Mit Deutschland-Legionären zum Erfolg
Sogar die Großeltern der aktuellen Teamspieler hätten es schwer, sich an den letzten österreichischen Sieg auf deutschem Boden zu erinnern. 1931 fegte die ÖFB-Auswahl Deutschland mit 6:0 vom Platz. 80 Jahre danach haben Christian Fuchs und Kollegen am Freitag im EM-Qualispiel in Gelsenkirchen (20.45 Uhr, live in ORF eins und im Livestream) die Chance, Geschichte zu schreiben.
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1931 gewann Österreich in Berlin, nun gilt es vor über 53.000 Fans auf dem Rasen in der Veltins Arena von Schalke 04 zu bestehen. Gut möglich, dass Teamchef Dietmar Constantini dabei alle acht im Kader befindlichen Deutschland-Legionäre inklusive des Neo-Hannoveraners Daniel Royer in der Startformation bringt. „Es sind nicht nur die Legionäre motiviert, denn gegen Deutschland zu spielen ist immer eine große Sache. Die Gegenspieler aus der Bundesliga zu kennen ist aber sicher kein Nachteil“, sagte Fuchs.
„Hinten stehen bringt nichts“
Constantini plant bei der letzten Chance, das Ruder für eine erfolgreiche EM-Qualifikation doch noch herumzureißen, die Flucht nach vorne. „Wir sind krasser Außenseiter, werden uns aber nicht nur hinten reinstellen“, sagte der Tiroler. Diesen Fehler habe Brasilien bei der 2:3-Niederlage im Freundschaftsspiel gegen die DFB-Auswahl gemacht. „Brasilien hat abgewartet. Doch wenn man Deutschland spielen lässt, machen sie keine Fehler. Wir werden weiter vorne agieren und den Ball jagen, denn hinten stehen bringt nichts“, so Constantini.

APA/Georg Hochmuth
Alaba und Co. sollen sich in der Veltins-Arena nach vorne orientieren
Auch Fuchs sieht das österreichische Team nicht als Punktelieferanten, sondern vielleicht als möglichen Stolperstein für die Deutschen auf dem Weg zu einer perfekten Qualifikation mit zehn Siegen. „Ich erwarte mir, dass wir mit einem Haufen Mut und Engagement in die Partie gehen. Wir wollen die drei Punkte nicht einfach so liegenlassen, sondern ein gutes Spiel liefern und uns nach vorn etwas trauen. Einfach so vorbeikommen und nichts holen, das spielt’s nicht“, sagte der Schalke-Legionär vor seinem Gastauftritt im eigenen Stadion.
„Die Hoffnung stirbt zuletzt“
Dass Österreich gegen Deutschland wie üblich in der Rolle des Underdogs ist, darüber ist sich auch Constantini im Klaren. Dieser Tatsache kann der 56-Jährige aber durchaus einen positiven Aspekt abgewinnen. „Die meisten sagen, dass wir auswärts gegen Deutschland absolut keine Chance haben. Aber genau das ist vielleicht unsere Chance, denn die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagte Constantini vor der Partie.
Insgeheim liebäugelt der Teamchef sogar mit einer Sensation, die seinem angeschlagenen Image nur förderlich sein kann. „Es wäre schon ein Wahnsinn, wenn uns etwas gelingt, was uns keiner zutraut. Ein Punkt wäre ein sehr gutes Ergebnis“, so Constantini. Das letzte Remis auf deutschem Boden liegt übrigens erst 19 Jahre zurück. 1992 gab es ein 0:0 in Nürnburg. Auf der ÖFB-Trainerbank saß dabei nach dem Tod von Ernst Happel ausgerechnet Constantini in seiner drei Tage dauernden Interimstätigkeit. Seine Assistenten Manfred Zsak und Franz Wohlfahrt standen gegen Kaliber wie Stefan Effenberg, Thomas Häßler und Jürgen Klinsmann auf dem Spielfeld.
EM-Qualifikation, Gruppe A
Freitag, 20.45 Uhr
Live in ORF eins und im Livestream
Deutschland - Österreich
Gelsenkirchen, SR Tagliavento (ITA)
Mögliche Aufstellungen:
Deutschland: Neuer - Höwedes, Mertesacker, Hummels, Lahm - Schweinsteiger, Kroos - Müller, Özil, Podolski - Klose
Österreich: Gratzei - Klein, Schiemer, Pogatetz, Fuchs - Baumgartlinger, Alaba - Harnik, Arnautovic, Royer - Hoffer
Kampf gegen 4-1-4-1-System
Die DFB-Stars der Gegenwart heißen Mesut Özil, Thomas Müller, Sebastian Schweinsteiger und Mario Götze. Teamchef Joachim Löw versteht es sehr gut, die Qualitäten seiner jungen Stars in ein entsprechendes Konzept zu pressen, das wohl wie gegen Brasilien ein 4-1-4-1-System sein wird. „Wenn wir mit zwei defensiven Spielern und einer hängenden Spitze dagegenhalten, sollte es eigentlich von der Raumaufteilung ausgeglichen sein. Die Frage ist nur, ob wir dann ein Duo wie Götze/Özil trotzdem stoppen können“, sagte Constantini.
Allerdings wird Löw wohl nicht auf das Können von Götze, sondern auf die Qualitäten von Toni Kroos setzen. Der 21-jährige Bayern-Spieler ist für den DFB-Coach der ideale Verbindungsmann zwischen Offensive und Defensive. „Wenn ich sehe, wie er die letzten Spiele gemacht hat, das freut mich ganz besonders, denn von ihm bin ich auch überzeugt“, sprach Löw Kroos großes Vertrauen aus.
Spekulationen lassen Constantini kalt
Mit dem Vertrauen in die Qualitäten von Constantini als Teamchef ist es indes nicht ganz so gut bestellt. Dass der Trainerstuhl nach sechs Niederlagen in sieben Spielen gehörig wackelt, bringt die Natur des Jobs mit sich. Ein Umstand, der den Tiroler aber nicht weiter belastet. „Für einen Trainer ist jedes Spiel ein Entscheidungsspiel. Natürlich haben wir zuletzt viel verloren, aber die Entscheidung über meine Zukunft ist Sache des ÖFB“, so Constantini.
„Mir ist wichtig, dass die Burschen einen guten Fußball spielen und wir nach dem Spiel sagen können, dass das eine gute Vorstellung war“, sagte Constantini, für den die erst achte Niederlage von Deutschland in der seit 1967 ausgetragenen EM-Qualifikation wohl die beste Werbung in eigener Sache wäre.
Christian Wagner, ORF.at aus Gelsenkirchen
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