„Wollten das Turnier gewinnen“
Nach dem Halbfinal-Schock gegen Italien wollten der deutsche Teamtrainer Joachim Löw und seine enttäuschten Spieler nur noch weg vom Ort des Schreckens. In der deutschen Kabine herrschte am Donnerstagabend nach dem 1:2 im EM-Halbfinale gegen Angstgegner Italien Stille, Niedergeschlagenheit und Ratlosigkeit.
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Die Enttäuschung saß dieses Mal viel tiefer als nach dem WM-Aus vor zwei Jahren in Südafrika, als gegen den späteren Champion Spanien ebenfalls das Finale verpasst worden war. „Die Erwartungen waren höher. Wir wollten nicht ins Finale, wir wollten das Turnier gewinnen. Das war das große Ziel. Es schmerzt“, sagte Verteidiger Holger Badstuber und gab damit die Stimmung im Team wieder.

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Ein bitterer Abend für Löw und sein Team
Auch Trainer Löw war nach dem plötzlichen Ende aller EM-Träume sofort in den Katakomben des Warschauer Nationalstadions verschwunden, während seine Spieler einander auf dem Rasen gegenseitig aufrichteten und sich bei den deutschen Fans bedankten.
„Wir haben Fehler gemacht"“
Mit seiner Taktik, die zunächst mehr auf die Italiener als auf die eigenen Offensivqualitäten ausgerichtet war, lag der Taktiktüftler dieses Mal voll daneben. „Im Nachhinein hätten wir dieses oder jenes machen können“, sagte Löw auf die Frage, ob er bei seinen erneuten Überraschungen bei der Aufstellung vielleicht einen Tick zu weit gegangen sei.

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Doch auch die Spieler erlaubten sich gegen die cleveren und abgebrühten Italiener Aussetzer, die man bei den vier vorangegangenen Siegen bei dieser EM so nicht gesehen hatte. „Wir haben Fehler gemacht, die man auf diesem Niveau nicht machen darf“, räumte Kapitän Philipp Lahm ein, der selbst vor dem zweiten Treffer von Italiens schillerndem Stürmerstar Mario Balotelli schwer patzte. Entsprechen groß war die Enttäuschung auch in der Nacht nach dem Spiel. „Es ist schwierig, jetzt die richtigen Worte zu finden“, sagte Stürmer Mario Gomez. „Es ist eine gewisse Leere da“, bemerkte Torhüter Manuel Neuer.
Enttäuschung beim „Kaiser“
Franz Beckenbauer reagierte bestürzt auf das EM-Aus. „Ich dachte, nach 16 Jahren, dem EM-Sieg 1996 in England, sind wir wieder reif für den Titel“, so der Fußball-„Kaiser“ in der „Bild“-Zeitung. Vor allem die Leistung der ersten Halbzeit sei ihm ein Rätsel. „Das war nicht die wahre deutsche Elf bei dieser EM.“ Die DFB-Auswahl habe zu viel Respekt vor der „Squadra Azzurra“ gehabt. „Das Gerede vom Italien-Fluch scheint die Spieler etwas gelähmt zu haben“, vermutete der ehemalige Teamchef und DFB-Vizepräsident.
Die vermeintlich falsche Taktik des Bundestrainers sieht er nicht als Hauptursache des Scheiterns. „Ich will es nicht an den Spielerwechseln von Jogi Löw festmachen“, sagte Beckenbauer. Zudem warnte er vor übergroßer Enttäuschung. „Eines sollte man nicht vergessen. Das Halbfinale ist kein Dreck. Andere große Fußballnationen wie England, Frankreich, Holland hätten es gerne erreicht.“
Optimistischer Blick nach vorne
Eine Diskussion über die Ausrichtung und Entwicklung der deutschen Nationalmannschaft wollten auch Kapitän Lahm und Teamchef Löw in der Stunde der Ratlosigkeit nicht zulassen. „Wir sind absolut konkurrenzfähig. In unserer Zukunft sieht es gut aus. Aber es gibt keine Garantie für diesen Titel“, so Lahm. „Grundsätzlich hatten wir zwei sehr gute Jahre. Die Mannschaft hat sich hervorragend entwickelt. Wir haben gegen eine wieder starke italienische Mannschaft verloren. Es gibt keinen Grund, etwas anzuzweifeln“, sagte Löw.
Trotz des verpassten Endspiels zog der DFB-Chefcoach eine positive Turnierbilanz. „Wir hatten die jüngste Mannschaft, haben trotz allem ein starkes Turnier gespielt. Wir haben in einer starken Gruppe alle Spiele gewonnen. Die Mannschaft wird auch diese Niederlage verkraften und sich weiterentwickeln.“
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