„Letzte Chance für Österreich“
Der dreifache Weltmeister Deutschland hat im EM-Qualifikationsschlager gegen Österreich am Freitag (20.30 Uhr, live in ORF eins und im Livestream) im ausverkauften Ernst-Happel-Stadion drei Punkte eingeplant. DFB-Bundestrainer Joachim Löw erwartet trotz der klaren Favoritenrolle und der jüngsten ÖFB-Pleiten gegen Belgien und die Türkei einen Kampf auf Biegen und Brechen.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
„Deutschland ist immer Favorit gegen Österreich, aber wenn wir keine Topleistung zeigen, wird es schwer, hier zu gewinnen“, stellte Löw bei der DFB-Pressekonferenz vor überragendem Medieninteresse klar. Der 51-Jährige, der mit seiner Mannschaft nach fünf Partien das Punktemaximum geholt hat, warnte besonders vor der Ausgangslage des Prestigeduells: „Wir müssen uns auf ein heißes Spiel einstellen. Österreich ist nach den letzten Niederlagen wie ein angeschlagener Boxer. Für sie ist es ein Spiel der letzten Chance.“
Löw-Lob für ÖFB-Legionäre
Der DFB-Teamchef nimmt die bitteren ÖFB-Schlappen gegen Belgien und die Türkei nicht als Maßstab für das internationale Level der Österreicher. „In der Türkei kann man verlieren, aber die Heimniederlage gegen Belgien liegt den Österreichern sicher im Magen. Dennoch ist das österreichische Nationalteam so gut wie schon lange nicht mehr.“
Hauptgrund für seine Ansicht ist die Vielzahl an Legionären, die vorwiegend in Deutschland unter Vertrag stehen. „Spieler wie Fuchs, Pogatetz oder Harnik haben tragende Rollen in ihren Vereinen. Man könnte derzeit problemlos eine österreichische Startelf aus guten Legionären aufbieten“, streute Löw der zuletzt in der EM-Qualifikation arg gebeutelten Constantini-Elf Rosen.

GEPA/Witters
In Deutschland spielten sich Fuchs und Co. auch in das Blickfeld von Löw.
Kampf um jeden Zentimeter
Der DFB-Trainer ist sich sicher, dass Österreich viel besser als beim letzten Heimspiel gegen Belgien agieren wird. „Die Österreicher fühlen sich in der Außenseiterrolle wohler, weil sie dann nicht permanent das Spiel gestalten müssen. Sie werden gegen uns versuchen, über den Kampf ins Spiel zu finden, und für den Sieg alles in die Waagschale werfen“, betonte Löw, der mit „keinem Fußball-Leckerbissen“ rechnet.

GEPA/Witters
Beim letzten Gastspiel in Wien lernte Löw auch die Tribüne kennen.
Der Badener wies zudem auf die besondere Atmosphäre in Wien hin. „Das Wiener Publikum wird die Österreicher entschlossen nach vorne peitschen. Das habe ich bereits bei der EM 2008 auf der Tribüne gesehen“, erinnerte der 51-Jährige an den mühsamen 1:0-Erfolg im Gruppenspiel gegen Österreich. Damals waren Löw und ÖFB-Teamchef Josef Hickersberger in der 40. Minute vom spanischen Schiedsrichter Manuel Enrique Mejuto Gonzalez auf die Tribüne verwiesen worden.
Neuer und Gomez im Blickpunkt
Wenn man einen Blick auf die Wettquoten wirft, steht auch drei Jahre nach der EURO 2008 ein voller Erfolg der deutschen Nationalelf außer Frage. Zwei Sieggaranten könnten der laut Löw „in Topform agierende“ Bayern-Torjäger Mario Gomez und Tormann Mario Neuer sein. Für den DFB-Coach war Neuers 50-Millionen-Euro-Transfer von Schalke zu den Bayern keine Überraschung: „Manuel hat eine überragende Saison gespielt. Sein Wechsel war ein logischer Schritt für seine Weiterentwicklung.“
Neuer, der 2008 die EURO noch als Kroatien-Urlauber im TV verfolgte, stuft drei ÖFB-Teamspieler als „besonders gefährlich“ ein. „Bei Fuchs und Janko muss ich bei Standardsituationen aufpassen. Und bei Harnik hoffe ich, dass er mir nicht noch einen reinmacht“, sprach der 25-Jährige den Treffer des Stuttgart-Legionärs beim 2:2-Remis im Oktober 2010 auf Schalke an.
Rainer Titsch, ORF.at
Links: