Den „großen Bruder“ ärgern
Die Ausgangslage vor dem Hit gegen Deutschland am Freitag (20.30 Uhr, live in ORF eins und im Livestream) in Wien könnte kaum eindeutiger sein. „Deutschland ist der große Favorit, wir sind krasser Außenseiter“, betonte ÖFB-Coach Dietmar Constantini. Dass im Fußball aber nicht immer der Favorit gewinnt, ist bekannt. Der Tiroler verfolgt daher ein klares Ziel: „Wir wollen die Deutschen ärgern.“
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Constantini ist sich bewusst, dass für einen Punktegewinn oder eine ÖFB-Sensation eine Ausnahmeleistung nötig sein wird. „Wir brauchen hier nicht groß über Kräfteverhältnisse reden. Deutschland ist eine absolute Weltklassemannschaft, und wir sind Österreich“, sagte der 56-Jährige, ohne die Miene zu verziehen.
Chance zur Rehabilitierung
Der ÖFB-Teamchef setzt gegen den dreifachen Weltmeister trotz der jüngsten Niederlagen gegen Belgien und die Türkei vor allem auf seine Motivationskünste: „Wir brauchen keine Minderwertigkeitskomplexe haben, weil im Fußball alles möglich ist. Mit so einem Spiel kann man die Herzen der Fans zurückgewinnen. Wir dürfen null Respekt haben und brauchen einen Schuss Wahnsinn dazu.“

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Constantini versucht vor dem Schlager locker zu bleiben.
Constantini hofft gegen den Erzrivalen zudem auf den Faktor ‚Heimvorteil‘: „Auch wenn die Deutschen in einer anderen Liga als wir spielen, können wir mit 50.000 Fans im Rücken eine Überraschung liefern.“ Der ÖFB-Teamchef will trotz der Außenseiterrolle nicht nur auf Abwarten spielen: „Wenn wir selbst nichts probieren, können wir uns gleich hinten reinstellen und uns ein schlechtes Ergebnis abholen.“
Gute Karten für Harnik
Mehr Mut zum Risiko wird Constantini wohl auch bei der Aufstellung beweisen und nicht mit einer Solospitze, sondern zwei Stürmern spielen. Vieles deutet trotz ÖFB-Geheimtrainings auf eine Nominierung von Stuttgart-Legionär Martin Harnik im Angriff hin. „Ich neige dazu, schnelle Spieler zu bringen. Martin ist ein schneller Spieler, der den Gegner überraschen kann“, ließ sich Constantini etwas in die Karten blicken.
Die Schnelligkeit würde auch für Kaiserslautern-Angreifer Erwin „Jimmy“ Hoffer sprechen. Gut möglich also, dass der groß gewachsene ÖFB-Teamkapitän Marc Janko zu Beginn nur auf der Ersatzbank sitzen wird. Es wäre nicht das erste Mal in der Teamchef-Ära von Constantini.
Viel Arbeit für Pogatetz und Co.
Bei all dem angekündigten ÖFB-Offensivdrang darf natürlich gegen Özil, Gomez und Co. die Defensive nicht vernachlässigt werden. Vor Macho-Ersatz Christian Gratzei bilden die arrivierten Legionäre Emanuel Pogatetz und Paul Scharner erstmals das Innenverteidigerduo. „Das wird ein schwieriger Abend für die gesamte Abwehr. Die Deutschen haben etliche Klassespieler in ihren Reihen. Wir müssen sie im Verbund in den Griff bekommen“, mahnte Hannover-Abwehrspieler Pogatetz.
Teamchef Constantini, der entweder den Rapidler Stefan Kulovits oder den Austrianer Julian Baumgartlinger auf Real-Star Mesut Özil ansetzen wird, erwartet beim WM-Dritten ein 4-2-3-1-System mit Bayern-Torjäger Mario Gomez statt dessen verletzten Mannschaftskollegen Miroslav Klose als Solospitze. „Ob jetzt Gomez oder Klose einläuft, ist aber sekundär. Beide sind Weltklasse“, stellte Constantini klar.

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Florian Klein (l.) übt im Training gegen Stürmer Roman Kienast den Ernstfall.
Gute Erinnerungen an DFB-Elf
Trotz der tristen Bilanz der österreichischen Nationalmannschaft, die seit dem 4:1 am 29. Oktober 1986 auf einen Sieg gegen Deutschland wartet und noch immer den „Geist von Cordoba 1978“ beschwört, verbindet Constantini eines seiner schönsten Erlebnisse im Trainergeschäft mit der DFB-Auswahl. „Ich habe 1992 beim Ländermatch in Nürnberg ein 0:0 geholt. Es wäre schön, so einen Prestigeerfolg wiederholen zu können.“
Damals war Constantini als interimistischer Nachfolger des verstorbenen Ernst Happel für ein Spiel auf der Trainerbank gesessen. Der 56-Jährige, dessen Trainerstuhl bei einer Niederlage ordentlich wackeln könnte, stellt seine Person vor dem „ÖFB-Match des Jahres“ in den Hintergrund. „Es ist nicht das Wichtigste, dass ich Teamchef bin, sondern dass die Mannschaft reüssiert.“
Rainer Titsch, ORF.at
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