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„Eine realistische Einschätzung“

„Angst haben wir natürlich keine. Wir sind hier, um zu gewinnen.“ Joachim Löw hat vor dem WM-Qualfikationsspiel gegen Österreich am Dienstag (20.30 Uhr, live in ORF eins und im Livestream) keinen Zweifel an seinen Ambitionen beim Duell im Ernst-Happel-Stadion aufkommen lassen. Angesichts von 23 ungeschlagenen WM- und EM-Quali-Spielen ist diese Einstellung auch nicht weiter verwunderlich.

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Trotz aller Zuversicht hat Deutschlands Teamchef vor dem Spiel sein Lob für das ÖFB-Team erneuert. Es scheint tatsächlich so, als ob der Respekt vor Österreich so groß wie schon lange nicht ist. „Ich habe mich natürlich informiert und einige selbstbewusste Aussagen gelesen. Meiner Meinung nach sind die völlig zu Recht. Das ÖFB-Team hat sich entwickelt und ist sehr konkurrenzfähig. Ich erwarte ein Spiel auf Augenhöhe“, sagte Löw, der auch klarstellte: „Das ist eine realistische Einschätzung.“

Nur im Raum ließ Löw seine Aussagen nicht stehen und nannte eine ganze Litanei der österreichischen Vorzüge. In erster Linie begründete der 52-Jährige den Aufwärtstrend mit dem Amtsantritt von Marcel Koller, dessen Teams immer sehr organisiert und schwer auszuspielen seien. „Die Grundordnung ist immer gut. Es gibt aber auch mehr Direktheit im Spiel nach vorne, das Umschalten von Defensive auf Offensive ist sehr schnell. Man sieht gute Pressing-Situationen und keine Zufallsaktionen mehr“, sagte der ehemalige Austria- und Tirol-Trainer.

DFB-Coach Jocahim Löw gemeinsam mit Hans Flick

APA/EPA/dpa/Arne Dedert

Das Nägelbeißen wird bei Löw doch kein Zeichen von Nervosität sein?

„Deutschland gegen die Bundesliga“

Auch die Achtungserfolge in den letzten Spielen und die vielen Legionäre führte der DFB-Teamchef, der das Duell kurzerhand zum Duell „Deutschland gegen die Bundesliga“ ernannte, als Grund für die positive Entwicklung an. „Die Österreicher hatten früher wenige Legionäre, die auch nicht regelmäßig gespielt haben. Jetzt gibt es mehr Spieler im Ausland, die auch genug Spielpraxis haben und bei sehr guten Mannschaften Leistungsträger sind“, erklärte Löw.

Das führte zu einer neuen mentalen Stärke, die laut Löw im Vergleich zu früheren Spielen diesmal nicht „ein bisschen aufgesetzt“ wirkt. „Man spürt, dass sie es ernst meinen. Österreich wittert seine Chance, wieder bei einem großen Turnier dabei zu sein, und wird mit großer Motivation ins Spiel gehen“, erklärte Löw, der auch den Heimvorteil herausstrich: „Unsere Spiele in Wien waren immer geprägt von einer heißen, hitzigen Atmosphäre. Die Fans werden hinter dem Team stehen. Es wird ein enger und aggressiver Abnützungskampf.“

„Solche Spiele haben wir häufig“

Unter dem Strich bleibt Deutschland aber der klare Favorit, der im Spiel gegen Österreich zum Siegen verpflichtet ist wie in vielen anderen Partien auch. Deshalb bestritt Löw auch nicht die Tatsache, dass sein Team wohl mehr zu verlieren als zu gewinnen hat: „Solche Spiele haben wir häufig. Es gibt selten Spiele, in denen wir nicht Favorit sind. Aber es ist unser Anspruch, dass wir uns solchen Situationen stellen.“

Einen möglichen Punkteverlust in Wien für das DFB-Team, das in 80 Jahren WM-Qualifikation noch nie ein Auswärtsspiel verloren hat, würde Löw aber nicht sonderlich dramatisch sehen. „Das ist ein echter Langstreckenwettbewerb. Wir wollen nachlegen, aber es ist kein Entscheidungsspiel. 30 Punkte werden vergeben, erst am Ende wird abgerechnet“, erklärte Löw, der Gruppe C als „sehr ausgeglichen“ und Schweden, Irland und Österreich als „hartnäckige Gegner“ bezeichnete.

WM-Qualifikation, Gruppe C

Dienstag, 20.30 Uhr

Live in ORF eins und im Livestream

Österreich - Deutschland

Ernst-Happel-Stadion, SR Björn Kuipers (NED)

Mögliche Aufstellungen:

Österreich: Almer - Garics, Prödl, Pogatetz, Fuchs - Baumgartlinger, Kavlak - Arnautovic, Junuzovic, Ivanschitz - Harnik

Deutschland: Neuer - Lahm, Hummels, Badstuber, Schmelzer - Khedira, Kroos - Müller, Özil, Reus - Klose

Alle Spieler an Bord

Personell kann Löw aus dem Vollen schöpfen, weshalb er im Vergleich zum 3:0-Sieg gegen die Färöer die eine oder andere Änderung vornehmen könnte. Marcel Schmelzer dürfte für das Spiel fit werden, daher wird Holger Badstuber wieder in die Innenverteidigung rücken und dort Per Mertesacker ersetzen. Auch Toni Kroos steht wieder zur Verfügung und gilt neben Lars Bender als Anwärter auf einen Platz im zentralen Mittelfeld neben Sami Khedira.

Dass sein Team mit der „Doppel-Sechs“ defensiver ausgerichtet ist, davon wollte Löw nichts hören. „Wir spielen immer offensiv, das ist unsere grundsätzliche Ausrichtung. Wir wollen Druck ausüben“, stellte der DFB-Coach klar und erklärte sein Anforderungsprofil für diese Positionen: „Ich will keine starre Anordnung im Mittelfeld. Alle drei Spieler in der Zentrale müssen defensiv und offensiv agieren. Egal, wer spielt, muss diese Aufgabe erfüllen.“

Christian Wagner, ORF.at

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