„Unsere Fans müssen wieder stolz sein“
Ümit Korkmaz ist vor dem EM-Qualifikationsspiel in der Türkei ein begehrter Gesprächspartner. Beim 0:2 gegen Belgien wurde der schnelle und technisch starke ÖFB-Flügelspieler erst im Finish eingewechselt, in Istanbul winkt dem Bochum-Legionär ein Platz in Dietmar Constantinis Startelf. Für das Duell mit der Heimat seiner Eltern, Verwandten und vieler Freunde stellt Korkmaz jedenfalls einen Hoffnungsträger dar.
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Zahlreiche Kamerateams und Journalisten umringten den gebürtigen Wiener vor dem Abflug, und Korkmaz gab bereitwillig Einblick in seine Gefühlswelt vor einem in jeder Hinsicht brisanten Match. Der Ex-Rapidler, der in drei Jahren bei Eintracht Frankfurt nicht glücklich geworden war, sprach über Erwartungen, Befürchtungen und seine Stärken, die er gegen die Türken alle ausspielen will.
Frage: Mit welchen Gefühlen reisen Sie in die Türkei?
Korkmaz: Mit einem sehr schönen Gefühl, ich treffe meine Cousins wieder. Ein bisschen nervös bin ich schon, aber das gehört dazu. Ob ich von Beginn an spielen werde, weiß ich nicht. Diese Entscheidung hängt vom Trainer ab, aber es wäre natürlich Klasse. Wenn ich eingwechselt werde, werde ich auch mein Bestes geben.
Wie werden Sie die türkischen Fans in Istanbul empfangen?
Korkmaz: Es kommen sicher viele Freunde und Bekannte zuschauen, aber ich bin Profi genug, um das ausblenden zu können. Meine Eltern werden auch gegen die Türkei zu mir halten. Zu den türkischen Medien habe ich gute Kontakte, das wird sicher kein Problem. Die Frage ist eher, wie die türkischen Fans mich und Yasin (Pehlivan, Anm.) aufnehmen.
DFB-Star Mesut Özil wurde ja beim Spiel zwischen Deutschland und der Türkei in Berlin gnadenlos ausgepfiffen.
Korkmaz: Ich hoffe und glaube nicht, dass es bei uns auch so sein wird. Die Stimmung wird die Hölle sein, es wird sehr hart für uns. Die Zuschauer werden voll hinter ihrer Mannschaft stehen und Gas geben, aber ich hoffe, dass uns die türkischen Fans positiv empfangen.
Wird das österreichische Nationalteam in der Türkei ernst genommen?
Korkmaz: Die österreichische Liga wird in der Türkei nicht wahrgenommen. Aber je mehr Legionäre eine Nationalmannschaft hat, desto mehr respektiert man sie auch. Ich habe mit einigen Kollegen aus der türkischen Mannschaft gesprochen, und die haben uns schon einiges angedroht.
Trauen Sie sich zu, in Eins-gegen-eins-Situationen auch gegen die starken türkischen Außenverteidiger zu bestehen?
Korkmaz: Auf jeden Fall. Mit Martin Harnik und Jimmy Hoffer haben wir ja außerdem noch andere schnelle Spieler, die das können. Das sind unsere großen Stärken und die müssen wir ausspielen.
Angenommen, Sie erzielen ein Tor gegen die Türkei in Istanbul, würden Sie es bejubeln?
Korkmaz: Purzelbäume oder Saltos würde ich sicher keine machen, aber es wäre trotzdem sehr schön. Es ist immer leichter, wenn man unterschätzt wird und nur positiv überraschen kann. Darauf hoffe ich: dass uns die Türken unterschätzen. Es wird sicher sehr schwer, aber wir wollen unsere Fans wieder stolz machen.
Wie ist nach dem Belgien-Spiel die Stimmung in der Mannschaft?
Korkmaz: Wir sind alle Profis genug, um Niederlagen wegzustecken. Ich habe nichts mitbekommen, dass es bei der Analyse gekracht hätte. Aber jeder sollte sich selbst an der Nase nehmen. Keinem Spieler steht es zu, über andere zu reden. Das muss der Teamchef machen, dafür ist er da.
Harald Hofstetter, ORF.at aus Istanbul
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