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Millionen für „Projekte“

Am 2. Dezember vergibt die FIFA in Zürich die WM-Turniere für 2018 und 2022 erstmals in einem Zug. Die Vermutung, dass bei der Vergabe von Großereignissen nicht immer nur sachliche Gründe eine Rolle spielen, scheint ein aktueller Bericht der „Sunday Times“ wieder einmal zu bestätigen.

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Laut der britischen Zeitung sollen sich zwei Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees im Gespräch mit Reportern der „Sunday Times“ für Geldangebote im Zusammenhang mit der Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 empfänglich gezeigt haben. Die Journalisten hatten sich als amerikanische Geschäftsleute ausgegeben, die die WM 2022 in die USA holen wollten.

„Stimme für Geld, ist ja klar“

Einer der FIFA-Vertreter, der Nigerianer Amos Adamu, soll erklärt haben, eine Spende in Höhe von 800.000 Dollar (570.000 Euro) an ihn, um Fußballplätze in seinem Land zu bauen, würde sein Abstimmungsverhalten beeinflussen.

In einem Bild- und Tonmitschnitt auf der kostenpflichtigen Website der „Sunday Times“ ist zu hören, wie Adamu bei einem Treffen in Kairo den entscheidenden Satz spricht: „Wenn sie das Geld investieren, ist natürlich klar, dass sie im Gegenzug meine Stimme haben wollen.“ Für 2022 seien die USA allerdings nur seine zweite Wahl - er habe „sein Wort schon einem anderen Land gegeben“, sagte er.

Alles für den Nachwuchs

Reynald Temarii aus Tahiti, auch Präsident des Kontinentalverbandes von Ozeanien (OFC), soll als zweiter betroffener Funktionär nach Geld (drei Millionen neuseeländische Dollar, rund 1,6 Mio. Euro) zur Einrichtung einer Sportakademie gefragt haben. Zwei Unterstützer anderer Länder hätten ihm schon zehn und zwölf Millionen Dollar für seinen Verband angeboten, sagte er laut „Sunday Times“.

Die „Sunday Times“ berichtete, dass sie von anderen FIFA-Funktionären Ratschläge bezüglich der Höhe der möglichen Bestechungsgelder erhalten hat. Man solle keine „Peanuts“ bieten, sondern gleich bei zumindest einer Million Dollar pro Person beginnen. Die beiden gefilmten Funktionäre haben sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Blatter: „Sehr unschöne Situation“

Strafe für Bestechungsversuche

In Artikel 62 des FIFA-Disziplinarreglements heißt es: „Wer einem Organ der FIFA (...) einen unrechtmäßigen Vorteil für ihn oder für eine Drittperson anbietet, verspricht oder gewährt, damit der Bestochene das Regelwerk der FIFA verletzt“, werde mit einer Geldstrafe, einem Verbot jeglicher in Zusammenhang mit dem Fußball stehenden Tätigkeit oder einem Stadionverbot belegt.

FIFA-Präsident Sepp Blatter informierte die Mitglieder des Exekutivkomitees im Laufe des Sonntags in einem Brief über die „sehr unschöne Situation“ und kündigte eine „eingehende Untersuchung“ an. In der Zwischenzeit werde es keine weiteren Kommentare geben. Der Zeitungsbericht habe einen sehr negativen Einfluss auf die FIFA und das Bieterverfahren hervorgebracht, schrieb Blatter.

Beide gefilmten Männer gehören zu den 24 Mitgliedern des FIFA-Komitees, das am 2. Dezember in Zürich in geheimer Abstimmung über Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 entscheidet. „Die FIFA hat bereits alle Informationen und Dokumente angefordert“, hieß es zuvor in einer schriftlich verbreiteten Stellungnahme.

Der ozeanischen Verband OFC bestätigte mittlerweile, ebenfalls Untersuchungen eingeleitet zu haben. Auf der OFC-Website werden in einer Biografie übrigens Temariis Verdienste um den Nachwuchsfußball gepriesen. Durch von ihm initiierte Abkommen mit der Europäischen Union (EU) und der australischen Regierung seien in den letzten Jahren Millionen von Dollar in Nachwuchsprojekte gepumpt worden.

USA zog Bewerbung für 2018 zurück

Erst letzten Freitag hatten die USA ihre Bewerbung für 2018 zurückgezogen und erklärt, sich ganz auf die WM-Vergabe für 2022 zu konzentrieren. Daraufhin hatte England seine Bewerbung für 2022 für beendet erklärt, um sich allein um die WM 2018 zu bemühen, die daher an ein europäisches Land gehen wird. England, Russland sowie die gemeinsamen Bewerbungen von Belgien und den Niederlanden sowie Spanien und Portugal sind noch im Rennen. Für 2022 bewerben sich neben den USA noch Australien, Japan, Südkorea und Katar.

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