„Er müsste sich total ändern“
Vielversprechende Leistungen von Marko Arnautovic in den ersten Spielen der EM-Qualifikation sind längst vergessen. Innerhalb weniger Monate hat der Werder-Legionär seinen Kredit bei Teamchef Dietmar Constantini, Mannschaftskollegen und vielen Fans verspielt. Im Schlager gegen Deutschland muss Arnautovic nun zuschauen, der 22-Jährige scheint im ÖFB-Kader nur auf Abruf auf.
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„Es war eine Entscheidung gegen sein Talent und für das Kollektiv“, sagte Constantini am Donnerstag bei der Bekanntgabe des Aufgebots. Nach der indiskutablen Leistung des Offensivspielers gegen Belgien, diversen Zwischenfällen vor und nach dem Match in der Türkei sowie weiteren Eskapaden in Bremen hat der Teamchef vorerst genug. „Wenn er über die Linie geht, hat man ihn als Trainer schon verloren“, sagte Constantini etwa zum Verhalten von Arnautovic auf dem Spielfeld. „Gegen Belgien hat er gemacht, was er wollte. Und das geht nicht.“

GEPA/Christian Ort
Abschied auf Dauer oder nur eine Nachdenkpause für Arnautovic?
Den Bogen überspannt
Der Bremen-Stürmer hatte den Teamchef vor dessen Entscheidung angerufen und signalisiert, dass er der Mannschaft gegen Deutschland am 3. Juni (20.30 Uhr, live in ORF eins) im Happel-Stadion unbedingt helfen wolle. Letztlich ließ sich Constantini aber nicht mehr umstimmen. „Ich mag ihn und habe ein gutes Verhältnis zu ihm“, so der Tiroler. „Aber gestandene Profis in der Mannschaft können es nicht akzeptieren, wenn ein Junger macht, was er will. Bei diesem wahnsinnigen Potenzial ist das sehr schade, aber er kann es im Spiel nicht abrufen.“
Die Frage, was Arnautovic für eine nächste Chance tun könne, war für Constantini nicht leicht zu beantworten. „Er müsste sich total ändern“, gab er sich, was die Entwicklung des „Enfant terrible“ betrifft, nicht gerade zuversichtlich. Auf Abruf wäre Arnautovic deshalb nominiert, weil man das bei allen Spielern, die zuletzt im Kader standen, so gemacht habe. Auch die Stürmer Roman Wallner (Salzburg) und Roland Linz (Austria) finden sich auf dieser Liste, gegen die Deutschen dürfte der Teamchef entweder auf Roman Kienast (Sturm) oder Marc Janko (Twente) als Solospitze setzen.
Ivanschitz zumindest wieder unter Beobachtung
Stefan Maierhofer, der nach überstandenem Mittelfußknochenbruch am Samstag ein Comeback für Duisburg im DFB-Pokalfinale gegen Schalke gibt, wurde von Constantini wegen mangelnder Spielpraxis nämlich auch nicht berücksichtigt. Dafür war der frühere ÖFB-Kapitän Andreas Ivanschitz einer Nominierung wieder näher gekommen. Der seit längerem ausgemusterte Mainz-Legionär wurde immerhin beobachtet. „Gegen Schalke hatte er aber nicht seinen besten Tag“, so Constantini, bei dem sich in dieser Causa trotzdem ein Sinneswandel anzubahnen scheint.
Anders ist die Situation bei Martin Stranzl, der vor eineinhalb Jahren seinen Rücktritt aus dem Team bekanntgab. Constantini attestierte dem Abwehrchef von Borussia Mönchengladbach zwar eine starke Frühjahrssaison. Ein Comeback wird es unter ihm aber nicht geben. „Wenn jemand zurücktritt, könnte man natürlich auf den Knien hinrutschen, um ihn wieder zurückzuholen. Aber das ist nicht meine Art“, stellte der ÖFB-Cheftrainer klar. Dafür erhielt Christoph Leitgeb (Salzburg) noch eine Chance, was ebenso wenig zu erwarten war wie das Comeback von Rapid-Mittelfeldmann Stefan Kulovits.
Royer statt Korkmaz
Eine Teilnahme bei der EM 2012 in Polen und der Ukraine hat man im ÖFB-Team jedenfalls so gut wie abgeschrieben. „In unserer momentanen Verfassung ist es nicht realistisch, dass wir jetzt fünf Spiele in Serie gewinnen“, brachte es Constantini auf den Punkt, um schließlich doch noch ein wenig Zuversicht zu versprühen: „Wer weiß, was drei Punkte gegen Deutschland bewirken könnten.“ Mit schnellen Spielern will man gegen den überlegenen Gruppenleader im ausverkauften Happel-Stadion „zum Abschluss kommen“, Bochum-Flügel Ümit Korkmaz ist dennoch nicht dabei.
„Da habe ich mich für Daniel Royer entschieden“, erklärte Constantini das Debüt des Ried-Mittelfeldtalents. Auf der Torhüterposition kommt ein Routinier zu späten Teamehren. Nach den verletzungsbedingten Absagen von Jürgen Macho und Pascal Grünwald entschieden sich Teamchef und Goalie-Trainer Franz Wohlfahrt für den 29-jährigen Hans-Peter Berger (Admira) als Nummer drei hinter Christian Gratzei (Sturm) und Helge Payer (Rapid). In der Frage, wer gegen die Deutschen im Tor stehen wird, gebe es laut Wohlfahrt eine Tendenz. Die beständigen Leistungen über die gesamte Saison sprechen wohl für Gratzei.
Harald Hofstetter, ORF.at
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