Insolvenz als Rettungsanker
Europas Fußball bangt um eine seiner bekanntesten Adressen. Schottlands Rekordmeister und Titelverteidiger Glasgow Rangers kämpft ums finanzielle Überleben. Der 54-fache Meister musste am Montag Insolvenz anmelden. Vor allem eine Steuernachzahlung beim Finanzamt, die im schlimmsten Fall 49 Millionen Pfund (58,4 Mio. Euro) betragen könnte, macht dem Club aus Glasgow schwer zu schaffen.
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„Es gibt keine Alternative“, sagte Rangers-Boss Craig Whyte bei der Bekanntgabe des Insolvenzantrags. Der Investor hatte die Rangers im Vorjahr von Stahlunternehmer David Murray übernommen. Aufgrund der hohen Schulden zahlte Whyte nur ein Pfund als symbolischen Kaufpreis für den Verein, der neben seinem Stadtrivalen Celtic seit Jahrzehnten das Geschehen in der schottischen Liga bestimmt. Mit dem Insolvenzantrag will Whyte den Club wieder auf Vordermann bringen.

Reuters/David Moir
Clubboss Whyte überbrachte am Montag die schlechte Nachricht
Spielerverkäufe und Entlassungen
„Es ist sehr enttäuschend, dass sich der Club in dieser Lage befindet“, sagte Whyte, „aber für das langfristige Überleben ist es notwendig.“ Die Verantwortung für die Misere liege jedoch in Entscheidungen vor seiner Amtszeit. Der Club wäre laut BBC-Angaben der fünfte Verein seit Bestehen der schottischen Premier League 1998, der sich mit dieser Maßnahme zu retten versucht.
Der Masseverwalter, zu dem die Rangers die Firma Duff & Phelps gewählt haben, würde die besten Optionen zur Sanierung ausloten. Möglich sind Spielerverkäufe und Mitarbeiterentlassungen. Um Geld zu lukrieren, wurde zuletzt bereits der kroatische Torjäger Nikica Jelavic, früher bei Rapid, um 5,5 Mio. Pfund (6,56 Mio. Euro) an Everton verkauft. Auch Immobilien wie das Ibrox Stadium und das Trainingsgelände Murray Park stehen laut BBC auf dem Prüfstand.
Zehn Punkte abgezogen
Der Spielbetrieb ist nach Angaben des Clubs zwar nicht betroffen, der Insolvenzantrag hat dennoch sportliche Auswirkungen auf den Club. Nachdem auch die britische Steuerbehörde als Hauptgläubigerin die Insolvenz beantragte, wurden den Rangers laut Reglement zehn Punkte in der Meisterschaft abgezogen, was Celtic Glasgow den Titel quasi auf dem Silbertablett servierte. Davor lagen die Rangers in der Premier League vier Punkte hinter ihrem Erzrivalen. Dem Drittplatzierten Motherwell fehlen bereits 23 Punkte auf den Tabellenführer.
Zudem müssen die Rangers darum bangen, ob die UEFA sie im kommenden Jahr fürs europäische Geschäft zulässt. Ein Teufelskreis, denn darauf sind sie zum Schuldentilgen dringend angewiesen. In der einseitigen, kleinen schottischen Liga sind die Einnahmequellen begrenzt. Whyte sieht jedoch nicht das Ende des 1872 gegründeten protestantischen Vereins, der den Gegenpart zum katholischen Verein Celtic bildet. „Ich versichere den Fans, dass der Verein weitermachen wird und wir stärker und finanziell gesund auf jenem Niveau mitspielen werden, das sie sich erwarten.“
Rekorde und Fanatismus
Die Rangers gehören zu den populärsten Clubs in Großbritannien. Im Schnitt verfolgen 45.000 Zuschauer die Spiele im heimischen Ibrox Stadium. Die Geschichtsbücher des Vereins sind voll mit Rekorden. Als einziger Club der Welt konnte man bisher mehr als 50 Meistertitel verbuchen, 33-mal gewann man den schottischen Cup, 27-mal den Ligapokal. Von 1989 bis 1997 hießt der schottische Meister neunmal in Folge Rangers FC. Auf europäischer Ebene war der Club 1972 im UEFA-Cup erfolgreich.

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Das Ibrox Stadium in Glasgow gehört zu den bekanntesten Adressen in Europa
Seit 1888 nicht wegzudenken ist das „Old Firm“-Derby zwischen den Rangers und Celtic. Kein anderes Stadtduell fand so oft statt wie das Prestigeduell zwischen den beiden Clubs aus Glasgow. 397-mal standen einander die beiden Erzrivalen bisher gegenüber. Zum Vergleich: Nummer zwei der Liste ist das Wiener Derby zwischen Rapid und Austria, das am Sonntag seine 300. Auflage erlebt. Die Meisterschaft ist seit 1985 ein Duell der beiden Teams. Damals gewann mit Aberdeen zuletzt eine Mannschaft von außerhalb Glasgows den Titel.
Die große Rivalität zwischen Rangers und Celtic liegt nicht nur im Kampf um die sportliche Vorherrschaft in Glasgow begründet. Religion und Politik spielten immer eine große Rolle. Die Rangers sind das Symbol der schottischen Protestanten und der nordirischen Loyalisten. Der britische „Union Jack“ gehört zur Standardausstattung der Rangers-Fans. Der religiöse Fanatismus trieb bis in die 80er Jahre seltsame Blüten. So nahmen die Rangers aus Prinzip keine Katholiken unter Vertrag.
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