„Keine Interimslösung nötig“
Dietmar Constantini ist am Mittwoch als Teamchef der Nationalmannschaft weder zurückgetreten noch entlassen worden. Seine Ablöse nach den restlichen EM-Qualipartien in Aserbaidschan und Kasachstan wurde nach einer Sitzung des ÖFB-Direktoriums dennoch als beschlossene Sache präsentiert. Die Suche nach einem neuen Cheftrainer erklärte Verbandsboss Leo Windtner gleichzeitig für eröffnet.
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„Die Qualifikation wird mit Constantini fertig gespielt“, sagte Windtner, nachdem er gemeinsam mit dem Tiroler unter dem Blitzlichtgewitter unzähliger Fotografen das Podium der ÖFB-Pressekonferenz im Wiener Hilton-Hotel am Stadtpark betreten hatte. Da man mit dem 0:0 gegen die Türkei am Vorabend aber die letzte theoretische Chance auf eine EM-Teilnahme 2012 verspielt hatte, werde der bis Jahresende laufende Vertrag mit Constantini nicht verlängert. „Dafür gab es keine Mehrheit, ab jetzt begeben wir uns auf die Suche nach einem Nachfolger.“
„Kein Bruch festzustellen“
Auch in Aserbaidschan (7. Oktober) und Kasachstan (11. Oktober) wird der seit Frühjahr 2009 amtierende Constantini die ÖFB-Auswahl betreuen. Bis spätestens November will Windtner gemeinsam mit einer Expertenkommission den neuen Teamchef gefunden haben. Dieser soll die Österreicher dann schon am 15. November beim Testspiel in der Ukraine coachen, vor allem aber auch bei der Terminkonferenz für die WM-Qualifikation am 18. November vertreten. Für eine sofortige Trennung von Constantini und eine Interimslösung mit Andreas Herzog und Willi Ruttensteiner hatte die ÖFB-Spitze keinen Anlass gesehen.

dapd/Hans Punz
Noch-Teamchef Dietmar Constantini trat seinen Abschied auf Raten an
„Es ist kein Bruch zwischen dem Teamchef und der Mannschaft festzustellen“, sagte Windtner, nachdem er mehrere Stunden mit dem Direktorium diskutiert und deshalb auch die ursprünglich für 10.30 Uhr angesetzte Pressekonferenz auf 12.00 Uhr verschoben hatte. „Das Verhältnis Constantinis zu den Spielern ist intakt, von Einzelfällen abgesehen“, ergänzte der ÖFB-Chef, der dem Teamchef mit Ablaufdatum für seine Bereitschaft, noch weiterzumachen, ausdrücklich dankte. „Das hilft uns bei der Suche des Nachfolgers“, gab Windtner zu.
Constantini hatte es „irgendwie erwartet“
Viel überlegt dürfte man sich im ÖFB bezüglich der Zeit nach Constantini nämlich noch nicht haben. Man sei für jede Lösung offen, ob nun aus Österreich oder aus dem Ausland. „Er muss besser Deutsch sprechen als Karel Brückner“, ließ sich Windtner zumindest eine Eingrenzung entlocken. Zunächst müsse auch noch das im Verband bestehende Anforderungsprofil an einen neuen Teamchef überarbeitet werden. Mit Millionen für große Namen wolle man nicht um sich werfen. „Aber die Qualität des neuen Trainers steht natürlich im Vordergrund“, so Windtner. „Wir brauchen positive Ergebnisse und Erfolge.“
Constantini, der diese Erfolge mit nur einem Sieg aus den letzten neun Spielen klar verfehlt hatte, nahm seinen baldigen Abschied äußerlich gelassen. „Es waren zu viele Niederlagen, und wir haben die EM-Qualifikation nicht geschafft. Das ist ein Grund für einen Trainerwechsel, und das akzeptiere ich“, sagte der 56-Jährige. „Irgendwie habe ich es natürlich erwartet. Die Enttäuschung hält sich noch in Grenzen.“ Bis auf einige Phasen habe er die Zeit als Teamchef genossen, „auch wenn sich das jetzt vielleicht pervers anhört.“ Das Verhältnis zu den Spielern sei nach wie vor gut, „und das ist für mich das Wichtigste“.
Spekulationen können beginnen
Bei seiner Entscheidung, nicht von sich aus zurückzutreten, ist es Constantini laut eigenen Angaben nicht nur um das Finanzielle gegangen. „Ich habe in meiner Laufbahn noch jeden Vertrag eingehalten“, betonte der Tiroler. „Und daher entspreche ich der Bitte des Präsidenten, diese zwei Spiele noch zu machen.“ Sollte der ÖFB vielleicht sogar schon bis Oktober einen neuen Teamchef gefunden haben, würde dieser keinesfalls gemeinsam mit Constantini nach Aserbaidschan fliegen, sondern wahrscheinlich sofort übernehmen. Das betonten sowohl Windtner als auch der Noch-Teamchef.
ÖFB-Sportdirektor Ruttensteiner wird es laut Windtner jedenfalls sicher nicht, auch Herzog scheint in den noch sehr vagen Teamchef-Plänen Windtners keine große Rolle zu spielen. „Er hat mit der U21 eine wichtige Aufgabe, die er gut erfüllt“, so der ÖFB-Boss. Wilden Spekulationen ist in den nächsten Wochen also Tür und Tor geöffnet, Namen wie Franco Foda, Christoph Daum, Otto Rehhagel und Kurt Jara werden kursieren. Einen gewaltigen Autoritätsverlust Constantinis in der Mannschaft vor den letzten Qualipartien befürchtet Windtner trotzdem nicht. „Weil er sie noch immer erreicht.“
Harald Hofstetter, ORF.at
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