Themenüberblick

Zu wenig Wertschätzung

Bei Meister Sturm Graz herrscht trotz einer erfolgreichen 18. Runde kein Weihnachtsfriede. Mit dem 5:1-Kantersieg über die Wiener Austria am Samstag hielt der Titelverteidiger zwar den Kontakt zur Spitze, der am Sonntag verkündete Abschied von Trainer Franco Foda im Sommer überschattete jedoch die Grazer Gala. Interne Meinungsverschiedenheiten führten zum Bruch zwischen Meistercoach und Vorstand.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Nach einem verhaltenen Start in die Meisterschaft traten die Kritiker immer mehr in den Vordergrund. „Mir ging die interne Nörgelei auf den Wecker. Wir hatten viele Verletzungssorgen und trotzdem war immer der eine oder der andere unzufrieden“, sagte Foda am Sonntag nach dem Training. Eine Erwartungshaltung, die der Deutsche nicht mehr bereit war zu akzeptieren. „Das sind Dinge, die man irgendwann nicht mehr nachvollziehen kann“, ärgerte sich der 45-Jährige.

Geringe Wertschätzung

Foda machte einen Tag nach dem Erfolg über die Austria auch seinem Ärger über zu wenig Wertschätzung vonseiten des Vorstandes Luft. „Wir waren in den vergangenen drei Jahren die erfolgreichste Mannschaft in Österreich, mit Cupsieg, Meistertitel und zweimaliger Qualifikation für die Europa League. Das sollte man honorieren“, so der Trainer, der im Sommer 1997 als Spieler nach Graz kam und nach dem Ende seiner aktiven Karriere seine Trainerlaufbahn bei Sturm begann.

Sturm-Trainer Franco Foda

GEPA/Hans Oberländer

Foda war zuletzt im Kampf gegen interne Kritiker auf sich alleine gestellt

Im Schatten des überraschenden Meistertitels im vergangenen Jahr, setzte laut Foda bei einigen Funktionären offenbar der Realitätssinn aus. „Einige haben mit dem Erfolg den Sinn für Realität verloren. Weil sie dachten, wir müssen immer Meister werden“, polterte der Trainer etwa in einem Interview mit der „Kleinen Zeitung“. Vor allem aufgrund der Veränderungen im Kader - so wurde Abwehrchef Gordon Schildenfeld knapp vor Saisonstart an Eintracht Frankfurt abgegeben - sah sich Foda aus seiner Sicht zu Unrecht kritisiert.

„Viele Kleinigkeiten“

Nach Gesprächen mit Präsident Gerald Stockenhuber und dem zuständigen Finanzvorstand Johann Jauk zog Foda seine bereits per Handschlag vollzogene Vertragsverlängerung zurück. „Es sind in den letzten Wochen und Monaten viele Kleinigkeiten gewesen, die letzten zwei Gespräche waren nur noch der ausschlaggebende Punkt“, sagte Foda. Vor allem das Vorgehen Stockenhubers stieß Foda sauer auf.

Der Clubboss war nach Bekanntwerden der Trennung nach der Saison mit Vertragsdetails an die Öffentlichkeit gegangen. Stockenhuber hatte eine zusätzliche Forderung des Deutschen nach einer sofortigen Ausstiegsklausel bei Bedarf als Grund für das Platzen der Vertragsverlängerung genannt. Eine Forderung, bei dem der Präsident der Geduldsfaden riss. „Entweder man geht zwei Jahre mit dem Verein oder man geht nicht zwei Jahre“, sagte Stockenhuber.

Foda verspricht vollen Einsatz

Der Sturmboss konnte auch den Hinweis Fodas auf clubinterne Nörgler nicht nachvollziehen. „Es war ein durchwachsener Start in die Meisterschaft und bei keinem meisterlichen Erfolg gibt es eben von links und rechts Kommentare. Aber das ist Fußball“, sagte Stockenhuber, „aber niemand wollte Franco Foda hinausekeln.“ Ob der Deutsche dennoch wie ausgemacht bis Ende Mai seinen Vertrag bei Sturm erfüllt, darf bezweifelt werden.

Obwohl Foda betont, weiter mit vollem Einsatz für die Grazer zu arbeiten: „Wer mich kennt, weiß, dass ich mit hundert Prozent weiterarbeiten werde“, so der Deutsche in der „Kleinen Zeitung“. Denn: „Der Club liegt mir am Herzen, ich habe alle Höhen und Tiefen mitgemacht.“ Sportlich befindet sich der Club derzeit in einem Wellenbad. In den letzten sechs Spielen wechselten sich Siege und Niederlagen ab. Am kommenden Samstag will Sturm bei Herbstmeister SV Ried den Aufwärtstrend bestätigen - und Foda einen möglichen vorzeitigen Abschied mit einem „Weihnachtsgeschenk“ versüßen.

Links: