Nur Bulgaren feiern im Happel-Stadion
„Diese Kulisse war für uns eine Ehre und eine Herausforderung“, hat Sofia-Coach Saschko Christow nach der Partie gegen Rapid gesagt. Vor 50.000 Fans im Happel-Stadion war alles für ein grün-weißes Fußballfest angerichtet. Es kam jedoch ganz anders. Während die Rapidler nach dem Schlusspfiff längst in der Kabine verschwunden waren, feierten die Gäste noch immer ausgelassen mit ihren Fans.
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Nach dem souveränen 2:0-Auswärtssieg in Sofia war die Erwartungshaltung sehr hoch. Nach der unerwarteteten 1:2-Niederlage in Wien sind die Hoffnungen auf den Aufstieg in die nächste Runde der Europa League aber nun auf ein Minimum gesunken. Entsprechend groß war die Ernüchterung im Lager von Rapid ob der verpassten Chance. „Dieses Spiel muss man einfach gewinnen. Die Europa League können wir damit abhaken“, schüttelte Innenverteidiger Mario Sonnleitner den Kopf.

ORF.at/Dominique Hammer
Die Rapid-Spieler zeigten durch die Bank ratlose Gesichter.
„Natürlich sind wir alle enttäuscht“
Die Tabelle in Gruppe L zeigt nach vier Spieltagen tatsächlich ein ernüchterndes Bild. Während der FC Porto mit einem 1:1 im Heimspiel gegen Besiktas Istanbul den Aufstieg bereits in der Tasche hat, sind die Türken mit nun sieben Zählern auf dem besten Weg dorthin. Rapid hält ebenso wie Sofia bei drei Punkten und braucht im Heimspiel gegen Porto und auswärts gegen Besiktas zwei Siege sowie Schützenhilfe der Bulgaren, um das Wunder doch noch zu schaffen.
„Natürlich sind wir alle enttäuscht. Abgesehen von der Tabelle wollten wir ein gutes Heimspiel machen. Das ist uns nicht gelungen“, bilanzierte Rapid-Coach Peter Pacult. „Man hatte nicht unbedingt das Gefühl, dass wir Sofia 90 Minuten niederspielen wollten. Am Ende gab es zwar einige Chancen, aber es war einfach zu wenig Zählbares dabei. Wir haben mehr Fehler gemacht als der Gegner und darum haben wir verloren“, analysierte Raimund Hedl.
Rapid hat zwei Probleme
Der Rapid-Goalie sprach damit jene zwei Punkte an, die den Hütteldorfern derzeit das Leben in der Europa League und in der Meisterschaft schwermachen: das Fehlen des rekonvaleszenten Kapitäns Steffen Hofmann und individuelle Schnitzer, die sich wie ein roter Faden durch das Rapid-Spiel ziehen. Zuletzt servierte in der Bundesliga Christopher Trimmel gegen Salzburg Roman Wallner den Ball zum 1:0, in der Europa League patzte Sonnleitner beim Siegestor der Bulgaren entscheidend.
„Ich war unkonzentriert, das Tor geht sicher auf meine Kappe“, redete Sonnleitner auch gar nicht lange um den heißen Brei herum. Für Pacult war hingegen der Zeitpunkt des zweiten Gegentreffers alles andere als günstig. „Nach dem Rückstand ist ein Ruck durch die Mannschaft gegangen. Dann ist uns sogar der schnelle Ausgleich gelungen, aber wenn du danach solche individuellen Fehler machst, dann hast du ein Problem. Woran diese Fehler liegen, kann ich nicht sagen, sonst würde ich sie abstellen“, war Pacult ratlos.
„Ohne Hofmann fehlt die Kreativität“
Was sich ganz sicher nicht abstellen lässt, ist das Fehlen von Hofmann, der wegen seiner Adduktorenentzündung zumindest zwei weitere Wochen ausfallen wird. „Ohne Hofmann hat sicher die Kreativität gefehlt“, brachte Hedl die Wichtigkeit des Kapitäns auf den Punkt. Gegen die dicht stehenden Bulgaren gingen mehr Bälle in die Breite als in die Spitze. Richtige Torgefahr ließ sich daher bis auf die gute Anfangsphase nicht entwickeln.
Pacult wollte das Fehlen von Hofmann allerdings nicht zu sehr thematisieren. „Es wäre den anderen Spielern gegenüber unfair. Ich würde ihnen die Qualität absprechen. Ich kann keinen Spieler vorschieben und sagen: ‚Du übernimmst die Hofmann-Rolle.‘ Jeder hat auf dem Platz seine Aufgaben zu erfüllen. Der eine oder andere ist derzeit vielleicht zu unruhig am Ball, damit stecken wir uns gegenseitig an.“
Konzentration auf die Meisterschaft
Aufstiegsillusionen geben sich die Rapidler hingegen kaum noch hin. Hedl sieht in den restlichen zwei Partien eher die Ehre als den noch möglichen Aufstieg im Vordergrund: „Es geht jetzt gegen Porto nicht mehr um die rechnerische Chance auf den Aufstieg, sondern um eine bessere Leistung als gegen Sofia. Die Portugiesen sind ein ganz anderes Kaliber.“
Die Niederlage gegen Sofia muss Rapid auch umgehend abhaken, denn bereits am Sonntag steht in der Bundesliga gegen Tabellenführer Sturm (15.00 Uhr, live in ORF1 und im Livestream) eine wichtige Partie auf dem Programm. „Darauf müssen wir uns so schnell wie möglich einstellen“, sagte Pacult. Hedl meinte: „Jetzt geht es in der Meisterschaft weiter, und da haben wir genug zu tun.“
Christian Wagner, ORF.at
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