Anknüpfen an den Song Contest
Eine unterhaltsame Mischung aus Galgenhumor, Umbruch, Hoffnung und Resignation hat ÖFB-Teamchef Dietmar Constantini zusammen mit dem Kader für die Spiele gegen Deutschland und Lettland präsentiert. „Wir haben mehr oder weniger keine Chance mehr“, gab sich der Tiroler vor dem EM-Qualischlager gegen den Erzrivalen keinen Illusionen hin. An Schlagfertigkeit hat Constantini aber zugelegt.
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In der seit Monaten ausverkauften Partie am 3. Juni (20.30 Uhr, live in ORF eins) im Ernst-Happel-Stadion will man an die Punktewertung beim Song Contest anknüpfen. Zwölf Zähler vergab Deutschland in Düsseldorf für die österreichische Darbietung von Nadine Beiler. „Jetzt holen wir uns noch einmal drei Punkte“, meinte Constantini mit einem Augenzwinkern. „Gegen die Deutschen sind wir krasser Außenseiter. Aber wir werden versuchen zu punkten. Auch wenn das in unserer Verfassung unrealistisch klingt“, spielte er auf das letzte Heimspiel gegen Belgien (0:2) an, das für die Mannschaft wie ein „Genickbruch“ gewesen sei.
Lettland-Test oder Urlaub
Was die Sinnhaftigkeit des für 7. Juni in Graz angesetzten Testspiels gegen Lettland betrifft, wollte sich der Teamchef am Donnerstag auf keine Diskussionen einlassen. „Dafür sind die Spieler Profis. Es ist ein Länderspiel, und es geht um Österreich“, sagte Constantini. Ob er den einen oder anderen Akteur nach der Deutschland-Partie gleich in den Urlaub entlassen und im Freundschaftsspiel neue Varianten probieren wird, ließ sich der ÖFB-Cheftrainer aber offen. „Wer weiß, vielleicht bin ich ja dann auch schon daheim“, scherzte Constantini über eine mögliche Entlassung im Falle eines Debakels gegen Deutschland.

GEPA/M. Hoermandinger
Dietmar Constantini wartete bei der Kaderbekanntgabe mit Überraschungen auf.
Die Auftritte des Teams gegen Belgien und in der Türkei (jeweils 0:2) setzten dem 55-Jährigen aber merklich zu. „Ich habe mich mit den DVDs von den Spielen noch ein paar Mal selbst gegeißelt“, berichtete Constantini. „Wir haben in beiden Partien eine schlechte Leistung geboten. Gegen die Türkei waren wir meiner Meinung nach aber noch schlechter.“ Dass es die aktuelle Verfassung der Mannschaft sehr unwahrscheinlich erscheinen lässt, eine Siegesserie zu starten und sich doch noch für die EM zu qualifizieren, liege in erster Linie an der Heimpleite gegen die Belgier.
Zeit für Veränderungen
„Das hat uns das Genick gebrochen“, sagte Constantini. „Wir wollten unbedingt gewinnen, und dann haben wir uns praktisch zwei Eigentore geschossen.“ Zumindest kann man nun gegen den WM-Dritten Deutschland, der bisher alle EM-Qualispiele in der Gruppe A gewann, nur positiv überraschen. Von den fünf Deutschland-Legionären im ÖFB-Kader will sich der Teamchef, der alle Partien des DFB-Teams sah, noch zusätzliche Informationen holen. Mainz-Außenspieler Christian Fuchs ist für Constantini eine Variante auf der linken Mittelfeldseite, da er auf Ümit Korkmaz und Marko Arnautovic verzichtete.
„Ich hätte gerne Sebastian Prödl oder Franz Schiemer dabei, aber ich werde auch weiterhin nicht raunzen“, erwähnte der ÖFB-Coach noch zwei verletzungsbedingte Ausfälle. Dafür holte Constantini den seinerzeit gescholtenen Salzburg-Mittelfeldmann Christoph Leitgeb nach acht Monaten wieder zurück in die Nationalmannschaft. Dass er dem Steirer damals vorwarf, „kein Killer“ zu sein, tut ihm heute leid. „Das ist mir herausgerutscht und war unglücklich formuliert“, so Constantini. „Er ist ein guter Techniker, und ich habe gemeint, dass er sich im Abschluss noch verbessern kann.“
Junge Rieder
Was Potenzial und Zukunft der aktuellen Teamgeneration betrifft, tappen die Fans gerade während dieser Qualifikation im Dunkeln. Der 20-jährige Ried-Mittelfeldspieler Daniel Royer, sein 23-jähriger Clubkollege Thomas Schrammel (Abwehr) und der 25-jährige Manuel Weber (Sturm Graz, Mittelfeld) stehen aber vielleicht schon für einen leichten Umbruch, den Constantini noch einleiten will. Rapid-Mittelfeldmann Stefan Kulovits könnte zudem sein erstes Länderspiel seit dem 8. Februar 2005 (gegen Zypern) bestreiten und stehe laut Teamchef „hundertprozentig unter Strom“. Vor dem Duell mit Deutschland sollte er keine Ausnahme sein.
Harald Hofstetter, ORF.at
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