinter dem Projekt stehen“, erklärte Mayne-Nicholls. Das alles vor dem Hintergrund, dass Fußball in Australien in den letzten zehn Jahren einen wahren Boom erlebte und laut Mayne-Nicholls um 60 Prozent wuchs.
Die WM „down under“ soll in zehn „Host Cities“ in sechs verschiedenen Bundesstaaten bzw. Territorien gespielt werden. Drei neue Stadien sind in Perth, Canberra und Blacktown geplant, die anderen Arenen sollen modernisiert werden. Vergleichsweise billige Geschenke an einige FIFA-Funktionäre im Mai 2008, also acht Monate vor der offiziellen Bewerbungskampagne, wären den „Aussies“ fast zum Verhängnis geworden. Mit Perlen bestückte Manschettenknöpfe stellten für die Ethikkommission des Weltverbands aber keine versuchte Bestechung dar, Australien wurde daher kürzlich freigesprochen.
„Golden Girl“ wirbt mit
Das freute auch Nationalheldin Cathy Freeman, die 2000 in Sydney zu 400-m-Gold geflogen war. Sie traf sich mit der FIFA-Abordnung im Olympiastadion und streute ihren Landsleuten Rosen. „Wir haben eine stark verwurzelte Sportkultur in unserer Nation“, versicherte die charmante Freeman den Inspektoren. „Ich konnte damals auf einer Welle der Euphorie und Unterstützung reiten. Wenn Australien die WM erhält, wird die Stimmung im Land wieder großartig sein und wir werden wie bei allen bisherigen Großveranstaltungen ganze Arbeit leisten.“
In den Reihen der „aufgefädelten“ Aborigines hatten die FIFA-Herren bei der traditionellen Begrüßung vor der weltberühmten Harbour Bridge noch ein wenig verloren gewirkt, dafür machten sie bei ihrer Abreise einen umso überzeugteren Eindruck. Nicht nur FFA-Boss Frank Lowy und Sportministerin Kate Ellis dürften in ihren „Briefings“ ganze Arbeit geleistet haben, Australien zählt zu den ganz großen Favoriten für die Ausrichtung der WM 2022.
Harald Hofstetter, ORF.at
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