Entscheidung in den nächsten Tagen
Nach einer mehrstündigen Sitzung des Aufsichtsrates hat die Austria am Montagabend die erwartete Trennung von Trainer Ivica Vastic bekanntgegeben. Der auf fünf Monate begrenzte Vertrag mit dem Ex-Nationalspieler wird nach dem Verfehlen eines Europa-League-Qualiplatzes nicht verlängert. Austria- Wunschkandidat für den Trainerposten ist nun Franco Foda, der sich in den nächsten Tagen entscheiden wird.
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„Die Zusammenarbeit mit Ivica Vastic endet mit 31. 5. 2012“, eröffnete AG-Wirtschaftsvorstand Markus Kraetschmer die Pressekonferenz in der Generali Arena. „Wir hatten ein langes, persönliches Gespräch, in dem er auch selbst gesagt hat, dass er einem Neubeginn nicht im Wege stehen will. Ivo hat sich für die Chance, die er bei der Austria bekommen hat, bedankt. Er hat viel gelernt und letztlich auch selbst erkannt, dass eine weitere Zusammenarbeit keinen Sinn macht.“

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Ivica Vastic (links) muss gehen, Franco Foda könnte ihn beerben
Dass der Vertrag mit Vastic nicht verlängert wird, kam nach Platz vier in der abgelaufenen Saison, harscher Kritik an der zu defensiven Spielweise und der zunehmenden Unzufriedenheit der Fans wenig überraschend. Mit Foda ließ man nun aber auch den Namen des geplanten Nachfolgers aus dem Sack. Der Deutsche, dem laut Medienberichten ein Angebot vom heuer abgestiegenen 1. FC Kaiserslautern vorliegen soll, stach bei der Austria die ebenfalls kolportierten Kandidaten Walter Kogler und Peter Stöger vorerst aus.
„Er ist ganz klar unser Wunschtrainer“
Am vergangenen Wochenende traf sich Austria-Sportvorstand Thomas Parits mit dem ehemaligen Sturm-Meistermacher, der die Grazer im Frühjahr verlassen musste, zu einem zweistündigen Gespräch. Die Entscheidung, ob Foda das Angebot der Favoritner annehmen wird oder nicht, will er aber erst nach einigen Tagen Bedenkzeit treffen. „Er hat Angebote aus Deutschland“, berichtete Parits. „Die will er sich genau anhören. Das akzeptieren wir, und in den nächsten Tagen wird er uns Bescheid geben.“
„Er ist ganz klar unser Wunschtrainer“, betonte Parits. „Weitere Namen werden wir nicht nennen“, blockte Kraetschmer die Fragen nach möglichen Alternativen ab. „Franco Foda hat uns in diesem Gespräch überzeugt, und jetzt warten wir sein Feedback ab.“ Fixe Deadline wurde dem Deutschen keine gesetzt. „Wir haben keinen Druck“, sagte Parits. „Er hat am Sonntag mit einem Bundesliga-Club in Deutschland verhandelt. Wir werden sehen.“
Hohe Ziele in der kommenden Saison
Was Kraetschmer dagegen bereits als beschlossen verlautbaren konnte, ist die Tatsache, dass das Budget trotz Verpassens der Europa League nicht gekürzt wird. Vom Gesamtetat der Austria AG, der wie in der vergangenen Saison 18 Millionen Euro betragen wird, erhöht sich der Anteil für die Profimannschaft sogar um zehn Prozent. Platz eins oder zwei lautet das angesichts der jüngsten Darbietungen hochgesteckte Ziel der Austria im Spieljahr 2012/13.

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Markus Kraetschmer (links) und Thomas Parits stellten die Austria-Weichen neu
Dass Österreich im nächsten Sommer zwei Plätze in der Champions-League-Qualifikation hat, bezeichnete Kraetschmer als „historische Chance“, die man unbedingt nutzen will. Ein Hauptthema war aber natürlich auch das gescheiterte Experiment mit Vastic. „Mit dem Wissen vom damaligen Zeitpunkt würden wir wieder so handeln“, verteidigte Kraetschmer die am 20. Dezember getroffene Entscheidung, Karl Daxbacher durch Vastic zu ersetzen. Man habe in den letzten fünf Monaten aber viel dazugelernt.
Austria-Coach braucht Erfahrung
„Ivo wird auch als Trainer seinen Weg machen“, meinte Kraetschmer über den ehemaligen Mittelfeldspieler von Sturm Graz und der Austria, der zuvor die violetten Amateure trainiert hatte. „Aber bei einem Club wie der Austria braucht man viel Erfahrung.“ Das habe man auch mit Foda besprochen, eine Austria-Vergangenheit sei in diesem Fall also kein A-Kriterium. „Wir wollen einen Trainer mit Erfahrung, und deshalb ist Foda unser Kandidat“, ergänzte Parits. Sobald er sich entschieden hat, will man die weitere Kaderplanung vorantreiben.
Die im Frühjahr schwer enttäuschende Mannschaft habe man laut Parits nach den Verkäufen von Zlatko Junuzovic und Nacer Barazite keinesfalls überschätzt. „Wir hatten die nötige Qualität“, ist der Austria-Sportdirektor nach wie vor überzeugt. „Aber die Leistungen haben in entscheidenden Spielen nicht gepasst.“ Deshalb sei Vastic sicher nicht alleine am Verfehlen der Saisonziele schuld, sondern auch die Mannschaft, von der Florian Klein und Michael Liendl die vorgelegten Vertragsentwürfe nicht unterschrieben haben.
Austria-Showfaktor scheint garantiert
Kritik an Vastic ließ Kraetschmer bezüglich der mitunter unglücklichen Außendarstellung anklingen. Gewisse Aussagen des Trainers hätten mediale Kritik ausgelöst. Der Austria-Manager bezog sich dabei wohl auf verharmlosende Äußerungen von Vastic nach teilweise erschreckend schwachen Spielen im letzten Saisonviertel. „Es gibt eben einen Sprung zwischen der Karriere als Spieler und der als Trainer“, bemerkte Kraetschmer. „Fußball ist eine Showbranche - und da gehört gute PR-Arbeit genauso dazu wie Sportwissenschaft.“
Dass der Showfaktor bei der Wiener Austria in Zukunft zu kurz kommen könnte, ist auszuschließen. Sollte Foda wirklich der neue Mann auf der Trainerbank werden, dürfte am Verteilerkreis weiter für knisternde Unterhaltung gesorgt sein. Vereinsinterne Zurückhaltung und übermäßige Kompromissfähigkeit wurden Foda bei Sturm nicht gerade nachgesagt. „Ich bin fest überzeugt, dass eine Zusammenarbeit zwischen uns gut funktionieren würde“, legte sich Parits fest. Noch sei es aber nicht so weit, die nächsten Tage sollen Klarheit bringen.
Harald Hofstetter, ORF.at
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