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Zum zweiten Mal Geisterspiel

Zum zweiten Mal in der Geschichte der Bundesliga hat der Strafsenat einen Verein zu einem Meisterschaftsspiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit verurteilt. Der Strafsenat verdonnerte am Mittwoch Rapid Wien wegen des Platzsturms der Fans am 22. Mai im Hanappi-Stadion beim Derby gegen die Austria und anschließendem Abbruch zu zwei Spielen vor leeren Rängen und einer Geldstrafe von 50.000 Euro.

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Bisher war lediglich die Austria einmal zu ein Spiel ohne Fans verurteilt worden, nachdem am 4. Mai 2005 deren Anhänger im Heimspiel gegen den GAK in der 79. Minute auf das Spielfeld gestürmt waren und einen Spielabbruch verursacht hatten. Das Spiel gegen Pasching eine Woche später fand ohne Fans statt. Im Jahr 1973 wurde über Austria/WAC eine sechsmonatige Stadionsperre verhängt.

Die höchsten Geldstrafen und Stadionsperren

(ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

23. Oktober 1973: Nach dem Derby-Abbruch Austria/WAC - Rapid im Wiener Stadion (29. September) setzt die Nationalliga-Kommission die Neuaustragung auf neutralem Platz (1.12. Südstadt 3:1) an und verhängt über Austria/WAC eine sechsmonatige Stadionsperre. Im Urteil hatte es damals geheißen, dass der Referee nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft habe, um das Spiel zu Ende zu führen. Rapid-Keeper Adi Antrich war beim Stand von 1:0 für Rapid nach Foul von Julio Morales verletzt ausgeschieden und durch einen Feldspieler ersetzt worden. Im Finish hatten Zuschauer den Rasen gestürmt und das vorzeitige Ende (81. Minute) provoziert.

29. Juli 1991: Rapid muss wegen Versagens des Ordnerdienstes gegen Vorwärts Steyr (2:0) das nächste Heimspiel nach dem Wiener Derby am 9. August gegen VSE St. Pölten mindestens 50 km von Wien entfernt austragen (in Krems 4:1). Steyr-Keeper Manfred Trost war in der 38. Minute von einem Gegenstand am Kopf getroffen worden und hatte während einer Unterbrechung in der Kabine verarztet werden müssen, spielte aber weiter.

9. August 2001: Das Benehmen seiner Anhänger im Heimspiel gegen den GAK (0:4) kostet den SK Rapid 250.000 Schilling (umgerechnet über 18.100 Euro). Statt trotz des Rückstandes die Rapid-Viertelstunde einzuklatschen, hatten rund 50 Fanatiker in der 76. Minute das Grün gestürmt und auf friedliche Weise gegen die traurige Darbietung der Hausherren protestiert.

17. Oktober 2001: Mit 400.000 Schilling (umgerechnet knapp 30.000 Euro) muss Rapid die Vorfälle während des Heimspiels gegen SV Salzburg (1:0) büßen. Die Hütteldorfer hatten keine ausreichenden Sicherheitsvorkehrungen getroffen und eine Verbandsanordnung nicht befolgt. Aus dem Rapid-Sektor war ein Messer in den Salzburger Torraum geworfen worden, ohne Schaden anzurichten.

16. Oktober 2003: Rapid werden wegen mangelnder Sicherheit im Heimspiel gegen SV Salzburg (1:0) vom Strafsenat 20.000 Euro in Rechnung gestellt. Während der Partie waren Gegenstände auf den Rasen geworfen und Feuerwerkskörper abgefeuert worden. Nach dem Schlusspfiff waren Anhänger auf das Feld gestürmt.

9. Mai 2005: Austria Wien wird nach dem Spielabbruch gegen den GAK am 4. Mai mit einer Geldstrafe von 50.000 Euro belegt, die Partie mit dem Resultat zum Zeitpunkt des Abbruchs mit 3:0 für die Grazer gewertet. Außerdem fassen die Violetten eine Stadionsperre für ein Spiel (11. Mai gegen SV Pasching) aus. Anhänger der Wiener waren in der 79. Minute auf das Spielfeld gestürmt.

31. Oktober 2005: Der Strafsenat verhängt nach dem von Krawallen überschatteten 275. Wiener Derby Austria - Rapid (0:2) Geldstrafen für beide Teams. Gastgeber Austria muss aufgrund mangelnder Sicherheitsvorkehrungen 20.000 Euro bezahlen, Rapid für Störung des Spiels als Gast die Höchststrafe von 10.000 berappen.

12. März 2007: Nach Ausschreitungen beim 280. Wiener Derby (2:1 für die Austria) muss Austria wegen mangelnder Sicherheitsvorkehrungen 50.000, Rapid als Gast für Störung der Partie 10.000 Euro Strafe zahlen. Erneut war im Horr-Stadion die Lage eskaliert, Rapid-Torhüter Helge Payer mit Gegenständen beworfen worden. Der Rapid-Anhang hatte sich heftige Auseinandersetzungen mit der Exekutive geliefert.

2. April 2007: Der finanziell ohnehin angeschlagene GAK wird nach dem Grazer Derby gegen Sturm (0:2) wegen Ausschreitungen und Versagens des Ordnerdienstes mit 20.000 Euro Geldstrafe belegt. „Neben diverser kleinerer Vorstrafen kam erschwerend dazu, dass der Schiedsrichter zweimal einen Abbruch in Erwägung hatte ziehen müssen“, hieß es im Urteil.

10. September 2007: Wacker Innsbruck wird wegen mangelhafter Sicherheitsmaßnahmen im Spiel gegen Ried (0:1) mit einer Geldstrafe von 15.000 Euro belegt. Tiroler Fans waren wegen strittiger Schiedsrichter-Entscheidungen aufs Feld gestürmt, das Spiel hatte für knapp sieben Minuten unterbrochen werden müssen.

8. September 2008: Der Strafsenat verhängt nach dem Derby Rapid - Austria (3:0) über beide Vereine Geldstrafen. Gastverein Austria wurde wegen Störung des Spiels mit der Höchststrafe von 10.000 Euro zur Kassa gebeten, Rapid wegen unzureichender Sicherheitsvorkehrungen zu 7.000 Euro verurteilt. Rapid-Torhüter Georg Koch war nach einem Böllerwurf aus dem Gäste-Sektor am Ohr verletzt worden.

11. April 2011: Der Liga-Senat 1 bestraft Sturm Graz nach Vorfällen beim Heimspiel gegen SK Rapid (3:3) wegen Verletzung der Veranstaltungsbestimmungen mit 20.000 Euro. Während der Partie hatte ein Fan der Hausherren den Schiedsrichter-Assistenten mit einem Plastikbecher am Hinterkopf getroffen.

23. Mai 2011: Der Wiener Schlager Rapid - Austria wird mit 3:0 für die Violetten strafverifiziert, am 1. Juni Rapid wird zu einer Platzsperre von zwei Spielen und einer Geldstrafe von 50.000 Euro verdonnert. Am 22. Mai war das Derby beim Stand von 2:0 für die Gäste in der 26. Minute abgebrochen worden. Der frühe und klare Rückstand war den grünweißen Fans zu viel geworden, rund 200 von ihnen hatten ihren Unmut mit einem Platzsturm freien Lauf gelassen.

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