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Skandal im Hanappi-Stadion

Das Wiener Derby zwischen Rapid und der Austria ist am Sonntag nach 26 Minuten mit einem Eklat zu Ende gegangen. Nach dem Treffer der Austrianer zur 2:0-Führung durch Zlatko Junuzovic stürmten zahlreiche, teilweise vermummte Rapid-Hooligans den Rasen des Hanappi-Stadions. Schiedsrichter Thomas Einwaller brach das Spiel daraufhin ab.

Die Stimmung war schon vor dem Anpfiff aufgeheizt gewesen. Rapid-Anhänger bewarfen den Mannschaftsbus des Erzrivalen mit Steinen, zwei Fensterscheiben gingen zu Bruch. Die Rapidler wollten unbedingt ihre verkorkste Saison ohne Europacup-Startplatz so gut wie möglich retten, indem sie die Titelchance der Austrianer zunichtemachen. Dieses Vorhaben unterstrich der Rapid-Anhang mit dem Plakatreim „Auch ein Sieg kann die verschissene Saison nicht retten, zerstört heute wenigstens die Titelträume der Violetten“.

Rapid-Fans werfen bengalisches Feuer in den Austria-Sektor, dazwischen Polizisten

APA/Herbert P. Oczeret

Die Polizei bezog vor dem Austria-Sektor Stellung, um weitere Eskalationen zu vermeiden.

Doch die Austria legte einen Blitzstart hin. Florian Klein setzte sich auf der rechten Seite gegen Christopher Drazan durch, seine Flanke landete beim sträflich alleingelassenen Linz, der staubtrocken und flach ins linke Eck zum 1:0 traf (5.). Bereits nach diesem Tor waren zahlreiche Gegenstände auf den Platz geflogen, darunter dicke Trommel-Schlegel. Den Frust der Rapidler perfekt machte dann das 2:0 der Gäste durch Zlatko Junuzovic (26.) nach neuerlicher Klein-Vorarbeit.

Maskierte Rapid Fans laufen während des Spieles auf das Spielfeld

APA/Herbert P. Oczeret

Randalierer drangen auf das Spielfeld vor.

Platzsturm in der 26. Minute

Unmittelbar danach drangen die ersten Rapid-Anhänger auf den Rasen vor und attackierten teilweise auch die eigenen Akteure. Referee Einwaller unterbrach das Spiel sofort, beide Teams flüchteten in die Kabinen. Nach etwa zwangigminütigem Zuwarten entschied sich Einwaller für den Abbruch, nachdem auch noch bengalische Feuer entzündet wurden. Vor allem eventuelle weitere Austria-Tore sowie die zweite Spielhälfte mit Austria-Tormann Heinz Lindner vor dem Rapid-Fanblock wären ein unkalkulierbares Risiko gewesen.

„Sicherheit nicht gewährleistet“

Schiedsrichter Einwaller begründete den Abbruch: „Die Entscheidungsfindung war schwierig, muss ich ganz ehrlich sagen. Beide Mannschaften und wir Schiedsrichter wollten weiterspielen. Aber es ist an der Aussage der Sicherheitskräfte gelegen, dass die Sicherheit im Stadion nicht mehr gewährleistet werden kann, daher der Abbruch. Für mich ist das Spiel jetzt erledigt. Alle Beteiligten werden jetzt Berichte verfassen und an die Bundesliga übermitteln. Es tut mir ein bisschen leid um den österreichischen Fußball, weil das bisschen Image, das wir noch haben, wird durch solche Aktionen ganz kaputt gemacht.“

Polizisten, dahinter Rauch vom bengalischen Feuer

APA/Herbert P. Oczeret

Rund 400 Polizisten mussten beim Derby Dienst verrichten.

Auf dem Rasen zogen rund 400 Polizisten eine Sicherheitskette auf und verhinderten somit ein Vordringen der Rapid-Fans in Richtung der Osttribüne, wo 2.000 Austria-Anhänger standen. Ein Zusammenprall beider Fan-Fraktionen wurde vermieden, das Resümee der Exekutive fiel mit drei Festnahmen und zwei verletzten Polizisten relativ glimpflich aus. Aufgrund der zahlreichen TV-Bilder und Aufnahmen der Stadion-Kameras ist die Rapid-Spitze zuversichtlich, dass die Übeltäter ausgeforscht werden.

Bundesliga entscheidet am Montag

Der Senat eins der Bundesliga wird am Montag über die Wertung des Spiels und eventuell auch schon über (wohl drakonische) Strafen gegen Rapid entscheiden. Bundesliga-Vorstand Georg Pangl, der von einem „schwarzen Sonntag“ sprach, will, dass nun die entsprechenden Konsequenzen und Lehren aus dem Abbruch gezogen werden.

Auf alle Fälle ist laut Pangl „Eile geboten“, da bereits am Mittwochabend die letzte Meisterschaftsrunde auf dem Programm steht und deshalb die Wertung des Spiels möglichst schnell festgelegt werden sollte.

Es ist davon auszugehen, dass die drei Punkte an die Austria gehen werden. Damit würde Sturm Graz vor der 36. und letzten Runde am Mittwoch weiter zwei Punkte Vorsprung auf die Austria aufweisen, Salzburg hat bei drei Punkten Rückstand nur noch eine rein mathematische Chance. Sturm empfängt Wacker Innsbruck, die Austria hat gegen Salzburg Heimrecht.

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