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Constantini braucht Erfolgserlebnis

Die Reise zum richtungsweisenden EM-Qualispiel in der Türkei hat für das ÖFB-Team begonnen, wie das Match gegen Belgien geendet hatte. Frustration und Chaos herrschten am Montag bei der Sicherheitskontrolle auf dem Flughafen Schwechat. Wer aber wie etwa Stefan Maierhofer und Erwin Hoffer eng aneinandergedrängt den Kampf bis zum Gate bewältigte, der kann auch einen Weg durch die türkische Abwehr finden.

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Das Spiel der wohl letzten Chance am Dienstag (19.30 Uhr, live in ORF eins) in Istanbul könnte für den ÖFB wieder einmal akuten Handlungsbedarf entstehen lassen. Nach vier Spielen ohne Sieg, drei Niederlagen in Serie und allein wegen der Leistung beim 0:2 gegen die Belgier braucht Dietmar Constantini dringend ein Erfolgserlebnis. Nach außen hin gibt sich der am Wochenende medial zerzauste Teamchef betont gelassen, ganz spurlos scheint das öffentliche Hinterfragen seiner Fähigkeiten aber nicht am Tiroler vorübergegangen zu sein.

Ziel kann nur ein Sieg sein, „realistisch oder nicht“

„Wenn es mein letztes Spiel als Teamchef sein wird, werde ich es auch überleben“, sagte Constantini. „Hickersberger, Prohaska, Krankl und Brückner leben auch alle noch“, verwies er auf seine prominenten Vorgänger auf einem der heißesten Stühle der Nation. „Das gehört zu meinem Beruf. Wäre ich niedergeschlagen, würde es auch keinen Sinn machen. Ich trage diese Verantwortung gerne.“ Die Ausgangsposition vor einer Auswärtspartie gegen die Türkei sieht Constantini einfacher als die Favoritenrolle gegen Belgien, „weil wir klarer Außenseiter sind“. Dafür sei der Gegner stärker.

„Unser Ziel muss es sein, die Türkei auswärts zu schlagen“, gibt er sich angesichts der Lage im Rennen um Platz zwei in Gruppe A keinen Illusionen hin. „Ob es realistisch ist oder nicht. Jetzt liegt die Latte noch höher.“ Auf Marc Janko, der mit verletzter Schulter als Motivator und Daumendrücker mit nach Istanbul reiste, muss Constantini ebenso verzichten wie auf Franz Schiemer (Oberschenkelverhärtungen), Zlatko Junuzovic (Bluterguss) und Marko Arnautovic (Magen-Darm-Virus). Letztgenannter wird jedoch auf der Ersatzbank das Spiel verfolgen. „Daher wird es zwangsläufig Umstellungen geben“, sagte der Cheftrainer, der auf drei ÖFB-Spieler mit türkischen Wurzeln vertrauen könnte.

EM-Qualifikation, Gruppe A

Beginn 19.30 Uhr:

Live in ORF eins und im Livestream

Türkei - Österreich

Sükrü-Saracoglu-Stadion, SR Kralovec (CZE)

Mögliche Aufstellungen:

Türkei: Demirel - Gönül, Kesimal, Cetin, Köybasi - Topuz, Inan, Sahin - Hamit Altintop, Bulut, Turan

Österreich: Macho - Dag, Dragovic, Pogatetz, Fuchs - Scharner, Baumgartlinger, Pehlivan - Hoffer, Korkmaz, Maierhofer

Aufstellungspoker bis kurz vor Anpfiff

„Kann sein, dass sie von Beginn an spielen, muss aber nicht sein“, so Constantini über Ümit Korkmaz (VfL Bochum), Yasin Pehlivan (Rapid) und Ekrem Dag (Besiktas). Die nach Jürgen Machos Patzer beim 0:1 gegen Belgien von Constantini selbst wieder aufgeworfene Tormannfrage sei geklärt. Ob es mit Helge Payer eine neue und gleichzeitig alte Nummer eins geben wird, will der ÖFB-Coach aber erst unmittelbar vor dem Anpfiff bekanntgeben. Verwundern würde ein „Absägen“ von Macho allemal.

ÖFB-Boss Windtner spricht Klartext

Die Frage, ob Arnautovic nach seinem Totalausfall dabei sein würde, erübrigte sich durch die Erkrankung des Bremen-Legionärs. ÖFB-Präsident Leo Windtner fand vor der Partie aber deutliche Worte in Richtung Arnautovic. Vor allem das Verhalten des hoch gelobten Jungstars nach dem Schlusspfiff, als der im Match zumindest spielerisch unauffällig gebliebene 21-Jährige wütend gegen Stadionmobiliar trat, stieß Windtner sauer auf. „Darüber wird man reden müssen. Er ist ein exzentrischer Spieler mit allen Vorteilen und Nachteilen, aber diese Auswüchse wird er abstellen müssen. Es gibt so etwas wie einen Mindestverhaltenskodex oder Korridor für jeden Spieler.“

Die offene Kritik von Stefan Maierhofer an der Einstellung einiger Teamkollegen empfand der ÖFB-Boss im Gegensatz zum Teamchef berechtigt. „Nach so einem Match wie am Freitag ist es auch den Spielern erlaubt, so auch einmal die Sau rauszulassen. Wann sonst, wenn nicht dann?“ Viel wichtiger als Arnautovic oder Maierhofer ist für Windtner aber die Personalie Constantini. „Man kann in der Türkei theoretisch unglücklich verlieren und es wurde eine solide Leistung geboten“, baute er schon einmal vor. „Dann wird jeder österreichische Fan das akzeptieren.“

ÖFB-Präsident Leo Windtner

GEPA/Christian Ort

Lange schaut Leo Windtner dem ÖFB-Team nicht mehr tatenlos zu.

Noch einmal „Belgien“ wäre zu viel

Windtner weiß aber auch, was im Falle eines sportlichen Untergangs im Fenerbahce-Stadion los wäre. „Wenn man an die Leistung vom Freitag gegen Belgien anschließen würde, da brauchen wir nicht zu diskutieren, dann wäre das natürlich fatal.“ Die „Feuerwehrmann-Qualitäten“ von Constantini verlangt der ÖFB-Chef also auch gegen die Türken. „Der Freitag muss feuerwehrmäßig vergessen gemacht werden, insofern trägt er den Titel auch diesmal zu Recht. Wenn ihm das gelingt, wird er wahrscheinlich wieder einen Stern kriegen“, mutmaßte Windtner halb im Spaß, um aber ernst hinzuzufügen: „Es gibt derzeit keine Teamchef-Diskussion, ein Zwischenresümee wird erst nach dem Türkei-Spiel gezogen.“

Das Thema der nach Belgien diskutierten, laut Constantini überzogenen Erwartungshaltung sieht Windtner ganz anders als der Teamchef. „Der Freitag war für mich ein Fall in ein tiefes Loch. Ich glaube nicht, dass die Erwartungshaltung vor dem Spiel zu hoch war“, betonte er. „Wenn wir uns selbst ernst nehmen wollen und man sich für die EM qualifizieren will, dann darf man eine gewisse Erwartungshaltung mittragen.“ Am Dienstag will Windtner ein mental starkes Kollektiv sehen, der Funke müsse wieder springen. Glaubt man Ümit Korkmaz, sollte das kein Problem werden, denn: „Die Stimmung im Stadion wird die Hölle sein.“

Harald Hofstetter, ORF.at aus Istanbul

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