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Nach Rückschritten droht Stillstand

Gleich dreimal haben in dieser Woche die Uhren im österreichischen Nationalteam umgestellt werden müssen - zuerst die Sommerzeit, dann die Reise nach Istanbul und zurück. Spätestens nach dem 0:2 gegen die Türken am Dienstag ist aber klar, dass sie für die nächsten eineinhalb Jahre wohl wieder langsamer ticken werden. Die Chancen auf die EM 2012 sind so gut wie dahin, nach den Rückschritten der letzten Tage droht eine Phase des sportlichen Stillstands.

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Erstmals seit 1992 kassierte das ÖFB-Team vier Niederlagen in Serie, Istanbul markierte außerdem die zehnte Pleite im 18. Länderspiel unter Dietmar Constantini, der seit März 2009 nur sechs Siege und zwei Unentschieden erreichte. Für andere Bilanzen des Schreckens ist der aktuelle Teamchef aber nicht allein verantwortlich: Auswärts hat Österreich seit dem 2:1 im Oktober 2006 in Liechtenstein nicht mehr gewonnen, in einem Pflichtspiel gar seit März 2005 in Wales. In Duellen mit der Türkei setzte es die fünfte Niederlage in Folge.

Das Warten geht weiter

Will sich die Mannschaft nach dem Rückfall auf Platz vier in Gruppe A noch qualifizieren, braucht sie wohl vier Punkte aus zwei Partien gegen Deutschland und sonst nur Siege. Realistisch gesehen ist das unrealistisch, somit warten auf die österreichischen Fans bis zum Start der WM-Qualifikation für Brasilien 2014 wieder Spiele mit dem berühmt berüchtigten „Testcharakter“. Man ist es gewohnt, denn seit der bis dato letzten WM-Teilnahme unter Teamchef Herbert Prohaska 1998 in Frankreich würde diese Quali schon das sechste Scheitern bedeuten.

ÖFB-Teamchef Dietmar Constantini steht mit regennassen Haaren vor der Ersatzbank.

GEPA/Christian Ort

Constantini bleibt auf der Kommandobrücke des schlingernden ÖFB-Dampfers.

2008 war der ÖFB als EM-Veranstalter automatisch dabei, sportlich ist man auch diesmal weit vom Erreichen des Ziels entfernt. Dabei sind die Türken bei weitem nicht mehr das herausragende Team, das sie 2002 bei der WM in Japan und Korea (Platz drei) waren. Und Belgien ist trotz einiger talentierter Legionäre auch keine „Übermannschaft“. Gegen diese Teams war man in den vergangenen Tagen jeweils chancenlos, und trotzdem will ÖFB-Präsident Leo Windtner vorläufig an Constantini festhalten. „Wir stehen für Kontinuität und wollen nicht nach jedem Rückschlag eine Teamchefdiskussion starten“, betonte er.

„Er ist der richtige Mann für den Job“

Auch die Spieler einer immer wieder hoch gelobten ÖFB-Generation stellten sich nach dem fünften sieglosen Match in Folge demonstrativ hinter den Teamchef. „Ihn braucht man nicht kritisieren“, sagte etwa Marko Arnautovic. „Er hat einen guten Job gemacht, das Team hat sich gut entwickelt.“ David Alaba, eine weitere Zukunftsaktie für Österreich, sah das ähnlich: „Constantini ist der Letzte, der gehen sollte. Er ist der richtige Mann für den Job.“ Und Stefan Maierhofer sieht die Mannschaft ebenfalls auf dem richtigen Weg: „Das Team ist intakt. Ich kann mich noch gut erinnern, wie das 2008 vor der EM war. Jetzt sind wir auch nicht die elf besten Freunde, aber auf dem Platz halten wir zusammen.“

Gegen die Türken hatten die Spieler ihren Präsidenten Windtner zumindest insofern versöhnt, als ihnen Bemühen, Kampf und Leidenschaft im Gegensatz zum Belgien-Match nicht abgesprochen werden konnten. „Sie haben Charakter gezeigt“, meinte der ÖFB-Chef über eine wohl selbstverständliche Voraussetzung im Nationalteam. Mit Zufriedenheit habe das zwar nichts zu tun, aber zumindest bis zum Ende des Vertrages mit Constantini nach der EM-Qualifikation will Windtner den Trainer weitermachen lassen. „Ich gehe davon aus, dass wir keine Schnellschüsse machen. Wir werden das aber noch im Direktorium besprechen“, sagte er dazu.

Hoffen auf das Spielglück

„Wir werden uns auch zusammensetzen und besprechen, was wir verbessern können“, kündigte der Oberösterreicher an. „An ein kleines Wunder dürfen wir ja immer noch glauben.“ An diese mikroskopisch kleine Hoffnung klammert sich auch Constantini, wenn er betont: „Wir haben jetzt auch unsere zwei Niederlagen - genauso wie die Türkei. Wir sind mitten in der Qualigruppe.“ Und die Kritik an seiner Person ist Constantini mittlerweile gewöhnt. „Ruhe hat man als Trainer nie“, sagte der Tiroler. „Vielleicht kehrt irgendwann auch das Spielglück zurück“, führte Windtner noch eine scheinbar unbeeinflussbare Komponente an.

Glaubt man dem Sprichwort, dass jeder seines Glückes Schmied ist, darf aber auch die nicht gerade mutige Anfangstaktik hinterfragt werden. „Defensiv haben wir gar nicht so schlecht begonnen“, beurteilte Costantini den Start mit drei defensiven Mittelfeldspielern und zwei hängenden Flügeln hinter Solospitze Maierhofer. Dafür hatten die Türken das Tor der Österreicher aber ganz schön heftig belagert. Gerade die ersten 30 Minuten brachten Chancen im Minutentakt und einen frühen Stangenschuss. Das war auch die Phase, die dem türkischen Teamchef Guus Hiddink am besten gefiel. Zumindest der zuletzt ebenfalls hart kritisierte Niederländer sieht nun wieder ruhigeren Zeiten entgegen.

Harald Hofstetter, ORF.at

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