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Stärker, aber noch zu schwach

Im Vergleich zum 0:2 gegen Belgien am Freitag hat sich die Nationalmannschaft beim 0:2 in Istanbul stärker, aber immer noch zu schwach präsentiert. Die ÖFB-Auswahl hatte nicht die Mittel und Qualität, den Türken ernsthaft gefährlich zu werden. In der Einzelbeurteilung der Spieler gab es bei eher unterdurschnittlichen Leistungen nur wenige positive wie negative Ausreißer. Insgesamt war es einfach zu wenig.

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Jürgen Macho: Befriedigend
Einer der Buhmänner gegen Belgien blieb trotz seines schweren Patzers wie erwartet die Nummer eins im ÖFB-Tor. Nach fünf Minuten tankte er Selbstvertrauen, indem er eine „Granate“ von Altintop entschärfte. Bei Flanken merkte man hin und wieder Verunsicherung, beim ersten Tor der Türken war Macho aber schuldlos. Mit Fortdauer des Spiels kamen immer weniger Schüsse direkt auf Machos Tor, wenn doch hielt er sie relativ sicher fest. Beim 0:2 ließ er die kurze Ecke weit offen, hatte aufgrund der guten Schussposition für Gökhan aber auch keine andere Wahl.

Ekrem Dag: Nicht genügend
Der Besiktas-Legionär betreibt in Istanbul ein Eisgeschäft, rechts hinten war er im Duell mit dem starken Turan aber nur selten eiskalt. Vor dem Tor des Klassestürmers unterlief Dag bei einem Einwurf der Türken der entscheidende Stellungsfehler, dann wurde er von Dragovic nicht ausreichend unterstützt. Gravierende Schnitzer passierten ihm dann keine mehr, wirklich im Griff hatte er seine Seite aber auch nicht.

Aleksandar Dragovic: Genügend
Bis zum 0:1 bot der Basel-Legionär eine solide Vorstellung, dann attackierte er Turan nach Dags Fehler zu zögerlich. Dragovic hatte in der Innenverteidigung gemeinsam mit Pogatetz einiges zu tun. Nicht immer behielten die beiden in den Drangphasen der Türken die Übersicht.

Emanuel Pogatetz: Genügend
„Mad Dog“ hatte gleich zu Beginn Glück, dass der in den Raum gesprintete Yilmaz seinen schweren Stellungsfehler nicht ausnützte. Pogatetz holte sich früh die Gelbe Karte mit einem grenzwertigen Einsteigen gegen Ekici, nach 20 Minuten passierte ihm fast ein Eigentor, und später rettete er in letzter Sekunde vor Altintop. Der Hannover-Defensivmann hatte im türkischen Hexenkessel keine leichte Aufgabe, die Abwehr zusammenzuhalten. Beim 0:2 war Pogatetz das letzte Glied in einer Kette von Nachlässigkeiten, als er vom Torschützen Gönül Gökhan mit einem Haken nach innen ausgespielt wurde.

Christian Fuchs: Genügend
Der linke Außenverteidiger hatte es mit der bärenstarken Achse Altintop/Gönül zu tun. Zweiterer brauste immer wieder von hinten heran, in den besten Phasen der Türken kam fast alles über diese Seite. Dennoch setzte sich Fuchs mit allen Mitteln dagegen zur Wehr, von Alaba und abwechselnd Harnik wurde er dabei auch viel besser unterstützt als im Belgien-Spiel von Arnautovic. Mit einem 30-Meter-Freistoß in der 70. Minute hätte Fuchs fast den Ausgleich erzielt. Das zweite Tor fiel nicht nur auf seiner Seite, sondern wurde erst durch einen Stellungsfehler von Fuchs ermöglicht. Pogatetz machte dann aber auch keine glückliche Figur.

Paul Scharner: Genügend
Gegen Belgien war der England-Profi gesperrt, nun wollte er als „Führungsspieler“ agieren. Als defensiver Abräumer im Mittelfeld war Scharner viel unterwegs, versuchte sich auch nach vorne einzuschalten, rannte dem Ball aber wie seine Kollegen meistens hinterher. Bei dem einen oder anderen Schuss hatte er sein Visier nicht richtig eingestellt, die Standardsituationen beeinflusste er vorne wie hinten weder positiv noch negativ. Von Scharners Kopfballstärke war zu wenig zu sehen, zumindest sein Einsatz war aber vorbildlich. Viele Fehlpässe vor der Pause waren ebenfalls auffallend.

Julian Baumgartlinger: Genügend
Gegen die Belgier war der Austrianer einer der bemühteren ÖFB-Akteure. Als einer von zu Beginn drei „Defensiven“ im Fünfermittelfeld der Österreicher präsentierte sich Baumgartlinger auch diesmal wieder einsatz- und lauffreudig. Nach vorne kam von ihm aber viel zu wenig. Ein-, zweimal traute er sich aus aussichtsreicher Position den Torschuss nicht zu. Zur Pause musste Baumgartlinger dann Hoffer Platz machen.

Yasin Pehlivan: Befriedigend
Neben Dag war der Rapidler der zweite ÖFB-Spieler in der Startelf mit türkischen Wurzeln. Gegen Belgien war Pehlivan noch eingewechselt worden, diesmal erfüllte er seinen Defensivpart im Mittelfeld unaufgeregt und aggressiv. Pehlivan stand Ekici und Co. ständig auf Zehen und Fersen und kommunizierte viel mit seinen Kollegen. Aufgrund des gegnerischen Drucks in den ersten 60 Minuten passierten auch ihm Fehler, im Spielaufbau offenbarte er einige Schwächen. In der zweiten Hälfte tauschte ihn Constantini gegen Korkmaz aus.

David Alaba: Genügend
Am Freitag gegen Belgien hatte der Hoffenheim-Youngster noch überfordert gewirkt, diesmal war Alaba nur in der Anfangsphase leicht nervös. Er machte kleine Fehler in der Ballannahme. Als er aktiver wurde, fiel das erste Tor. Dann war Alaba halblinks öfters nicht anspielbar. Oft wirkte der talentierte Jungspund noch wie ein Fremdkörper im Spiel des ÖFB-Teams.

Martin Harnik: Genügend
Der Stuttgart-Legionär spielte von Beginn an eine bessere Partie als gegen Belgien, aber das war auch keine Kunst. Er startete aus dem rechten Mittelfeld, dann tauschte Harnik immer wieder mit Alaba die Seiten. Große Akzente kamen weder da noch dort, bei zwei Flanken auf Maierhofer nach guten Eins-gegen-eins-Situationen ließ er seine Qualitäten erkennen. Harnik musste auch viel Defensivarbeit verrichten, das machte er teilweise passabel. Im Finish musste er für Arnautovic vom Feld.

Stefan Maierhofer: Genügend
ÖFB-Solospitze war diesmal von Anfang an der „Lange“ aus Duisburg. Wie immer machte Maierhofer viele Wege, fordert immer den Ball, musste sich aber auch oft sehr tief fallen lassen. Zu weit nach hinten gedrängt waren die Österreicher, für den Stürmer kamen kaum brauchbare Bälle. In den seltenen Fällen war Maierhofer manchmal zu umständlich und in der Viererkette der Türken gut aufgehoben. Beim „Solopressing“ rieb er sich zusätzlich auf. Unmittelbar vor der Pause hatte Maierhofer per Kopf eine gute Torchance, im Finish vergab er den Elfmeter, weil der Schuss zu unplatziert war.

Erwin Hoffer: Befriedigend
„Jimmy“ kam nach der Pause für Baumgartlinger und bildete mit Maierhofer den ehemaligen Rapid-Traumsturm. Die Türken hatten zunächst aber kaum Probleme mit Hoffer. „Die laufende Handgranate“ (Copyright Dietmar Constantini) zündete nicht sofort. Erst in der Schlussphase holte der Kaiserslautern-Legionär den Strafstoß heraus, der aber eher als Geschenk des Schiedsrichters gewertet werden durfte.

Ümit Korkmaz: Befriedigend
Ursprünglich hatte man den Bochum-Flügelspieler von Beginn an erwartet, Constantini brachte ihn aber wie gegen Belgien als „Joker“, diesmal zumindest schon nach 56 Minuten. Der offensive Korkmaz kam für Pehlivan und sollte die türkische Abwehr über links außen knacken. Der Ex-Rapidler brachte zwar ein wenig mehr Schwung in das Angriffsspiel. Das lag aber auch an den Türken, die sich nach einer Stunde immer mehr zurückzogen und die Österreicher kommen ließen.

Marko Arnautovic: Befriedigend
Entgegen der Informationen vom Nachmittag, dass der Bremen-Profi wegen eines Magen-Darm-Virus nicht im Kader stehen werde, saß Arnautovic doch auf der Bank. Für die letzten 20 Minuten kam er dann sogar noch in die Partie, bemühte sich sichtlich und wollte am Ende unbedingt den Elfmeter schießen. Doch Maierhofer schnappte sich den Ball und vergab.

Harald Hofstetter, ORF.at aus Istanbul

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