Reichelt erobert seine erste WM-Medaille
Silber für Österreich im WM-Super-G der Herren: Einen Tag nach der WM-Goldmedaille für Elisabeth Görgl musste sich Hannes Reichelt in Garmisch bei härtesten Bedingungen nur dem überraschend starken Italiener Christof Innerhofer um 0,60 Sekunden geschlagen geben.
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Der 26-jährige Südtiroler aus Bruneck überraschte die Konkurrenz mit einer für die schwierigen Verhältnisse optimalen Fahrt. Bisher hatte Innerhofer nur einen Weltcup-Sieg gefeiert, 2008 in der Abfahrt von Bormio. Bronze ging Dienstagvormittag an den Kroaten Ivica Kostelic vor dem Schweizer Titelverteidiger und Topfavoriten Didier Cuche. „Ich kann es gar nicht glauben und bin überglücklich. Letzte Saison war schwierig für mich. Ich habe lange gebraucht, bis mein Selbstvertrauen wieder gekommen ist“, sagte der frischgebackene Weltmeister - Highlights aus Garmisch in insider.ORF.at.

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Als Christof Innerhofer im Ziel den „Einser“ sah, gab es kein Halten mehr.
Glücklicher Weltmeister
Innerhofer weiter: „So ein Rennen ist nur alle zwei Jahre, deshalb habe ich mir gedacht, ich muss volle Kanne fahren. Wenn man alles gibt, dann hat man sich im Ziel nichts vorzuwerfen. Auf diesen Moment, den Einser wieder aufleuchten zu sehen, habe ich lange gewartet. Unbeschreiblich, dass mir gerade bei so einem Rennen so ein Lauf aufgeht.“ Kontrahent Kostelic war hingegen auch mit Bronze zufrieden: „Super-G ist zwar nicht meine Disziplin. Aber der Hang hier bringt mir Glück“, sagte Kostelic, dem Schwester Janica im Ziel die Daumen drückte.
Benjamin Raich wurde als zweitbester ÖSV-Starter immerhin Fünfter, Romed Baumann Sechster. Michael Walchhofer kam bei seinem letzten WM-Super-G nicht unter die Top Ten. Reichelt zauberte eine annähernd fehlerfreie Fahrt auf das Eis der Kandahar-Piste und durfte im Ziel nach seiner klaren Bestzeit schon befreit aufatmen. Der harte Kampf zwischen den Toren bei schwierigsten Bedingungen hatte sich für den 30-jährigen Sieger der WM-Generalprobe in Hinterstoder bezahlt gemacht.
„Noch nicht realisiert“
„Die Routine macht mich lockerer. Ich kann Weltmeister werden“, hatte Reichelt, der sich für die WM erst im letzten Moment und in Hinterstoder qualifiziert hatte, vor dem Rennen gemeint. Damit sollte er fast recht behalten. Bei seiner vierten WM-Teilnahme reichte es endlich zur ersehnten ersten Medaille. Und diese glänzte immerhin gleich in Silber. Nur Innerhofer, unmittelbar nach Reichelt gestartet, sollte noch schneller sein. Im Ziel wog seine Freude über Silber wohl mehr als der Ärger über die verpasste Goldmedaille.

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Hannes Reichelt fuhr keinen „gescheiten Blödsinn“, sondern auf das Podest.
„Normalerweise sind das nicht meine Verhältnisse. Die Piste ist sehr unruhig und sehr eisig, in manchen Abschnitten ist es auch stockfinster. Es ist anstrengend und die Beine werden sehr müde“, beschrieb Reichelt, im Weltcup bisher fünfmal ganz oben auf dem Stockerl, seine Fahrt zur WM-Silbermedaille. „Nachdem ich die Linie im Mittelteil verloren habe, wusste ich, jetzt geht es nur hopp oder dropp, auf Sicherheit konnte ich nicht mehr fahren. Im Ziel dachte ich nur: ‚Jetzt bist einen gescheiten Blödsinn zusammengefahren.‘“ Nun ist er Vizeweltmeister: „So richtig realisiert habe ich das aber noch nicht.“
Der Pitztaler Raich verlor in der Folge 1,34 Sekunden auf Weltmeister Innerhofer und wurde damit Fünfter und unmittelbar vor Baumann zweitbester Österreicher. „Mit dem fünften Platz muss ich leben. Natürlich war das Ziel ein Platz auf dem Podium, aber ich habe alles gegeben, deshalb kann ich das Ergebnis akzeptieren. Das ist ein sehr langer, sehr unruhiger Super-G, das geht schon an die Grenzen der Leistungsfähigkeit“, haderte der 32-Jährige.
Baumann als Testpilot
Baumann hatte zuvor als österreichischer Testpilot fungiert. Der Tiroler, mit Nummer acht ins WM-Rennen gegangen und von davor zahlreichen Ausfällen gewarnt, meisterte diese Aufgabe aber mit Bravour und knallte zunächst eine klare Bestzeit auf die Piste. Baumann war 1,56 Sekunden schneller als der bis dahin führende Slowene Andrej Jerman. Auch die weiteren Läufer sollten sich an Baumanns Zeitvorgabe die Zähne ausbeißen. Erst Reichelt (Startnummer zwölf) war es vorbehalten, die Bestzeit des 25-Jährigen zu unterbieten.
Letztlich reichte es für Baumann, der seinen bisher einzigen Weltcup-Sieg in der Superkombi von Sestriere 2009 verbucht hatte, noch zum sechsten Rang. 0,76 Sekunden trennten ihn von Kostelic und seinem ersten WM-Podium. „Heute ist keiner fehlerfrei heruntergekommen. Man fühlt sich hier brutal beschissen. Es ist vom Start weg unruhig bis zum Geht-nicht-mehr. Man kommt nicht in den Rhythmus und hat nie ein gutes Gefühl.“
„Das ging an die Substanz“
Chancenlos war wiederum Walchhofer, der in St. Moritz vor acht Jahren in der Abfahrt für die bisher letzte WM-Goldmedaille der ÖSV-Speed-Herren gesorgt hatte. In seinem letzten WM-Super-G verlor der 35-Jährige 2,20 Sekunden auf den Weltmeister und musste sich mit dem elften Platz zufrieden geben. Selbst der Routinier zollte den hohen Anforderungen der Kandahar Tribut. Dass er die Piste nicht mag, daraus hatte er schon im Vorfeld kein großes Geheimnis gemacht.
Im Ziel bilanzierte der 18-fache Weltcup-Sieger atemlos: „Das ging an die Substanz. War immer hinten nach mit dem Schwung, das kostet Kraft. Schwierig war die Kombination aus schlechter Sicht und eisiger Piste. Heute hat man einen genialen Lauf gebraucht, und ich gratuliere dem Innerhofer, der ist gut am Ski gestanden.“ Seinen endgültigen WM-Abschied gibt Walchhofer am Sonntag in der Abfahrt, für die er als zweifacher Saisonsieger trotz der Probleme auf der Kandahar-Piste als einer der Favoriten gilt.
Michael Fruhmann, ORF.at aus Garmisch
WM-Super-G der Herren
| 1. |
Christof Innerhofer |
ITA |
1:38,31 |
| 2. |
Hannes Reichelt |
AUT |
1:38,91 |
| 3. |
Ivica Kostelic |
CRO |
1:39,03 |
| 4. |
Didier Cuche |
SUI |
1:39,34 |
| 5. |
Benjamin Raich |
AUT |
1:39,65 |
| 6. |
Romed Baumann |
AUT |
1:39,79 |
| 7. |
Carlo Janka |
SUI |
1:40,03 |
| 8. |
Werner Heel |
ITA |
1:40,13 |
| 9. |
Peter Fill |
ITA |
1:40,34 |
| 10. |
Adrien Theaux |
FRA |
1:40,44 |
| 11. |
Michael Walchhofer |
AUT |
1:40,51 |
| 12. |
Bode Miller |
USA |
1:41,06 |
| 13. |
Silvan Zurbriggen |
SUI |
1:41,12 |
| 14. |
Tommy Ford |
USA |
1:41,21 |
| 15. |
Matteo Marsaglia |
ITA |
1:41,26 |
| 16. |
Andrej Jerman |
SLO |
1:41,35 |
| 17. |
Ondrej Bank |
CZE |
1:41,36 |
| 18. |
Travis Ganong |
USA |
1:41,49 |
| 19. |
Benjamin Thomsen |
CAN |
1:41,92 |
| 20. |
Andrej Sporn |
SLO |
1:42,20 |
| 21. |
Andreas Sander |
GER |
1:42,40 |
| 22. |
Ales Gorza |
SLO |
1:42,45 |
| 23. |
Patrik Järbyn |
SWE |
1:42,49 |
| 24. |
Matts Olsson |
SWE |
1:42,55 |
| 25. |
Thomas Frey |
FRA |
1:42,81 |
| 26. |
Natko Zrncic-Dim |
CRO |
1:43,15 |
| 27. |
Stepan Sujew |
RUS |
1:43,63 |
| 28. |
Truls Ove Karlsen |
NOR |
1:44,01 |
| 29. |
Roger Vidosa |
AND |
1:44,84 |
| 30. |
Georgi Georgiew |
BUL |
1:45,23 |
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