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„Es gibt jetzt mehr Spieler“

Der Ausgang schien programmiert: Rafael Nadal auf dem Weg zu seinem persönlichen „Rafa Slam“, Roger Federer kurz vor der Titelverteidigung - dem Showdown in der Rod Laver Arena von Melbourne hatten bei den Australian Open alle entgegengefiebert. Welcher der beiden Ausnahmespieler würde sein großes Ziel erreichen? Allein darum hatte sich am anderen Ende der Welt vor dem Turnier alles gedreht. Die Antwort fiel so kurz wie überraschend aus: keiner.

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Nadal wurde erneut von seinem eigenen Körper gebremst, der Spanier unterlag im Viertelfinale seinem Landsmann David Ferrer klar in drei Sätzen. Federer stieß im Semifinale gegen den späteren Champion Novak Djokovic an seine Grenzen. Zufall? Oder doch das Ende einer Ära und der Beginn einer neuen Zeitrechnung? „Darüber wird immer sehr schnell gesprochen. Lasst uns in sechs Monaten noch einmal reden“, sagte Federer nach seinem Semifinal-Aus gegen Djokovic fast trotzig.

Federer „immer noch Weltmeister“

Doch die Anzeichen verdichten sich, dass dem Herren-Tennis nach Jahren der Federer-Nadal-Dominanz eine Blutauffrischung bevorsteht, die dem Sport nur guttun kann. Nicht einfach so steht Federer zum vierten Mal nacheinander bei einem Grand-Slam-Turnier nicht im Endspiel. „Ich bin immer noch Weltmeister“, entgegnete der Schweizer seinen Kritikern spürbar gereizt vom Gerede über das sich anbahnende Ende seiner Dominanz.

Rafael Nadal  Roger Federer in Doha

APA/EPA/Qatar Tennis Federation

Nadal und Federer steht das Wasser noch nicht bis zum Hals.

Erstaunlich gegen Djokovic, dem er bereits bei den US Open 2010 im Halbfinale unterlegen war, war vor allem die Tatsache, dass Federer nicht schlecht spielte. Früher hätte ihn keiner gefährden können, wenn er auf diesem Niveau agierte. Inzwischen ist aber selbst Federer in bester Verfassung nicht mehr unschlagbar. Turniersieger Djokovic wollte die Gunst nach einem seiner größten Siege jedenfalls nicht nutzen, um Salz in die Wunden der gestrauchelten Favoriten zu streuen.

Lieber selbst im Finale als nur TV-Zuschauer

„Wir sind immer noch hinter ihnen. Man kann nicht sagen, dass eine neue Ära beginnt“, sagte der Serbe. Sein unterlegener Finalgegner Andy Murray nahm die Diskussion nicht ganz ernst. „Beide waren großartig für diesen Sport und werden es auch noch sechs oder sieben Jahre sein. Ich stehe aber lieber im Finale, als mir Nadal gegen Federer im TV anzusehen“, hatte der Schotte vor dem Endspiel gesagt. Neben den beiden Melbourne-Finalisten hefteten sich Nadal und Federer mit dem Schweden Robin Söderling und dem Tschechen Tomas Berdych jedoch noch weitere Spieler an die Fersen.

Die übernächste Generation mit dem Australier Bernard Tomic und dem kanadischen Aufschlagwunder Milos Raonic ließ in Australien ebenfalls schon ihr Können aufblitzen. „Es gibt jetzt mehr Spieler, die in der Lage sind, ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen, und das ist gut so“, ließ sich Djokovic immerhin entlocken. Doch der 23-Jährige, der spätestens seit dem Davis-Cup-Sieg im Dezember vor Selbstvertrauen nur so strotzt, weiß auch, was ihm und den anderen Herausforderern noch fehlt.

Federer weiter fest entschlossen

„Wenn man an der Spitze stehen will, muss man konstant auf sehr hohem Niveau spielen“, sagte Djokovic. So wie Nadal und Federer jahrelang. „Roger ist immer noch extrem motiviert, und Rafa hat das letzte Jahr dominiert wie kein Zweiter“, meinte er daher bescheiden. Sein Trainer Marian Vajda sieht zumindest das Ende der Herrschaft von Federer kommen. Grund sei das Alter des Schweizers (29). „Bei Turnieren über zwei Gewinnsätze kann Roger noch bestehen und sein Können ausspielen, aber über fünf Sätze ist es ein mentales und auch physisches Ding“, sagte der Coach des frischgebackenen Australien-Champions.

Federer will sich jedoch noch lange nicht zurückziehen. „Das ist erst der Anfang der Saison, und ich freue mich auf die weiteren Turniere“, betonte er. Er werde jetzt ein paar Tage Urlaub machen und dann in Dubai mit seinem Fitnesstrainer Pierre Paganini arbeiten. „Und dann sehen wir mal weiter“, sagte der Schweizer entschlossen. Kampflos wird er sich nicht aus der absoluten Weltspitze verabschieden.

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