Themenüberblick

Bestechungsvorwürfe werden untersucht

In der Korruptionsaffäre um den Fußball-Weltverbandes (FIFA) hat einer der beiden unter Verdacht geratenen Funktionäre in der vergangenen Woche einen Fehler eingeräumt und FIFA-Präsident Joseph Blatter um eine Untersuchung gebeten. Er sei absolut integer, sagte der Tahitianer Reynald Temarii der Nachrichtenagentur AP.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

„Aber ich habe einen Fehler gemacht, als ich auf diese Art und Weise gesprochen habe“, sagte das Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees. Die FIFA-Ethikkommission werde seinen Fall diskutieren, sagte der Präsident der Ozeanien-Konföderation (OFC). Das Gremium soll mit FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke zusammenarbeiten.

Temarii soll sich in einem Gespräch mit Reportern der britischen Zeitung „Sunday Times“ bereiterklärt haben, seine Stimme bei der Vergabe der WM 2018 und 2022 für drei Millionen neuseeländische Dollar (rund 1,6 Mio. Euro) zu verkaufen, um eine Fußballnachwuchs-Akademie in Auckland zu gründen. Die Journalisten hatten sich als Lobbyisten für ein Konsortium von US-Firmen ausgegeben, die die Weltmeisterschaft 2022 in ihre Heimat holen wollten.

FIFA-Präsident Josef Blatter

APA/EPA/Bartlomiej Zborowski

Joseph Blatter hat derzeit keine Freude mit seinen Funktionären.

Blatter-Brief: „Sehr unschöne Situation“

Blatter informierte die Mitglieder der „FIFA-Regierung“ in einem offenen Brief über die „sehr unschöne Situation“ und kündigte eine „eingehende Untersuchung“ an.

„Die FIFA hat bereits alle Informationen und Dokumente im Zusammenhang mit dieser Angelegenheit angefordert und erwartet den Eingang dieses Materials. Die FIFA wird das gesamte zur Verfügung stehende Material unverzüglich analysieren. Erst nach Abschluss dieser Analyse kann die FIFA über weitere Schritte entscheiden. Bis dahin kann die FIFA keine weiteren Erklärungen in dieser Angelegenheit abgeben“, hieß es in dem Schreiben des Schweizers.

Notfalls stimmen weniger ab

Über eine mögliche Verschiebung der WM-Vergabe der Endrunden 2018 und 2022, deren Schauplätze am 2. Dezember in Zürich nominiert werden, machte Blatter keine Angaben. Eine solche sei vorerst auch nicht vorgesehen, hieß es dazu aus der Zürcher FIFA-Zentrale. „Wir sollten das in dem vorgesehenen Zeitraum schaffen. Die Untersuchungen können sofort beginnen“, ließ stattdessen FIFA-Funktionär Chuck Blazer aus den USA wissen.

Die FIFA-Exekutive will sich vor der WM-Vergabe Anfang Dezember ihre Reputation nicht beschädigen lassen und würde notfalls die Turniere statt durch 24 durch 22 Mitglieder vergeben. Um die WM-Endrunden 2018 und 2022 bewerben sich England, Russland, Belgien/Niederlande und Spanien/Portugal bzw. die USA, Australien, Japan, Südkorea und Katar.

Wertvolle und begehrte Stimme

Der zweite unter Verdacht stehende Funktionär ist laut Angaben der „Sunday Times“ Amos Adamu aus Nigeria und gehört wie Temarii dem FIFA-Exekutivkomitee an. Der Afrikaner soll bei laufender Kamera für seine Stimme 500.000 Pfund (rund 570.000 Euro) verlangt und das Geld für vier Kunstrasenplätze in seiner Heimat vorgesehen haben.

Adamu habe eine Garantie angeboten, dass er in der Abstimmung über 2018 für die USA votieren werde, für 2022 seien sie nur zweite Wahl. Da habe er sein Wort schon einer anderen Partei gegeben, erklärte der Afrikaner. Die USA hatten erst kurz zuvor ihre Bewerbung für 2018 zurückgezogen. Auch der Nigerianer muss nach einem Gespräch mit FIFA-Präsident Blatter am Mittwoch vor der FIFA-Ethikkommission des Weltverbandes Rede und Antwort stehen.

Links: