Abwehrfehler besiegeln Niederlage
Für Österreichs Nationalteam ist der Traum von der Teilnahme an der Europameisterschaft 2012 so gut wie ausgeträumt. Die ersatzgeschwächte ÖFB-Elf musste sich am Dienstag in Istanbul der Türkei klar mit 0:2 geschlagen geben. Dumme Abwehrfehler und mangelnde Kreativität im Angriff brachen den Österreichern gegen souveräne Türken das Genick.
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Teamchef Dietmar Constantini reagierte auf die zahlreichen Ausfälle und setzte im zentralen Mittelfeld auf das Trio Paul Scharner, Yasin Pehlivan und Julian Baumgartlinger. David Alaba und Martin Harnik an den Seiten sollten Solospitze Stefan Maierhofer mit brauchbaren Bällen versorgen. In der Abwehr bot Constantini die gleiche Formation wie gegen Belgien auf. Obwohl einige Plätze im Sükrü-Saracoglu-Stadion frei blieben, herrschte tolle Stimmung in der Arena des Traditionsklubs Fenerbahce, vom sprichwörtlichen Hexenkessel war man aber weit entfernt.

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Yilmaz traf in der 4. Minute zum Glück nur die Stange.
Stange verhindert frühen Rückstand
Einzig das Wetter trat zu Beginn als Spielverderber auf, pünktlich zum Anpfiff öffnete der Himmel über Istanbul seine Schleusen. Die Türkei begann wie erwartet druckvoll, Österreich versuchte, seine Abwehr zu stabilisieren und suchte sein Glück im Konter. In der 4. Minute hatten die türkischen Fans den Torschrei auf den Lippen: Die ÖFB-Abwehr blieb bei einem weiten Pass wie angewurzelt stehen, Burak Yilmaz überspielte Jürgen Macho, traf aber anstelle ins Tor nur die Stange.
Durchatmen war für die Österreicher jedoch nicht angesagt. Denn nur zwei Minuten später musste sich Macho bei einem strammen Schuss von Hamit Altintop gehörig strecken. Die Türkei bekam im strömenden Regen immer mehr Oberwasser, Österreichs Abwehr hingegen kam ins Schwimmen. Deutlicher Hinweis: Bereits nach zehn Minuten lautete das Eckenverhältnis 5:0 für die Hausherren. Dass die Österreicher aber doch etwas aggressiver als gegen Belgien zu Werke gingen, zeigte eine Gelbe Karte für Emanuel Pogatetz nach nur 13 Minuten. Am Freitag war man ohne Verwarnung geblieben.
Blackout in der Abwehr
Die Türkei blieb am Drücker. In der 22. Minute kam Arda Turan nach einem weiteren Eckball frei zum Kopfball, die Kugel strich jedoch zur Enttäuschung der Fans knapp über die Latte. Doch nur eine Minute später hatte Alaba, der es schon zuvor aus der Distanz versucht hatte, die Führung für Österreich am Schuh. Harnik erkämpfte sich nach einem Konter den Ball, bediente Alaba ideal, doch der Hoffenheim-Legionär schaufelte den Ball nach einem sehenswerten Haken aus rund zwölf Metern über das Tor von Volkan Demirel.
In der 28. Minute erbebte das Fenerbahce-Stadion unter dem Torschrei der Fans dank eines furchtbaren Abwehrfehlers. Bei einem Out-Einwurf war die gesamte Hintermannschaft nicht im Bilde, Turan tanzte durch die Verteidiger und schob den Ball locker zur verdienten Führung in die Maschen. Der Spieler von Galatasaray Istanbul beendete zum Leidwesen von ÖFB-Teamchef Constantini damit nach 400 Minuten die Torsperre der Türken.

GEPA/Christian Ort
Macho streckt sich vergeblich: Turans Schuss ist bereits am Weg ins Tor.
Bei den Gastgebern war in der Folge die Erleichterung zu spüren, Österreich machte sich durch Fehlpässe und Annahmefehler weiterhin das Leben schwer. Ideenloses Ballgeschiebe prägte das Spiel der ÖFB-Mannschaft, wurde einmal schnell gespielt, dann meist zu umständlich. Knapp vor der Pause gelang zur Abwechslung wieder eine Offensivaktion, doch Maierhofers Kopfball nach einem Konter landete in den Armen von Demirel.
Zweite Spitze ohne Wirkung
In der Pause reagierte Constantini und brachte mit Erwin Hoffer für Baumgartlinger eine zweite Spitze. Am Spielverlauf änderte sich jedoch wenig. Die Türken kontrollierten die Partie, Österreich agierte im Angriff statisch und bei gegnerischen Kontern unsicher. Obwohl der Regen in der zweiten Hälfte ein Einsehen hatte, wurde den Zuschauern vor allem vonseiten der Gäste weiterhin spielerische Schonkost geboten. Die Gastgeber beschränkten sich auf das Nötigste und kamen trotzdem zu den besseren Chancen.
Freuen durfte sich nur Ümit Korkmaz, der ab Minute 57 anstelle des angeschlagenen Pehlivan zu Einsatzminuten in der Heimat seiner Eltern kam. Die österreichische Abwehr präsentierte sich derweil weiter unsicher: Yilmaz kam in der 58. Minute unbedrängt zum Kopfball, setzte das Leder jedoch über den Kasten. 20 Minuten vor Schluss zog Teamchef Constantini mit der Einwechslung des angeschlagenen Marko Arnautovic doch noch eine Offensivkarte.

Reuters/Osman Orsal
Maierhofer nach verschossenem Elfer fassungslos.
Maierhofer verschießt Elfmeter
Unmittelbar nach der Umstellung fand die ÖFB-Elf ihre beste Chance vor, doch ein gut geschossener Freistoß von Fuchs konnte von Demirel über die Latte gedreht werden. Obwohl sich die Österreicher in der Offensive mit Arnautovic etwas mehr zutrauten, agierte man weiter zu zaghaft und kompliziert. Wie es geht, zeigten die Türken in der 78. Minute: Scharner verlor im Mittelfeld den Ball, Semih Sentürk bediente Gökhan Gönül ideal, und damit war die Partie zugunsten der Gastgeber so gut wie entschieden. Dem ÖFB-Drama setzte Maierhofer in der 85. Minute mit einem weiteren verschossenen Elfmeter die Krone auf.
Den unrühmlichen Schlusspunkt setzten dennoch die türkischen Fans, die ÖFB-Torhüter Macho trotz des feststehenden Sieges mit Holzstangen bewarfen. Die daraus mit Sicherheit folgende Bestrafung der Türken dürfte für Österreichs Spieler aber kaum ein Trost sein. Der Zug zur Euro 2012 ist so gut wie abgefahren. Die ernüchternde Bilanz: Statt mit erhofften vier Punkten steht Österreich nach den Spielen gegen Belgien und die Türkei mit leeren Händen da.
Karl Huber, ORF.at
EM-Qualifikation, Gruppe A
Dienstag:
Türkei - Österreich 2:0 (1:0)
Sükrü-Saracoglu-Stadion, 45.000 Zuschauer, SR Kralovec (CZE)
Tore: Arda Turan (28.), Gökhan Gönül (77.)
Maierhofer verschießt in der 84. Minute einen Elfmeter
Türkei: Volkan Demirel - Gökhan Gönül, Servet Cetin, Serdar Kesimal, Hakan Balta - Hamit Altintop, Selcuk Inan, Arda Turan - Nuri Sahin, Burak Yilmaz (72./Semih Sentürk), Mehmet Ekici (63./Mehmet Topuz)
Österreich: Macho - Dag, Dragovic, Pogatetz, Fuchs - Harnik (69./Arnautovic), Scharner, Baumgartlinger (46./Hoffer), Pehlivan (57.Korkmaz), Alaba - Maierhofer
Gelbe Karten: Topuz bzw. Pogatetz, Fuchs, Scharner
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