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Aufsteiger, Fixgrößen und Bankdrücker

In einer der stärksten Ligen der Welt waren im Herbst 15 österreichische Legionäre engagiert. Nicht alle der in Deutschland mehr oder weniger liebevoll als „Ösis“ bezeichneten Gastarbeiter dürfen zu Weihnachten zufrieden bilanzieren, für einige Teamspieler hätte die erste Saisonhälfte aber kaum besser verlaufen können. ORF.at hat die rot-weiß-roten Tops und Flops der ersten deutschen Bundesliga.

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Emanuel Pogatetz verließ im Juni nach fünf Jahren Middlesbrough die Insel und kam gerade rechtzeitig, um mit Hannover die beste Hinrunde der Clubgeschichte zu spielen. Der steirische Innenverteidiger mit dem Spitznamen „Mad Dog“ hielt den Defensivladen der 96er zusammen, von elf Partien mit Pogatetz gewann Hannover acht. Sechs Ligaspiele versäumte der kompromisslose ÖFB-Internationale verletzungsbedingt bzw. wegen einer Gelb-Rot-Sperre, nach 17 Runden liegen „Pogerl“ und Co. vor Bayern München auf Rang vier.

Auch Hannover-Trainer Mirko Slomka stieg im Laufe der Runden wie Phoenix aus der Asche. Nach dem Aus im Cup gegen die Amateure von Elversberg stand er schon zum Saisonstart auf der Abschussliste, vier Monate später träumen Slomka und seine Spieler von einem Champions-League-Platz. „Toll, dass ich an dieser Hinrunde teilhaben durfte“, erklärte Pogatetz, nachdem ihm der „kicker“ unter dem Titel „Hart. Härter. Pogatetz!“ eine Story gewidmet hatte. Auch Sportdirektor Jörg Schmadtke lobte den 27-jährigen Grazer als wertvollen Führungsspieler: „Emanuel geht in jeder Hinsicht voran.“

Christian Fuchs (Mainz)

APA/EPA/Jürgen Feichter

Christian Fuchs war für Mainz von Beginn an ein Volltreffer.

Freud und ein wenig Leid für Mainz-Duo

Christian Fuchs, der ebenfalls im Sommer von Absteiger Bochum nach Mainz gewechselt war, erlebte mit dem FSV einen nicht für möglich gehaltenen Höhenflug. Dass die Mannschaft von Trainer Thomas Tuchel zum Start sieben Siege in Serie und mit 33 Punkten als Tabellenzweiter die beste Hinrunde der Vereinsgeschichte hinlegte, war auch das Verdienst des linken Außenverteidigers aus Österreich. Fuchs spielte 1.440 von 1.530 möglichen Minuten, verpasste krankheitsbedingt nur eine Partie und wurde vom „kicker“ in die „Elf der Hinrunde“ gewählt.

Im Schatten der Mainzer Sturm-„Boygroup“ mit Andre Schürrle und Lewis Holtby überzeugte Dauerbrenner Fuchs mit konstanten Leistungen und fünf Torvorlagen. Clubchef Harald Strutz jubelt schon zur Halbzeit über „eine unglaubliche Saison“, die für den zweiten „Ösi“ in Mainz bisher weniger zufriedenstellend verlief. Ex-ÖFB-Teamkapitän Andreas Ivanschitz, dem Holtby und Schürrle das Leben schwer machten, kam nur auf acht Einsätze und 323 Spielminuten, ein Tor war die magere Ausbeute für den Mittelfeldmann. Extralob von Tuchel, der Ivanschitz trotz Reservistenrolle als motiviert, mannschaftsdienlich und wertvoll hervorhob, war nur ein schwacher Trost.

Ungemütliche Weihnachten für Prödl und Arnautovic

Bei Werder Bremen gingen im Advent die letzten Lichter aus statt an. Als Tabellen-14. trennen die Hanseaten nur vier Punkte von einem Abstiegsplatz, die Weihnachtsfeiertage und der Jahreswechsel werden nicht nur für Langzeittrainer Thomas Schaaf und Clubchef Klaus Allofs ungemütlich. Sowohl Innenverteidiger Sebastian Prödl, dessen Vertrag noch bis 2012 läuft, als auch die im Sommer verpflichtete, launische Sturm-Diva Marko Arnautovic können sich im Norden auf rauheren Wind einstellen.

Wie für die gesamte Werder-Mannschaft gab es auch für die beiden Österreicher an der Weser nur selten Grund zum Jubeln. Bezeichnend, dass der größte Auftritt des ÖFB-Duos mit jeweils einem Tor zum 3:0 gegen Inter Mailand erfolgte, als die Bremer als Gruppenletzter schon aus der Champions League ausgeschieden waren. Sonst wirkte Prödl, der auch aufgrund zahlreicher verletzungsbedingter Ausfälle alle 17 Hinrundenpartien (1.530 Minuten) durchspielte, in der Werder-Defensive oftmals überfordert. In der Offensive gelang dem Steirer eine Torvorlage.

Marko Arnautovic hielt nach einem Jahr auf der Ersatzbank von Triplesieger Inter Mailand alles, was die Bremer Fans vom „Enfant terrible“ aus der Alpenrepublik gehört hatten. Der technisch begnadete ÖFB-Angreifer hatte zwar lichte Momente - zum Beispiel mit dem Doppelpack und einem Assist beim 4:2 gegen Köln. Ansonsten wandelte Arnautovic aber auch bei Thomas Schaaf traumwandlerisch sicher an und jenseits der Grenze zwischen Genie und Wahnsinn. Verbalduelle mit arrivierten Teamkollegen, beleidigtes Zurückreden bei Auswechslungen und ein „Saftladen“-Zitat machten mehr Schlagzeilen als besagte zwei Tore in 899 Einsatzminuten.

Harnik als Joker, Ibertsberger kämpft sich zurück

Martin Harnik dagegen machte trotz einer verheerenden Hinrunde des VfB Stuttgart durch sportliche Taten auf sich aufmerksam. Der 23-jährige Stürmer bestach in Europa League, DFB-Pokal und Meisterschaft als treffsicherer Joker mit elf Pflichtspieltoren. In der Liga reichten Harnik 685 Spielminuten für vier Tore und zwei Assists. Unter Neo-Trainer Bruno Labbadia setzte der Offensivmann seine Serie fort und traf beim 3:5 gegen Bayern München als Einwechselspieler gleich zweimal. Als Vorletzter mit zwei Zählern Vorsprung auf Schlusslicht Gladbach, wo Innenverteidiger Bernhard Janeczek wegen einer Knieverletzung noch nicht zum Ligadebüt kam, sind Harnik und Co. akut absiegsbedroht.

Für Andreas Ibertsberger begann die dritte Saison mit Hoffenheim nicht nach Wunsch, der ehemalige Teamspieler saß zunächst hauptsächlich auf der Ersatzbank und wurde zwischenzeitlich auch durch eine Verletzung gebremst. In den letzten sechs Runden vor der Winterpause eroberte der einsatzfreudige Außenverteidiger aber seinen Fixplatz bei Trainer Ralf Rangnick zurück und kam so doch noch auf 658 Spielminuten. Als Achter mit acht Punkten Rückstand auf die zweitplatzierten Mainzer ist für Hoffenheim in der Rückrunde ab 14. Jänner einiges möglich. Der österreichische Keeper Ramazan Özcan versauert indes als dritter bzw. manchmal auch zweiter Goalie auf der Ersatzbank der Hoffenheimer.

Korkmaz vor Abschied aus Frankfurt

Von den Statistiken seiner Landsleute kann Ümit Korkmaz in Frankfurt nur träumen - obwohl die Eintracht mit Trainer Michael Skibbe als Siebenter voll auf Kurs liegt. Korkmaz, der nach seiner starken EM 2008 nach Frankfurt gekommen war, stand bei zwölf von 17 Spielen nicht einmal im Kader, dreimal saß er nur auf der Ersatzbank, lediglich zu Beginn der Saison war er zumindest zweimal eingewechselt worden. Skibbe scheint nicht mehr mit dem Ex-Rapidler zu planen, für den 25-Jährigen stehen die Zeichen auf Abschied noch im Winter.

Auch Erwin Hoffer ist in Kaiserslautern nach einem verkorksten Jahr bei Napoli mehr schlecht als recht angekommen. Der ehemalige Rapid-Torjäger fristet in Kaiserslautern seit der neunten Runde ein Reservistendasein - zwei Tore und zwei Assists von „Jimmy“ in 588 Einsatzminuten sind auch FCK-Trainer Marco Kurz viel zu wenig. Mittlerweile scheint ÖFB-„Sprintrakete“ Hoffer beim Aufsteiger nicht einmal mehr zweite Wahl zu sein. Der Tiroler Clemens Walch macht in der Pfalz auch harte Wochen durch. Der Mittelfeldmann spielte in den Runden sieben bis neun dreimal von Beginn an, pendelte zuletzt aber zwischen Ersatzbank, Tribüne und Arztpraxis.

Versöhnlicher Jahresabschluss für Okotie

Bayern-Youngster David Alaba macht in München nach seinen vielversprechenden nationalen wie internationalen Auftritten in der vergangenen Saison ebenfalls charakterbildende Erfahrungen. Das 18-jährige ÖFB-Talent kam im Herbst nur zu zwei Einsätzen (insgesamt 24 Minuten) bei den Profis, zehnmal nahm ihn Louis van Gaal gar nicht in den Kader. Weitere Auftritte mit den Bayern Amateuren in der dritten Bundesliga scheinen Alaba nicht zu reizen, der Wiener will sich offenbar an einen anderen Club ausleihen lassen. Landsmann Christoph Knasmüllner saß indes zweimal (achte und neunte Runde) auf der Bayern-Ersatzbank.

Ein echtes Seuchenjahr hat für den Ex-Austrianer Rubin Okotie zumindest einen versöhnlichen Abschluss gefunden. Der 23-jährige Stürmer kam am Wochenende nach mehrmonatigen Verletzungsproblemen zu seinem ersten Einsatz für den 1. FC Nürnberg, er wurde beim 3:1 gegen Hannover in der 90. Minute eingewechselt. „Er hat zuletzt auffällig trainiert und scharrt mit den Hufen“, machte Trainer Dieter Hecking dem Österreicher für das kommende Jahr Mut. „Es war ein schönes Gefühl nach der schweren Zeit. Ich fühle mich richtig gut, die Spritzigkeit kommt zurück“, sagte Okotie.

Harald Hofstetter und Christian Wagner, ORF.at

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