Zeit, die man nicht hat
ÖFB-Boss Leo Windtner hat auch bei der Ankündigung der Ablöse von Teamchef Dietmar Constantini das Kunststück fertiggebracht, positive Aspekte rund um die österreichische Nationalmannschaft herauszustreichen. „Wir hatten 189.000 Zuschauer in fünf EM-Qualifikationsheimspielen“, betonte der Oberösterreicher, ehe er am Mittwoch die vertragliche Trennung von Constantini mit Jahresende bekanntgab.
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In der sportlichen Realität könnte dieser Schnitt zwar schon früher vollzogen werden als nach den abschließenden Qualipartien in Aserbaidschan (7. Oktober) und Kasachstan (11. Oktober). Wann genau, wollte und konnte Windtner aber nicht sagen. Mit der Suche nach einem Nachfolger für den seit Monaten angezählten Constantini hat sich der ÖFB-Präsident laut eigenen Aussagen bisher nämlich noch nicht beschäftigt. Als Deadline setzte sich das Verbandsdirektorium zumindest den 15. November. An diesem Tag soll der „Neue“ mit dem Team aber schon das Testspiel in der Ukraine absolvieren.

APA/Herbert Neubauer
Die Tage von Constantini als Teamchef sind gezählt, aber wer wird Nachfolger?
Sondierungsphase beginnt erst jetzt
„Realistischerweise“, wie es Windtner ausdrückte, wird der künftige Cheftrainer, der die Qualifikation für die WM 2014 in Brasilien schaffen soll, also schon Anfang November feststehen. Das muss er auch, um eine professionelle Vorbereitung auf das Ukraine-Spiel und vor allem auf die am 18. November stattfindende Terminkonferenz für die WM-Qualigruppe mit u. a. Deutschland, Schweden und Irland zu gewährleisten. Das ÖFB-Direktorium bilden derzeit Windtner, Hans Rinner (Bundesliga-Präsident) sowie die Landeschefs Johann Gartner (NÖ), Sepp Geisler (Tirol) und Willi Prechtl (OÖ).
Austria-Finanzvorstand Markus Kraetschmer, der diesmal nicht dabei war, zählt ebenso dazu. Die Liga hat damit zwei von sechs Stimmen. „Bei der Entscheidung wird es Aufgabe des Präsidenten sein, den Vorschlag aus der Sondierung mit einer Mehrheit auszustatten“, beschrieb Windtner am Mittwoch bei der Pressekonferenz auf blumige Art und Weise, dass er im Ernstfall das Sagen hat. Nichtsdestotrotz will er bei der Suche nach „Mr. X“, der sich als erster Teamchef seit Herbert Prohaska (WM 1998) für eine Endrunde qualifizieren soll, noch auf weitere Experten hören.
Herzog ist im „Pool“
In einer gemeinsamen Sportkommission von ÖFB und Bundesliga sitzen etwa Thomas Parits (Austria-Sportvorstand), Stefan Reiter (Ried-Manager), Carsten Jancker (Rapid-Nachwuchsbereichs-Manager) und Heinz Hochhauser (Salzburg-Sportdirektor). „Wir werden besonnen agieren“, erteilte Windtner allen, die auf eine rasche Lösung drängen, eine Abfuhr. „Wir werden uns nicht mit einer zeitlichen Messlatte selbst bei der Suche behindern.“ Zunächst müsse das bestehende Anforderungsprofil für einen neuen Teamchef auf neue Beine gestellt werden.
Außer dass er besser Deutsch sprechen soll als der tschechische Ex-Teamchef und Constantini-Vorgänger Karel Brückner, war Windtner diesbezüglich aber nicht viel zu entlocken. Eine Interimslösung mit dem aktuellen U21-Teamchef Andreas Herzog, den Windtner im Gegensatz zu ÖFB-Sportdirektor Willi Ruttensteiner zumindest zu einem „Pool“ von möglichen Kandidaten zählt, wäre für den 61-Jährigen jedenfalls eine „Loch-auf-Loch-zu-Sache“ gewesen. Eine österreichische Lösung wäre aber ebenso möglich wie eine ausländische.
Unangenehme Abschiedstournee
Alles in allem spielt Windtner auf Zeit, die er nicht hat. Constantini soll die einwöchige Reise nach Aserbaidschan und Kasachstan - für die Spieler sportlich reizlos, dafür umso beschwerlicher - als eine Art Abschiedstournee bestreiten. Dass einigen Spielern die Motivation fehlen könnte, mit einem baldigen Ex-Teamchef zu unangenehmen Auswärtsspielen zu reisen, in denen es nur noch um die Verteidigung des vierten Platzes in Gruppe A geht, erscheint nicht allzu weit hergeholt.
„Ich gehe davon aus, dass alle Profis sind und gerne dabei sind“, sagte Constantini dazu. Dessen Entlassung unmittelbar nach dem Türkei-Spiel kam für Windtner laut eigenen Angaben übrigens nie infrage. „Ich kann nicht monatelang Vertragstreue predigen, um dann mit einem Schnellschuss alles zu entfernen“, verteidigte er seine Linie. Ob es nun Sturm-Meistermacher Franco Foda, eine verbandsinterne, österreichische oder internationale Lösung wird - noch einen Fehlschuss in der Teamcheffrage kann sich Windtner wohl auch nicht mehr leisten.
Die Uhr tickt
Vielleicht wird der öffentliche Druck in den nächsten Wochen ohnehin so groß, dass der neue Teamchef doch schon bei den Oktober-Spielen im Amt ist. Denn nach derzeitigem Stand der Dinge hätte er lediglich die Länderspiele am 15. November in der Ukraine, am 29. Februar daheim gegen Finnland und die Termine am 1. Juni, 5. Juni und Mitte August zur Vorbereitung auf die WM-Quali (ab September 2012) zur Verfügung.
Harald Hofstetter, ORF.at
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